Archivierter Artikel vom 27.02.2020, 16:07 Uhr

Wenn es ein bisschen mehr sein darf – Test: Nissan X-Trail

Wer regelmäßig viel Gepäck oder zahlreiche Mitfahrer hat, dem ist ein klassisches Kompakt-SUV zu klein. Nissan hat daher auch eine Alternative zum Qashqai im Programm.

Lesezeit: 4 Minuten
Der Nissan X-Trail ist die geräumige Alternative zum Qashqai
Der Nissan X-Trail ist die geräumige Alternative zum Qashqai

Das Mittelklasse-SUV ist seit 2014 auf dem Markt, ein Nachfolger steht bereits in den Startlöchern
Das Mittelklasse-SUV ist seit 2014 auf dem Markt, ein Nachfolger steht bereits in den Startlöchern

SP-X/Köln. Wer ein SUV vor allem wegen des Platzangebots kauft, ist in der Crossover-Mittelklasse am besten aufgehoben. Modelle wie der Nissan X-Trail bieten Gepäckraum ohne Ende und nehmen zur Not sogar sechs Beifahrer auf.

Das Cockpit ist ergonomisch und logisch eingerichtet
Das Cockpit ist ergonomisch und logisch eingerichtet

Waren die ersten X-Trail-Generationen noch kernige Geländegänger, ist die seit 2014 gebaute Auflage drei ein moderner Crossover im Stil des kompakten Qashqai. Dem Erfolgsmodell unter den Softroadern gleicht der größte Nissan in Europa nicht nur äußerlich stark, sondern auch technisch. Er fußt auf der gleichen Plattform, streckt sich aber 30 Zentimeter weiter auf 4,69 Meter Länge. Rund 10 Zentimeter des Zuwachses entfallen auf den verlängerten Radstand, was sich vor allem in einem sehr großzügigen Fond-Abteil niederschlägt. Dort sitzt es sich dank verschiebbarer Bank selbst zu dritt noch relativ luftig. Sehr Großgewachsene könnten allerdings mit dem Kopf an das vergleichsweise niedrige Dach stoßen. Sollen zwei weitere Passagiere an Bord, lassen sich zwei (optionale) Klappsitze aus dem Kofferraumboden falten. Dort hat man es jedoch selbst mit kurzen Beinen nur auf kurzen Strecken einigermaßen bequem.

Der Kofferraum ist groß und gut geschnitten
Der Kofferraum ist groß und gut geschnitten

Wer die zusätzlichen Sitzmöglichkeiten nicht benötigt, kann stattdessen einen sehr großen Kofferraum nutzen. In der Grundkonfiguration stehen 405 Liter zur Verfügung, bei umgeklappter Rückbank sind es 1.996 Liter. Das Gepäckabteil ist aber nicht nur geräumig, sondern auch praktisch geschnitten. Unter der geöffneten Heckklappe stehen auch Großgewachsene aufrecht, eine Durchladeluke vereinfacht das Laden langer Gegenstände, der variable Ladeboden erleichtert das Verstauen von Kleinkram und sorgt zusätzlich für einen bündigen Abschluss zur Stoßstange. Auch positiv: Bei umgeklappter Fondlehne entsteht keine störende Stufe. Einziges Zugeständnis, dass man beim Beladen akzeptieren muss, ist die hohe Kofferraumkante, über die das Gepäck zu wuchten ist. Bei einem SUV lässt sich das jedoch bauartbedingt kaum umgehen.

