Kombi mit Sparpotential – Test: Audi A6 Avant 50 TFSI e Quattro

Auch mit einem Plug-in-Hybriden der oberen Mittelklasse kann man sparsam unterwegs sein. Allerdings muss man viel Disziplin zeigen.

Von Elfriede Munsch/SP-X
Mit der Wahl eines A6 Avant zeigt der Dienstwagenberechtigte Sinn für schöne Formen
Mit der Wahl eines A6 Avant zeigt der Dienstwagenberechtigte Sinn für schöne Formen

SP-X/Köln. Wer es in der Unternehmenshierarchie weit gebracht hat, kann dies nach außen mit einem gehobenen Dienstfahrzeug dokumentieren. Neben den entsprechenden Modellen aus München und Stuttgart signalisiert auch ein Audi A6 Avant auf dem Firmenparkplatz die Stellung des Fahrers. Handelt es sich dabei noch um einen mit Plug-in-Antrieb – erkennbar an dem kleinen „e“ in der Typenbezeichnung am Heck, lassen sich neben seinem Karrierestatus noch weitere Vermutungen über den Fahrer anstellen.

Soll es auf längere Strecken gehen, wählt man am besten den Hybridmodus
Soll es auf längere Strecken gehen, wählt man am besten den Hybridmodus

Ganz unabhängig von der Antriebseinheit: Mit der Wahl eines A6 Avant zeigt der Dienstwagenberechtigte Sinn für schöne Formen. Und das Fahrzeug macht auch ob seiner Länge von 4,95 Metern Eindruck. Als Lademeister taugt er jedoch nicht. Mit 405 bis 1.535 Litern fällt das Gepäckteil noch kleiner aus als beim schon nicht wirklich großen Kofferraum des normalen A6 Avant (565 bis 1.680 Liter). Innen erfüllt der Kombi die in ihn gesetzten Erwartungen. Edel und gut verarbeitet strahlt das Fahrzeug Noblesse aus. Man sieht und fühlt, dass der A6 kein günstiges Fahrzeug ist. Apropos Geld: Auch ein Dienstwagenberechtigter schaut auf die Kosten, muss er doch 1 Prozent von Listenbruttopreis des Autos monatlich versteuern. Nimmt er statt eines konventionell angetriebenen Modells jedoch einen Plug-in-Hybriden, halbiert sich der Steuersatz. Das „e“ weist also auf einen gewissen Sparwillen hin. Anders formuliert: Für den seit Anfang des Jahres erhältlichen A6 Avant 50 TFSI e Quattro (ab 61.790 Euro) werden im besten Falle nur rund 310 Euro im Monat als zu versteuernder geldwerter Vorteil berechnet. Dass es doch ein paar Euro mehr werden, dazu später mehr.

Das Kofferraumvolumen fällt mit 405 bis 1.535 Litern nicht gerade üppig aus
Das Kofferraumvolumen fällt mit 405 bis 1.535 Litern nicht gerade üppig aus

Sparen lässt sich aber auch bei Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß. Hinter der Bezeichnung „50 TFSI e Quattro“ verbirgt sich die Kombination aus einem in das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe integrierten 105 kW/143 PS starken E-Motor und einem Zweiliter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 195 kW/265 PS. Allradantrieb ist Serie. In Summe sind bis zu 220 kW/299 PS und 450 Nm möglich. Die Antriebsbatterie fasst brutto 17,9 kWh, netto 14,4 kWh. Im Idealfall sind bis zu 66 Kilometer elektrische Reichweite möglich. Den Durchschnittsverbrauch gibt Audi nach WLTP mit 1,5 bis 1,7 Liter und 17,5 bis 18,2 kWh Strom an. Der CO2-Ausstoß liegt bei 34 Gramm pro Kilometer. Inwieweit das Theorie bleibt oder alltagstauglich ist, hängt vom Fahrer ab. Und von einigen Umständen.

Hinter der Bezeichnung „50TFSI e Quattro“ verbirgt sich die Kombination aus einem in das Siebengang-Doppelku
Hinter der Bezeichnung „50TFSI e Quattro“ verbirgt sich die Kombination aus einem in das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe integrierten 105 kW/143 PS starken E-Motor und einem Zweiliter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 195 kW/265 PS

Vereinfacht gesagt, gibt es drei Fahrmodi für einen Plug-in-Hybriden: der elektrische Modus, der Hybrid-Modus oder der „Ist mir doch schei…egal“-Modus. Der Bordcomputer unseres Testautos zeigte bei Außentemperaturen von 10 Grad plus nach dem Laden an der heimischen Wallbox 63 Kilometer an. Das reichte locker, Strecken im Umkreis von 30 Kilometern überwiegend elektrisch zurückzulegen. Zumal der Audi ordentlich rekuperiert und damit die Reichweite immer wieder etwas auffüllt. Wer regelmäßig nachlädt, fährt die kürzeren Touren rein elektrisch. Der E-Motor reicht für flottes Fahren (bis Tempo 135) und bringt den fast 2,2 Tonnen schweren Avant flott auf Touren.

