Archivierter Artikel vom 17.06.2021, 17:07 Uhr

Wohlfühl-Stromer – Test: Mercedes-Benz EQA Edition 1

Mit dem EQA hat Mercedes in der Klasse der kompaktem SUV seit einigen Monaten ein vollelektrisches Fahrzeug im Angebot. Im Test überzeugt es durch Komfort und sparsamen Verbrauch. Die ladekosten sind ein anderes Thema.

Auch für lange Autobahntouren eignet sich der rein elektrisch angetriebene Mercedes EQA
Auch für lange Autobahntouren eignet sich der rein elektrisch angetriebene Mercedes EQA

Eigentlich ist der EQA ein Kompakt-SUV, doch mit einer Länge von fast viereinhalb Meter ist auch ein durchaus stattliche
Eigentlich ist der EQA ein Kompakt-SUV, doch mit einer Länge von fast viereinhalb Meter ist auch ein durchaus stattliches Mobil

SP-X/Köln. Dank steigender Reichweiten lassen sich mit E-Autos mittlerweile selbst längere Autobahntouren entspannt abspulen. Der neue Mercedes EQA zum Beispiel soll mit einer Ladung über 400 WLTP-Kilometer weit kommen und dank leistungsstarker Ladetechnik auch flott nachtanken. Entsprechend wagen wir die Hin- und Rückfahrt zwischen Köln und Bremen, auf der wir einige vornehmlich positive Überraschungen erleben.

Den Mercedes EQA erlebt man in eigentlich allen Lebenslagen als spritzig. Allerdings wird bei 160 km/h abgeregelt
Den Mercedes EQA erlebt man in eigentlich allen Lebenslagen als spritzig. Allerdings wird bei 160 km/h abgeregelt

Die Elektrovariante des Kompakt-SUV GLA schafft dank 66,5 kWh großer Batterie genaugenommen 415 Kilometer laut WLTP-Protokoll. Vor der ersten Tour mit vollem Akku ist der Bordcomputer davon nicht ganz überzeugt. Er prognostiziert 385 Kilometer, was eigentlich locker für den 335 Kilometer langen Trip reichen sollte. Doch auf der Autobahn herrschen für Stromer besondere und der Reichweite nicht gerade förderliche Bedingungen. Als wir das Navi mit dem Wunschziel füttern, schlägt dieses sogleich einen rund 15-minütigen Zwischenstopp zum Laden nach rund 200 Kilometer vor. Eine kleine Rast kann nicht schaden, zumal das Reichweitenpolster mit der in Aussicht gestellten Tankpause um mehr als 100 Kilometer steigt. Reichweitenangst kam jedenfalls keine auf. Entsprechend sind wir mit aktiver Klimaanlage, eingeschaltetem Radio und einem auf 120 km/h eingestellten Abstandstempomat ins neuzeitliche Reiseabenteuer gestartet.

Auch bei normalem Autobahntempo sollte der EQA mit einer Ladung über 300 Kilometer weit kommen
Auch bei normalem Autobahntempo sollte der EQA mit einer Ladung über 300 Kilometer weit kommen

Während die Landschaft an einem vorbeirauscht, entfaltet das Ambiente der gut ausgestatteten Version Edition 1 seine wohnliche Wirkung. Materialien, Verarbeitung und die Art der Einrichtung sorgen für eine Wohlfühlatmosphäre, die nur wenige andere Hersteller auf diesem Niveau bieten. Nicht nur wegen seines E-Antriebs ist der Benz zudem besonders leise. Das gesamte Fahrzeug wirkt fein gedämmt und solide, der brillante Klang der Audioanlage sorgt zusätzlich dafür, dass man den EQA als Genussmobil mit zudem guten Platzverhältnissen wahrnimmt. Dank der supergeschmeidigen Art möchte man gar nicht mehr auf ein normales Verbrennerauto umsteigen. Einziges Manko: Die Rückbank des EQA bietet Gästen zwar gute Beinfreiheit, doch dem Fußraum fehlt Tiefe, weshalb durchschnittlich große Menschen hier mit stark angewinkelten Beinen hocken.

Sehr wohnlich, qualitativ hochwertig und zudem sehr modern präsentiert sich der Innenraum des EQA in der Version Edition
Sehr wohnlich, qualitativ hochwertig und zudem sehr modern präsentiert sich der Innenraum des EQA in der Version Edition 1

Obwohl leise, ist der 140 kW/190 PS starke E-Motor beim Vortrieb alles andere als zurückhaltend. Egal in welcher Situation man aufs Beschleunigungspedal tritt, die Maschine schiebt den Zweitonner stets lässig leicht nach vorne und vermittelt ein der Marke angemessenes Souveränitätsgefühl. Nach 8,9 Sekunden erreicht der EQA aus dem Stand 100 km/h. Wer beim Ampelsprint maximalen Schub fordert, bringt allerdings die Vorderräder mächtig unter Druck. Bei nasser Fahrbahn kann es zur Herausforderung werden, die allein über die Vorderräder herfallenden 375 Newtonmeter Drehmoment in sauberen Vortrieb umzusetzen. Seit Mai bietet Mercedes den EQA alternativ auch in stärkeren Allradversionen an. Doch egal welche Leistungsversion: Maximal sind nur 160 km/h möglich, die der Stromer dafür mühelos und schnell erreicht.