Allradantrieb ist nur für den Diesel verfügbar
Allradantrieb ist nur für den Diesel verfügbar

Hinter dem Fahrerabteil kann der X-Trail also glänzen. Und auch die Plätze vorne links und rechts können überzeugen. Auch wenn das Cockpit in Sachen Design und Infotainment nicht mehr den neuesten Stand repräsentiert und die Materialauswahl teils sehr kostenoptimiert wirkt, gibt sich der große Nissan bei Ergonomie und Bedienbarkeit kein Blöße. Die erhaben montierten Sitze müssen allerdings erst einmal erklommen werden, was aufgrund der hohen Schweller als etwas beschwerlich wahrgenommen werden kann. Einmal drin stellt das aber kein Problem mehr dar. Schon eher, dass die ausladende Karosserie des Nissan nicht eben übersichtlich ist. Ein Nachteil, der durch die etwas betagte und grobkörnige Rückfahrkamera nicht ausgeglichen wird.

Ein besonders handliches Auto ist der große X-Trail mit seinem ausladenden Wendekreis von rund 12 Metern sowieso nicht. Dafür ein bequemes. Das Fahrwerk absorbiert die Härten der Straße zuverlässig, ohne dabei zu weich oder unverbindlich auszufallen. Karosseriebewegungen halten sich immer in Grenzen. Die Lenkung ist leichtgängig und präzise, die Bremse sind gut dosierbar. Alles in allem eine Abstimmung, wie man sie sich für ein alltagstaugliches Mittelklasse-SUV wünscht. Der wirksam gedämmte 1,7-Liter-Diesel passt sich da gut ein, tut seinen Dienst unaufgeregt und trotz der nominell nicht gerade üppigen 110 kW/150 PS und des Zusatzgewichts durch den Allradantrieb ausreichend souverän. Wer dem Vierzylinder nicht zu viel Temperamentsausbrüche abverlangt, fährt auch mit dem optionalen CVT-Getriebe gut. Der ungeliebte Gummibandeffekt hält sich in Grenzen, so dass der Komfortgewinn durch den Kupplungsverzicht überwiegt. Der Verbrauch fällt mit knapp 7 Litern zudem akzeptabel aus.

Für die getestete Variante werden mindestens 36.610 Euro fällig. Die Ausstattung („Acenta“) ist dann bereits ordentlich, allerdings fehlen moderne Assistenzsysteme, die auch nicht gegen Aufpreis zu haben sind. Wer Totwinkelwarner und Co. will, muss die Ausstattungsvariante „N-Connecta“ wählen (ab 39.860 Euro) und zusätzlich mindestens 1.000 weitere Euro investieren. Die gleiche, wenig kundenfreundliche Preislistenstruktur findet sich auch bei den schwächeren Motor- und kleineren Ausstattungsvarianten, so dass der Basispreis der Baureihe von 29.450 Euro („Visia“) eher ein Lockangebot ist.

Unterm Strich überzeugt der X-Trail als geräumige Alternative zum klassischen Kompakt-SUV, auch wenn die beiden Zusatzsitzplätze nur im Notfall nutzbar sind. Punkten kann der Nissan aber auch bei Fahrkomfort, Bedienung und Preisniveau.

Nissan X-Trail – Technische Daten

Fünf- oder siebensitziges SUV, Länge: 4,69 Meter, Breite: 1,82 Meter, Höhe: 1,70 Meter, Radstand: 2,71 Meter, Kofferraumvolumen: 135–1.996 Liter

1,7-Liter-Vierzylinderdieselmotor mit 110 kW/150 PS, Allradantrieb, maximales Drehmoment: 340 Nm bei 1.750 U/min, stufenloses Getriebe, 0-100 km/h: 12,7 s, Vmax: 190 km/h, Verbrauch: 5,5 Liter/100 km, Testverbrauch: 6,8 Liter/100 km; CO2-Ausstoß: 160 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-Temp, Effizienzklasse: B – C; Preis: ab 36.610 Euro.

Kurzcharakteristik – Nissan X-Trail:

Warum: viel Platz für Passagiere und Gepäck, einfache Bedienung

Warum nicht: betagtes Infotainment, eingeschränkte Übersichtlichkeit

Was sonst: Mitsubishi Outlander Skoda Kodiaq, Kia Sorento

Holger Holzer/SP-X