Ein flotter Familienfreund – Gebrauchtwagen-Check: BMW 2er Active Tourer (F45)

BMW bietet den 2er Active Tourer bereits in zweiter Generation an. Er ist teuer, weshalb sich sein in die Jahre kommender Vorgänger als Gebrauchtalternative empfiehlt. Die ist grundsätzlich auch im Alter solide. Doch die Fehler häufen sich.

Von Mario Hommen/SP-X

SP-X/Köln. Das Van-Sterben auf dem deutschen Automarkt geht unvermindert weiter. BMW ist einer von nur noch wenigen Herstellern, der mit dem 2er Active Tourer diesem Segment die Treue hält, wie die Einführung der zweiten Generation Anfang 2022 verdeutlicht. Wer die Neuauflage will, muss allerdings mindestens 36.000 Euro auf den Tresen des BMW-Händlers legen. Vom ähnlich attraktiven Vorgänger werden gebraucht mittlerweile in großer Zahl deutlich günstigere Alternativen angeboten, teilweise schon zu Preisen von unter 10.000 Euro. Laut TÜV-Report 2022 handelt es sich um einen soliden Typen. Mit den Jahren nimmt allerdings auch hier die Zahl altersbedingter Problemstellen zu.

Karosserie und Innenraum: Auf wenn der 2014 eingeführte 2er Active Tourer optisch nicht mehr knackfrisch daherkommt, macht er für einen Vertreter des eher biederen Van-Segments eine weiterhin gute Figur. Überzeugender sind jedoch seine inneren Werte. Der Tourer zeichnet sich durch einen hochwertig eingerichteten Innenraum mit viel Platz aus. Der Bereich hinter den Vordersitzen ist zudem flexibel nutzbar. In diesem Kapitel kann vor allem die Langversion „Gran Tourer“ überzeugen, der den Active Tourer um 20 Zentimeter überragt und zudem mit dritter Sitzreihe optional angeboten wurde.

Beide Karosserievarianten leiden trotz Frontantrieb allerdings unter einem breiten Kardantunnel, der das Sitzen auf dem Mittelsitz im Fond ziemlich unbequem macht. Wer maximales Platzangebot sucht, ist bei Vans anderer Hersteller meist besser bedient – die Münchner setzen die Prioritäten traditionell eher bei Fahrverhalten und Optik. Da macht der Tourer keine Ausnahme.

Motoren: Der 2er-Van nutzt die Frontantriebsplattform von Mini und war seinerzeit das erste Modell der Marke ohne Hinterradantrieb. Allerdings finden sich gebraucht auch Exemplare mit der Allradtechnik aus dem Mini Countryman. Und auch die Motorenpalette weist große Überlappungen auf. Einstiegstriebwerk ist ein 80 kW/109 PS starker 1,5-Liter-Dreizylinderbenziner, der nicht so recht zum dynamischen und fahraktiven Anspruch des Vans passen will. Deutlich flotter geht die Variante mit 103 kW/140 PS zu Werke, darüber rangieren zwei 2,0-Liter-Vierzylinder mit 141 kW/192 PS und 170 kW/231 PS, die den 2er zum Sportwagen unter den Familienkutschen machen.

Auch bei den Dieseln herrscht kein Leistungsmangel: Die 2,0-Liter-Vierzylinder kommen auf 110 kW/150 PS und 140 kW/190 PS, sogar der besonders effiziente 1,5-Liter-Dreizylinder ist mit 85 kW/116 PS für diese Klasse noch ordentlich motorisiert. Ab 2018 wurde alternativ eine Plug-in-Hybrid-Variante mit 165 kW/224 PS und über 50 Kilometer E-Reichweite eingeführt, für die auf dem Gebrauchtmarkt meist noch mehr als 20.000 Euro aufgerufen werden. Bei den stärker motorisierten Active Tourern kommen für die Kraftübertragung Automatikgetriebe mit sechs bis sieben Gängen zum Einsatz, Handschaltung gibt es für die schwächeren Versionen 216i und 218i sowie 214d, 216d und 218d.

Ausstattung und Sicherheit: BMW hat den Active Tourer bewusst in die 2er-Reihe einsortiert, in der es auch ein Coupé und ein Cabrio gibt. Entsprechend hoch ist das Ausstattungsniveau des Vans. Die Basisausführung bietet unter anderem Klimaanlage, Audiosystem mit Bluetooth-Freisprechanlage und Leichtmetallfelgen (außer bei den zwei Einstiegsmotorisierungen). Die Liste an Optionen ist aber lang. Nach Details wie einer elektrischen Heckklappe, LED-Scheinwerfern, Adaptiv-Fahrwerk oder Dachreling muss man gezielt Ausschau halten.

Darüber hinaus gibt es vier vorkonfigurierte Linien: „Advantage“ bietet vor allem Technik-Ausstattung, „Sport Line“ und „M Sport“ setzen auf ein dynamisches Äußeres sowie Sportsitze, bei der „Luxury Line“ sind Ledersitze und ähnliche Annehmlichkeiten an Bord. Für Sicherheit sorgen in allen Varianten sechs Airbags, dazu gibt es auf Wunsch diverse Assistenten – vom Spurhaltehelfer bis zum Notbremssystem. Beim Euro-NCAP-Crashtest gab es 2014 fünf von fünf möglichen Sternen.

Qualität: Der erste BMW auf einer Frontantriebsplattform leistet sich keine größeren Schwächen. Selbst nach der zweiten HU-Runde liegt seine Prüf-Statistik in allen Kategorien im grünen Bereich. Seit dem TÜV-Report 2022 befindet sich der 2er Active Tourer im Segmentvergleich auf allerdings nur noch auf durchschnittlichem bis sogar überdurchschnittlichem Mängelniveau. Grund: Vergleichsweise häufig fällt der Van durch die Abgasuntersuchung (AU), die neuerdings in der TÜV-Report-Bewertung berücksichtigt wird. Während die Bremsen auch nach sieben Jahren in der Regel noch in Schuss sind, zeigen sich ab diesem Alter gehäuft Mängel an den Lenkgelenken. Wer in Internet-Foren nach Fehlern sucht, findet zudem Hinweise auf klappernde Panoramadächer, wirre Navi-Anweisungen und Kantenrost an den Türen.

Fazit: Der 2er Tourer ist nicht nur sportlicher und edler als der gemeine Familien-Van, er zeigt sich technisch auch weitgehend so souverän, wie es ein Premiumauto tun sollte. Entsprechend werden in der Regel auch für zum Teil bereits acht Jahre alte Exemplare noch fünfstellige Summen aufgerufen.

Mario Hommen/SP-X