Archivierter Artikel vom 02.06.2022, 17:07 Uhr

Fortschritt hat seinen Preis – Test: Kia Sportage 1.6 T-GDI 48V AWD DCT GT Line

Über Generationen hinweg war der Kia Sportage vor allem als günstige Alternative gefragt. Mittlerweile hat der Koreaner andere Vorzüge. Davon gleich viele.

Von Mario Hommen/SP-X

SP-X/Köln. Mit der Anfang 2022 eingeführten fünften Generation des Sportage bietet Kia ein modernes Kompakt-SUV, das für fast jeden Einsatzzweck gewappnet ist. Der Fünftürer eignet sich als entspanntes Langstreckenfahrzeug, ist geräumig, variabel und ein entsprechend attraktives Familienauto. Auch Fahrspaß, Komfort und Infotainment-Technik sind auf hohem und zeitgemäßem Niveau. Dank Allradantrieb kann der Koreaner Wege auch abseits klassischer Autopfade einschlagen. Doch die vielen Talente und die vielen Technikinnovationen haben ihren Preis.

Die Zeiten als Schnäppchen-Geheimtipp sind für den Sportage jedenfalls endgültig vorbei. Schon für das Einstiegsmodell kostet 28.500 Euro. Soll es die von uns getestete Ausstattung GT Line mit Allradantrieb und 180-PS-Benziner sein, werden mindestens 46.150 Euro aufgerufen. Kommen Sound-Paket, Glasschiebedach, Zweifarblackierung und das große Paket von Assistenzsystemen hinzu, liegt man knapp über 50.000 Euro. Allerdings: Dann ist der Sportage auch randvoll mit viel feiner Technik und attraktiven Extras.

Entsprechend schick und modern eingerichtet präsentiert sich das aufgeräumte Cockpit. Das große Display hinterm Lenkrad sowie der Touchscreen in der Armaturenbrettmitte sind in einer gebogenen Einheit zusammengefasst. Die Zahl der Schalter und Knöpfe ist überschaubar, viele Funktionen werden über Lenkradtasten, Touchscreen oder Sprachbefehl gesteuert. Smart: Unter dem großen Infotainmentdisplay befindet sich eine Touchleiste, die wahlweise als Bedieneinheit für die Klimaanlage fungiert oder alternativ Direktwahltasten für Navi & Co anzeigt. Das Smartphone kann darunter in einer speziellen Schale kabellos sein Akku füllen, Handy-Inhalte lassen sich mit Android Auto oder Apple Carplay im großen Touchscreen spiegeln. Entsprechend kann man wählen, ob man sich von Google Maps oder vom festintegrierten Navigationssystem mit Echtzeitverkehrsinformationen zum Ziel leiten lässt.

Ob erste oder zweite Reihe – das Platzangebot ist über jeden Zweifel erhaben. Trotz Panorama-Glasdach, das für einen abgesenkten Dachhimmel sorgt, ist die Kopffreiheit für durchschnittlich große Gäste gut. Auch wenn die mit Hartplastik eingekleideten Radhauskästen im Kofferraum ein wenig stören, bietet das 562 Liter große Gepäckabteil erfreulich viel Platz. Unter dem mit der Ladekante bündig abschließenden Zwischenboden befinden sich zudem zusätzliche Staufächer. Die Rückbanklehne lässt sich von der elektrisch öffnenden Kofferraumklappe aus per Fernentriegelung im Verhältnis 40:20:40 umklappen. Stufenweise kann so das Stauraumvolumen auf 1.751 Liter wachsen.

Mit 1.598 Kubikzentimeter etwas kleiner dimensioniert ist der Hubraum des direkteinspritzenden Turbobenziners, der beachtliche 132 kW/180 PS in den Vortrieb wirft. Per Siebengang-Doppelkupplung gelangt die Kraft an alle vier Räder und der 1,7-Tonner auf Wunsch in glatt 9 Sekunden auf Tempo 100 und maximal auf knapp über 200 km/h. Dank Elektrounterstützung durch die Mildhybridtechnik fühlt sich der Vortrieb angenehm füllig an. Allerdings werkelt die Antriebskombination nicht so geschmeidig und kultiviert, wie man es etwa von vergleichbaren Antrieben von VW gewohnt ist. Geht man vom Gas, wird gesegelt. Dabei zieht sich der Benziner zurück und das Tempo wird vom häufig rekuperierenden E-Motor gehalten. Trotz der effizienzsteigernden Technik ist man unterm Strich nicht wirklich sparsam unterwegs. Über sieben Liter sind es bei zurückhaltendem Gasfuß, bei normaler Fahrweise sind es um acht Liter.

Grundsätzlich sparsamer ginge es, würde man auf Allradantrieb verzichten. Der allerdings sorgt im Alltag für optimale Traktion. Im Asphalteinsatz haben wir durchdrehende Räder jedenfalls nicht erlebt. Wer sich mal abseits befestigter Straßen bewegen will, kann mit einem kleinen Drehschalter in der Mittelkonsole einen für den Untergrund passenden Allradmodus wählen, um auch hier souverän voranzukommen.

Ebenfalls erfreulich gut lässt sich der Sportage flott durch Kurven bewegen. Unser Exemplar mit GT-Line-Ausstattung hat bereits serienmäßig eine elektronische Dämpferkontrolle an Bord, die dank kontinuierlicher Dämpfungsregelung für stets guten Komfort und ein hohes Maß an Fahrstabilität sorgt. Wank-, Tauch- und Nickbewegungen werden spürbar reduziert, selbst beim flotten Kurvenstrich kommt keine Unsicherheit auf. Für grundsätzlich hohes Sicherheitsniveau sorgen außerdem die vielen Assistenzsysteme, die allerdings in mancher Situation etwas unharmonisch reagieren. Die Tempolimit-Erkennung arbeitet nicht immer zuverlässig, der Spurhalter könnte mit etwas mehr Zurückhaltung korrigieren sowie der Abstandstempomat noch souveräner zwischen brenzligen und gefahrlosen Situationen unterscheiden. Doch auch hier muss man feststellen: Fortschritt hat ihren Preis.

Kia Sportage 1.6 T-GDI 48V AWD DCT GT Line – Technische Daten:

Fünftüriges, fünfsitziges Kompakt-SUV, Länge: 4,52 Meter, Breite: 1,87 Meter, Höhe: 1,65 Meter, Radstand: 2,68 Meter, Kofferraumvolumen: 562 bis 1.751 Liter

1,6-Liter-Vierzylinder-Otto mit Direkteinspritzung und Turboaufladung, 132 kW/180 PS, maximales Drehmoment: 265 Nm bei 1.500 bis 4.500 U/Min, Siebengang-Automatik (Doppelkupplung), Allradantrieb, 0-100 km/h: 9,0 s, Vmax: 201 km/h, Durchschnittsverbrauch: 6,0 l, CO2-Ausstoß: 137 g/km (NEFZ), Testverbrauch: 8,0 l, Effizienzklasse: A, Abgasnorm: Euro 6d, Preis: ab 46.150 Euro

Kia Sportage – Kurzcharakteristik:

Warum: weil er eine eierlegende Wollmilchsau ist

Warum nicht: weil ein segmentgleicher Kombi doch noch etwas ökologischer ist

Was sonst: VW Tiguan, Mercedes GLA, BMW X1, Audi Q3, Jaguar E-Pace, Nissan Qashqai

Mario Hommen/SP-X