Archivierter Artikel vom 12.02.2020, 17:07 Uhr

Hinhören und hinschauen – Gebrauchtwagen-Check: Peugeot 2008

Der Peugeot 2008 ist eigentlich ein pfiffiges Mini-SUV. Manche Exemplare haben aber den Drang, über Geräusche zu kommunizieren.

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Ins Auge fällt zunächst der nun deutlich steiler stehender Kühlergrill, der den Wagen wuchtiger wirken lässt als bisher
Ins Auge fällt zunächst der nun deutlich steiler stehender Kühlergrill, der den Wagen wuchtiger wirken lässt als bisher

Das bisher eher schmächtige Mini-SUV wirkt nun präsenter und erwachsener, vor allem die Front sieht mehr nach Offroader
Das bisher eher schmächtige Mini-SUV wirkt nun präsenter und erwachsener, vor allem die Front sieht mehr nach Offroader aus als nach höher gelegtem Stadtauto

SP-X/Köln. Die neue Generation des Peugeot 2008 steht mittlerweile bei den Händlern. Damit dürften verstärkt Fahrzeuge der ersten Generation des Mini-SUV in den Gebrauchtwagenhandel kommen. Diese trat 2013 an und diente gleichzeitig als Nachfolger des Kombis 207 SW.

Der 2008 will kein Reisewagen sein, sondern ein Stadt-SUV. Entsprechend handlich fährt er sich
Der 2008 will kein Reisewagen sein, sondern ein Stadt-SUV. Entsprechend handlich fährt er sich

Karosserie und Innenraum: Der 4,16 Meter lange Franzose kommt immer als Fünftürer vorgefahren. Bis zu seinem Facelift (Frühjahr 2016) erinnerte die Optik eher an ein höher gelegtes Stadtauto als ein prägnant auftretendes Mini-SUV. Tatsächlich wirken die Vor-Facelift-Fahrzeuge eher schmächtig. Bei den aufgefrischten 2008 sorgen ein deutlich steiler stehender Kühlergrill sowie verbreiterte Radkästen, Schutzbeplankung aus kratzfestem Plastik rundum sowie ein Unterfahrschutz für einen selbstbewussteren Auftritt. Unabhängig von der Optik bleiben die Vor- und Nachteile der Karosserie bestehen. Zu den Vorzügen zählen die hohe Sitzposition, eine niedrige Ladekante und die ebene Ladefläche nach Umlegen der Rückbank. Nachteilig wirken sich dagegen die schmalen hinteren Türausschnitte beim Einsteigen aus. Auch beim Thema Übersichtlichkeit muss man Abstriche machen, unter anderem stört die weit vorgezogene B-Säule die Orientierung rundum. Das Platzangebot geht in Ordnung. Das Kofferraumvolumen kann sich durchaus sehen lassen. In der Grundstellung passen bis zu 350 Liter hinein, legt man die Rücksitzlehnen um, steigt der Wert auf bis knapp 1.200 Liter.

Den präsenteren Eindruck unterstreichen außerdem verbreiterte Radkästen, Schutzbeplankung aus kratzfestem Plastik rundum
Den präsenteren Eindruck unterstreichen außerdem verbreiterte Radkästen, Schutzbeplankung aus kratzfestem Plastik rundum, ein Unterfahrschutz und neue Rückleuchten

Motoren und Antrieb: Peugeot hat für den 2008 Benziner und Diesel im Angebot. Gab es zu Beginn der ersten Generation noch Vierzylinder-Otto-Triebwerke, haben die Franzosen im Laufe der Zeit auf Dreizylinder umgestellt. Die Leistungsspanne reicht von 60 kW/82 PS bis 96 kW/130 PS. Die Aggregate sind für geruhsames Fahren gedacht, Beschleunigungsnerds wären schnell genervt. Die Motoren überzeugen eher mit Laufruhe und sparsamen Umgang mit Treibstoff. Die manuelle Kraftübertragung erfolgt über Fünf- oder Sechsgang-Schalter. Als Alternative stehen Vier- oder Sechsstufen-Automaten zur Wahl. Außerdem hatte Peugeot noch ein automatisiertes Fünfgang-Schaltgetriebe im Angebot. Dieses macht allerdings oft mit streikenden Stellmotoren Probleme. Wer Allrad möchte, wird nicht fündig. Den 2008 gibt es ausschließlich mit Frontantrieb. Die Franzosen bieten aber ein flexibles elektronisches Traktions-System an, bei dem sich die ESP-Logik per Knopfdruck an verschiedene Untergründe anpassen lässt.

Das hübsche und ergonomisch günstig platzierte Infotainment-System koppelt sich nun auch mit Apple- und Android-Handys,
Das hübsche und ergonomisch günstig platzierte Infotainment-System koppelt sich nun auch mit Apple- und Android-Handys, ein kamerabasierter Notbremsassistent für den Stadtverkehr soll Auffahrunfälle verhindern

Ausstattung und Sicherheit: Mit einer Fünf-Sterne-Wertung absolvierte der 2008 im Jahr 2013 den Euro-NCAP-Crashtest. Weniger gut fiel die Qualitätsanmutung aus. Lose herumliegende Kabel und unlackierte Stellen im Motorraum machen keinen besonders guten Eindruck. Das gilt auch für undefinierte Klappergeräusche im Innenraum. Kunden sind auch von Problemen mit dem Konnektivitätssystem genervt. Das Koppeln des Smartphones gelingt nicht immer so wie es sein sollte. Das Mini-SUV gab es zunächst in drei Ausstattungslinien (Access, Active und Allure), später ist die mager ausgestattete Basisversion weggefallen. Die Ausstattung des 2008 ist aber zumindest ab „Acitve“ ordentlich, umfasst dann Audio- und Klimaanlage sowie Lederlenkrad und Freisprecheinrichtung. Immer an Bord ist das kleine Lenkrad, das einen guten Blick auf den hochgesetzten Tacho ermöglichen soll. Das muss einem gefallen. Die Auswahl an Fahrerassistenten ist nach und nach gestiegen. Vieles fällt aber unter Extras.

Qualität. Hier liegen Licht und Schatten eng beieinander. Bis zu drei Jahre alte Fahrzeuge meistern die Hauptuntersuchung beim TÜV hinsichtlich Achsaufhängung, Dämpfung Lenkung und Auspuffanlage ohne Beanstandungen. Beleuchtung und Ölverlust, aber auch die Bremsen, sorgen indes schon bei der ersten Vorstellung beim TÜV für Probleme. Bei den vier bis fünf Jahren alten 2008-Modellen bereitet die Auspuffanlage Sorgen. Licht, Achsaufhängung und Bremsen fallen ebenfalls nicht immer positiv auf. Immerhin absolvieren knapp 90 Prozent der Dreijährigen die Hauptuntersuchung im ersten Durchlauf.

Fazit: Wer ein Mini-SUV sucht, kann als Alternative etwa zu Opel Mokka X, Renault Captur oder Nissan Juke auch zum Peugeot 2008 greifen. Ausgiebige Probefahrten mit ausgeschaltetem Radio, um unliebsame Geräusche hören zu können, sollten aber Pflicht sein. Außerdem sollte man einen Blick auf den Stellplatz des Fahrzeugs werfen und schauen, ob Ölflecken vorhanden sind. Sechs bis sieben Jahre alte Exemplare starten in den Online-Gebrauchtwagenportalen ab rund 7.500 Euro.

Elfriede Munsch/SP-X