Soll es auf längere Strecken gehen, wählt man am besten den Hybridmodus. Das System entscheidet sich automatisch für die optimale Antriebsstrategie. Hat man die Routenführung des Navigationssystems aktiviert, fließen in die Berechnungen des Hybridmanagements etwa die Topografie, Ortsdurchfahrten, Autobahnabschnitte und der Fahrstil des Fahrers ein. Der Wechsel zwischen den Antrieben geschieht fast unmerklich. Bei vollgeladener Batterie und einer Strecke von 460 Kilometern kamen wir bei mehr oder weniger Richtgeschwindigkeitstempo auf der Autobahn auf einen Durchschnittsverbrauch von 6,2 Litern. Mit voller Batterie ließ sich auch der WLTP-Verbrauchswert erzielen. Nach einer 100 Kilometer-Runde über ostfriesische Land- und Dorfstraßen zeigt der Bordcomputer 1,6 Liter und 15,6 kWh Strom an.

Alles eitel Sonnenschein? Leider nein. Das Laden unterwegs gelang nicht immer. Sei es, dass die angefahrenen Ladepunkte besetzt waren, nicht funktionierten oder die Karten, die man vorrätig hält, nicht akzeptiert wurden. Der Ladevorgang dauert außerdem recht lange. Der Bordlader erlaubt nur eine maximale Ladeleistung von 7,4 kW. Mal eben während des Supermarktbesuchs an der Ladestation effektiv nachzuladen, gelingt nicht. Gute 2 Stunden muss man sich schon Zeit nehmen. Die Option an einer Schnellladestation Strom zu ziehen, besteht erst gar nicht. Man muss unterwegs schon einiges an Zeit zum Laden einplanen, will man das Fahrzeug sparsam bewegen.

Fahrer, die einen Plug-in nur wegen des Steuervorteils und der staatlichen Förderung von bis zu 7.200 Euro fahren, ansonsten sich nicht ums Laden kümmern, treiben den Verbrauch rapide in die Höhe. Bei zurückhaltender Gangart sind 9 Liter im reinen Benzinerantrieb realistisch, nutzt man das sportive Potential des Audi aus, wird es schnell zweistellig. Schließlich bringt der Plug-in im Vergleich zum 265 PS starken 45 TSFI Quattro rund 300 Kilogramm mehr auf die Waage, das Mehrgewicht erhöht den Verbrauch. Den „Ist mir doch schei…egal-Fahrern“ könnte jedoch trotz Firmentankkarte Ungemach drohen. Zum einen klopfen immer mehr Flottenmanager solchen Fahrern auf die Finger, zum anderen gibt es Bestrebungen in der Politik, Vergünstigungen nur bei einem entsprechende hohen elektrischen Fahranteil zu gewähren.

Ob unser Teilzeitstromer für den Einsatz auf überwiegend langen Strecken selbst bei guter Ladedisziplin seitens des Fahrers sinnvoll ist, sei dahingestellt. Als E-Auto für kurze Strecken und im Hybrid-Modus konnte der Audi sein Sparvermögen unter Beweis stellen. Im Schnitt verbrauchten zwischen 1,6 und 6,2 Liter Benzin.

Unser Testwagen, der in der Ausstattungslinie Sport vorfuhr, steht ab rund 64.000 Euro in der Liste. Damit ist der Kombi schon sehr ordentlich ausgestattet, doch ein „paar“ Extras wie Matrixlicht, 20-Zöller, Businesspaket, Metallic-Lack, Sportsitze und einem erweiterten Assistentenangebot lassen den Preis um 18.000 Euro höher ausfallen.

Audi A6 Avant 50 TFSI e Quattro – Technische Daten:

Fünftüriger, fünfsitziger Kombi der Oberen Mittelklasse, Länge: 4,95 Meter, Breite: 1,89 Meter (mit Außenspiegeln: 2,11 Meter), Höhe: 1,45 Meter, Radstand: 2,92 Meter, Kofferraumvolumen: 405 – 1.535 Liter

2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, 195 kW/265 PS, maximales Drehmoment: 370 Nm bei 1.600 – 4.300 U/min, Systemleistung: 220 kW/299 PS und 450 Nm, Allradantrieb, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (S-tronic), 0-100 km/h: 6,3 s, Vmax: 250 km/h, Durchschnittsverbrauch (WLTP): 1,5 – 1,7 Liter/100 Kilometer plus 17,5 – 18,2 kWh, Lithium-Ionen-Batterie: 17,9 kWh brutto/14,4 kW/h netto, elektrische Reichweite (WLTP): 60 bis 66 km, CO2-Ausstoß: 34 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-ISC-FCM, Emissionsklasse: A+++, Testverbrauch: 1,6 bis 6,2 Liter/100 Kilometer plus Strom

Preis: ab 61.790 Euro

Testwagenpreis: 82.180 Euro

Kurzcharakteristik:

Warum: schickes Auto, sparsam auf kurzen Strecken

Warum nicht: Verlangt Ladedisziplin und -Möglichkeiten

Was sonst: Mercedes E-Klasse-T-Modell E300 e, 5er BMW Touring xDrive 530e

Elfriede Munsch/SP-X