Archivierter Artikel vom 09.07.2020, 17:07 Uhr

Kleinwagen mit großem Auftritt – Test: Audi A1 Citycarver

Seit dem letzten Modellwechsel tritt der Audi A1 optisch selbstbewusster auf. Wem das noch nicht reicht, findet in der Citycarver-Variante eine noch einmal profiliertere Alternative.

Lesezeit: 3 Minuten
Der Citycarver ist ein A1 im Crossover-Kleid
Der Citycarver ist ein A1 im Crossover-Kleid

Das cockpit ist fein gearbeitet
Das cockpit ist fein gearbeitet

SP-X/Köln. Ein SUV ist schick, hat aber in der Stadt nichts zu suchen? Wer so denkt, könnte im Audi A1 Citycarver das passende Auto finden. Dem Kleinwagen im Offroad-Kleid gelingt der Spagat zwischen kernigem Auftritt und geringem Raumbedarf. Allerdings zu einem hohen Preis.

Neben Offroad-Beplankung gibt es auch eine höher gelegte Karosserie
Neben Offroad-Beplankung gibt es auch eine höher gelegte Karosserie

Ein wenig Widersprüchlichkeit steckt schon in der neuesten A1-Variante. Doch wer dem Gedanken folgen kann, ein dezidiertes Stadtauto mit hoher Bodenfreiheit und robusten Plastikplanken auszustatten, findet ihn im Citycarver handwerklich stimmig umgesetzt. Kommt der kleinste Audi seit dem Neustart 2018 aus Angst vor zu viel Stadtflitzer-Niedlichkeit sowieso schon wie ein kleiner Macho daher, unterstreicht das Geländewagen-Paket den aggressiven Auftritt noch einmal. Vor allem der große schwarze Kühlergrill, wie bei den echten Audi-SUV acht- statt sechseckig ausgeführt, wirbt um Aufmerksamkeit. Dazu passt, dass sich das ganze Auto mit seiner leicht höher gesetzten Karosserie (3,5 Zentimeter) sowieso um Achtung heischend nach oben reckt. Auf sensible Naturen mag der Citycarver vielleicht wie ein Gernegroß wirken, objektiv gesehen steht ihm die Schlammpackung aber richtig gut.

Allradantrieb gibt es nicht
Allradantrieb gibt es nicht

Jenseits von der Optik hat das Ankreuzen der City-Carver-Option allerdings keine spürbaren Auswirkungen. Von der Höherlegung jedenfalls ist auf der Straße nicht viel zu merken, der Kleinwagen liegt wie gewohnt verbindlich auf der Fahrbahn und straff in der Kurve, die Lenkung ist dynamisch und die Bremse gut dosierbar und bei Bedarf zupackend. Für den Antrieb stehen mittlerweile drei Benziner zur Verfügung, im Testwagen tat der 1,0-Liter-Dreizylinder mit 85 kW/116 PS seinen Dienst. Ordentliche Fahrleistungen, ein leicht kerniger Klang und ein Verbrauch im Sechs-Liter-Bereich machen ihn zum guten Allrounder für Stadt- und Überlandverkehr. Wer ausschließlich in der City unterwegs ist, dem reicht vielleicht auch sein kleiner Bruder mit 70 kW/95 PS. Wer es permanent eilig hat, ist mit dem 110 kW/150 PS starken 1,5-Liter-Vierzylinder besser bedient. Den 2,0-Liter-Motor mit 147 kW/200 PS gibt es bislang nicht in Kombination mit der Citycarver-Ausstattung, sondern ausschließlich für das sportlich gestaltete „S-Line“-Modell.

Das Infotainment beeindruckt mit schicker Grafik
Das Infotainment beeindruckt mit schicker Grafik

Wovon ein Designer-Modell wie der Citycarver besonders profitiert ist der sehr wertige Innenraum des A1. Materialauswahl, Verarbeitung und Ergonomie des fahrerzentrierten Cockpits zählen immer noch zu den besten in dieser Klasse. Mit dem nötigen Kleingeld kann man sogar für echtes Luxus-Flair sorgen. Womit wir auch bei der herausstechenden Schwäche des kleinen Audis wären: ein extrem hohes Preisniveau, auf das der Citycarver mit zahlreichen Extra-Ausstattungspaketen noch einmal eine Stufe draufsetzt. So liegt der Basispreis des Testwagens bereits bei selbstbewussten 23.005 Euro, fertig zusammengestellt – zugegebenermaßen geschmackvoll und großzügig – kommt er auf 34.430 Euro. Wohlgemerkt: Es handelt sich in diesem Fall noch nicht um die Spitzenmotorisierung, eine Automatik ist ebenfalls nicht im Preis inbegriffen. Für das Geld gibt es zwei VW Polo in der Basismotorisierung und mit ein paar Extras – immerhin ist der Wolfsburger der technisch weitgehend identische Modellbruder.

Der Crossover-A1 fühlt sich in der Stadt wohl
Der Crossover-A1 fühlt sich in der Stadt wohl

Wer sich an dem extremen Preisniveau nicht stört, findet im Citycarver eine stimmig gestylte Alternative zum normalen A1. Mit allen bekannten Tugenden des Grundmodells – vom agilen Fahrverhalten über das gute Raumangebot bis hin zum edel möblierten Cockpit.

Billig ist der Citycarver nicht zu haben
Billig ist der Citycarver nicht zu haben

Technische Daten – Audi A1 Citycarver:

Fünfsitziger Kleinwagen, Länge: 4,05 Meter, Breite: 1,94 Meter, Höhe: 1,46 Meter, Radstand: 2,56 Meter, Kofferraumvolumen: 335–1.090 Liter

1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner, Frontantrieb, manuelles Sechsganggetriebe, 85 kW/116 PS, maximales Drehmoment: 200 Nm bei 2.000–3.500 U/min, 0-100 km/h: 9,9 s, Vmax: 198 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,2 – 5,4 l/100 km, CO2-Ausstoß: 118 – 122 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-Temp-EVAP-ISC, Effizienzklasse: B – C, Testverbrauch: 6,2 l/100 km, Preis: ab 23.005 Euro (inkl. 16 % Mehrwertsteuer).

Kurzcharakteristik – Audi A1 Citycarver:

Warum: stimmiges Design, gute Raumangebot, agiles Fahrverhalten

Warum nicht: hohes Preisniveau

Was sonst: VW T-Cross, Fiat 500X, Hyundai i20 Active, Mini Countryman

Holger Holzer/SP-X