Auf einem Autohof bei Osnabrück laden wir in wenigen Minuten Strom für weitere gut 100 Kilometer
Auf einem Autohof bei Osnabrück laden wir in wenigen Minuten Strom für weitere gut 100 Kilometer

Tempo kostet allerdings Reichweite. Bereits bei 120 km/h schrumpften laut Bordcomputer die zunächst 385 auf zwischenzeitlich 330 Kilometer. Insofern war es gut, zwischenzeitlich an einen Schnelllader von Aral anzudocken, der, wie vom vernetzten Navi angezeigt, auch verfügbar war. Dank über 100 kW Ladeleistung flossen in 14 Minuten 22 kW in die Akkus, die Reichweite erhöhte sich auf über 200 Kilometer. Das reichte locker für den Restweg, auf dem wir das Reisetempo auf 130 km/h erhöhten. Am Ziel waren noch 80 Kilometer Restreichweite und damit ein entspanntes Polster übrig. Entspannt war auch das Bezahlen beim Tanken, welches die „Mercedes Me“-Karte an Ladesäulen ungemein erleichtert. Hält man das Plastikkärtchen an den Chipleser, fließen die Stromlinge. Hat man genug getankt, reicht es, den Ladestecker wieder an die Säule zu hängen. Für die 22 kWh wurden übrigens 12,71 Euro berechnet, was im Verhältnis zu Benzin oder Diesel leider kein Schnäppchen ist.

Zwischenzeitlich lag die Ladeleistung bei über 100 kW
Zwischenzeitlich lag die Ladeleistung bei über 100 kW

Günstiger aber leider auch extrem langwierig ist das Laden an einer Haushaltssteckdose. Das kann sich bis zu 40 Stunden hinziehen. Ein dabei zwischengeschalteter Stromzähler zeigte nach dem Volltanken rund 83 kWh Verbrauch an, was beim Preis von rund 30 Cent pro Kilowattstunde gut 25 Euro entspricht. Günstig war das Tanken an einer Ionity-Schnellladesäule, wo wir 9 kWh in 6 Minuten für 2,47 Euro bekamen. In einem Einkaufszentrum gab es sogar kostenlosen Strom. An einer anderen öffentlichen Ladesäulen von Innogy südlich von Köln wurden für das über zehnstündige Tanken von 51 kWh dank Zusatzgebühren stolze 52,38 Euro abgebucht. Insgesamt haben wir über eine Strecke von 850 Kilometer 200 kWh verbraucht, was einem Durchschnittsverbrauch inklusive Ladeverlusten von 23,5 kWh entspricht. Tankt man konsequent günstig, verursacht der EQA also Energiekosten von rund 7 Euro pro 100 Kilometer. Das wäre wenig und auf dem Niveau sparsamer Diesel. Praktisch waren es dank der teuren Tankungen im Schnitt allerdings 13 Euro. Doch hier ist noch viel Luft nach unten. Wer den EQA oder ein anderes E-Auto im Alltag nutzt, wird schnell rausfinden, wo man preiswert und wo man nur im Notfall tankt. Wird eigener Solarstrom getankt, sind Energiekosten sogar weit unter Verbrenner-Niveau möglich.

Apropos Kosten: Der Preis der rund 44.000 Euro teuren EQA-Basisversion lässt sich dank Innovationsprämie auf 34.400 Euro drücken. Für einen mit bereits einigen Annehmlichkeiten bestückten, fast viereinhalb Meter großen Fünftürer mit gehobenem Leistungs- und Komfortniveau definitiv eine Überlegung wert. Wer mehr Ausstattung will, kann zum Beispiel für rund 8.500 Euro Aufpreis das Sondermodell Edition 1 ordern.

Mercedes EQA 250 – Technische Daten:

Fünftüriges SUV der Kompaktklasse; Länge: 4,46 Meter, Breite (ohne Außenspiegel): 2,02 Meter (1,83 Meter), Höhe: 1,62 Meter, Radstand: 2,73 Meter, Kofferraumvolumen: 340 bis zu 1.320 Liter. Leergewicht: 2.040 kg

Elektromotor mit 140 kW/190 PS, maximales Drehmoment: 375 Nm. Lithium-Ionen-Batterie mit 200 Zellen in fünf Modulen. Nutzbarer Energiegehalt: 66,5 kW/h. Reichweite nach WLPT 415 Kilometer. Ladezeit auf 100 Prozent an Wallbox (11 kW): 5:75 Std.; Lade-zeit auf 10 – 80 Prozent an DC-Lader (100 kW): 32 Minuten. Frontantrieb, Eingang-Automatik, 0-100 km/h: 8,9 s, Vmax: 160 km/h, Normverbrauch (WLTP) 18,3 kW/h/100 Ki-lometer, Testverbrauch: 23,5 kWh, CO2-Ausstoß: 0 g/km, Effizienzklasse: A+, Preis: ab 43.970 Euro

Mercedes EQA 250 – Kurzcharakteristik:

Warum: weil er angenehm zu fahren und ein gutes Alltagsauto ist

Warum nicht: weil man mit Verbrenner schneller und weiter fahren kann

Was sonst: Audi Q4 E-Tron, BMW iX3, Aiways U5

Mario Hommen/SP-X