Fortschritt, der kostet – Test: Nissan Qashqai 1.3 DIG-T 116 kW Xtronic 4x4

Der Nissan Qashqai als Premium-SUV? Da mag sich mancher wundern. Doch wer entsprechend viel Geld in die Hand nimmt, kriegt bei der Neuauflage des Crossover-Klassikers auch viel Feines geboten.

Von Mario Hommen/SP-X

SP-X/Köln. Die erste Generation des 2007 eingeführten Kompakt-SUV Qashqai war für Nissan ein Riesenerfolg. Sein neuartiges Crossover-Konzept traf den Nerv der Zeit, zugleich war er auch preislich eine interessante Alternative. In der frisch angetretenen dritten Generation will Nissan mit Premium-Flair, schicker Optik und moderner Technik punkten. Wer das will, sollte sich allerdings vom Gedanken verabschieden, mit dem Qashqai noch ein Schnäppchen machen zu können.

Bereits äußerlich gibt sich die Neuauflage eindeutig als Aufsteiger zu erkennen. Ihr frisches Design fällt auf, polarisiert jedoch nicht. Mit markanten Hightech-Leuchten, dezentem Chromschmück, Zweifarblackierung und aufpreispflichtigen 20-Zoll-Rädern kommt das Testexemplar zwar leicht aufgebrezelt daher. Doch jenseits von diesem Blendwerk erfreut das Blechkleid zugleich mit gelungenen Proportionen und einem stimmigen Sickenspiel. Die neue Haut sitzt. Und das aus wirklich jedem Blickwinkel. Obwohl es sich um ein SUV handelt, ist er mit 1,63 Meter nur knapp eine Handbreit höher als etwa ein Golf Variant.

Dennoch vermittelt der Qashqai seinen Gästen innen das Gefühl, auf leicht gehobenem Niveau unterwegs zu sein. Dazu tragen auch geräuschlos schließende Türen, schicke Materialien und eine noble Ausstattung bei. Die heißt in unserem Fall Tekna+, was zugleich für das höchste Niveau im Qashqai-Kosmos steht. Feine Ledersitze mit Rautensteppung, Massagefunktion für den Fahrer, beheizbare Frontscheibe, Panorama-Glasdach, Head-up-Display, eine hörenswerten Bose-Anlage sowie zwei Riesenbildschirme sind dann an Bord. Wer Nissan bislang nicht zu den Premium-Herstellern zählte, könnte bei diesem Anblick zu einer anderen Meinung kommen. Die Japaner haben sich jedenfalls mit Erfolg darum bemüht, Materialmix, Verarbeitung und Ausstattung auf ein deutlich höheres Niveau als bei den Vorgänger-Generationen zu bringen.

Zugleich bleibt der 4,43 Meter lange Fünftürer weiterhin ein solides Alltagsauto mit angenehmen Geräuschmanieren, einem ordentlichen Federungskomfort und einem guten Platzangebot in beiden Reihen. Dank Zwischeneinleger sind Ladekante und Kofferraumboden auf gleicher Höhe. Reichen die 436 Liter Stauvolumen nicht, kann das Zwischendeck abgesenkt werden, die Rücklehne ist zudem klassisch umlegbar. Maximal lassen sich hinter der in unserem Fall elektrisch öffnenden und schließenden Heckklappe bis zu 1.422 Liter verfrachten.

Ebenfalls als spürbaren Fortschritt erlebt man beim Qashqai den Antrieb. Passend zur Topausstattung gibt es den Topmotor, einen 116 kW/158 PS starken 1,3-Liter-Turbobenziner, mit Allradantrieb und Automatik. Bei letzterer handelt es sich um ein stufenloses CVT-Getriebe, dem Nissan den einst nervigen Gummibandeffekt erfolgreich ausgetrieben hat. Zusammen mit einem Elektro-Boost dank Mild-Hybrid-Technik wirkt der Vortrieb sehr geschmeidig und auf Wunsch auch druckvoll. Immerhin knackt der 1,6-Tonner die 100er-Marke in unter zehn Sekunden. Knapp unter 200 km/h sind maximal möglich. Angenehm ist die Vortriebsunterstützung des Starter-Generators, der immer wieder Segeleinlagen erlaubt. Außerdem gibt es dank des traktionsstarken und intelligenten Allradantriebs keine nervig scharrenden Fronträder. Kehrseite ist ein mit 7,5 Liter nicht gerade vorbildlicher Praxisverbrauch.

Auf der Höhe der Zeit ist der Qashqai hingegen bei Assistenzsystemen und Konnektivität. Das Smartphone lässt sich leicht verbinden und in einer Ladeschale kabellos laden. Das Navi wird mit Echtzeit-Verkehrsinformationen versorgt, die elektronischen Helfer halten in der Spur und den Abstand zum Vordermann. Eine Fernlichtautomatik und die Verkehrszeichenerkennung entlasten den Fahrer zusätzlich. Vor allem auf langen Autobahntouren kommt man sicher und bemerkenswert entspannt ans Ziel. Und falls es sein muss, kann der Quasqai auf kurvigen Landstraßen auch etwas lustvoller um Ecken fegen, was dem Fahrer ein entspanntes Lächeln im Gesicht zaubert.

Wiederum der Schwerkraft könnten die Gesichtszüge allerdings beim Blick auf die Preisliste anheimfallen. Bereits die Einstiegsversion liegt bei rund 26.400 Euro. Mit Automatik, Allrad, gehobener Leistung und dem höchsten Ausstattungsniveau landet man sogar bei 45.200 Euro. Die 20-Zoll-Räder (500 Euro) und die Zweifarb-Metalliclackierung treiben den Vollausstattungs-Preis auf schließlich über 47.000 Euro. Für den Nissan Qashqai ist eindeutig eine neue Ära angebrochen, was allerdings auch auf den Preis zutrifft.

Nissan Qashqai 1.3 DIG-T 116 kW Xtronic 4x4 – Technische Daten:

Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Kompaktklasse; Länge: 4,43 Meter, Breite: 1,84 Meter (mit Außenspiegeln: 2,08 Meter), Höhe: 1,63 Meter, Radstand: 2,67 Meter, Kofferraumvolumen: 436 – 1.422 Liter

1,3-Liter-Turbobenziner, 116 kW/158 PS, maximales Drehmoment: 270 Nm bei 1.800 bis 3.750 U/min, Allradantrieb, CVT-Automatikgetriebe, 0-100 km/h: 9,9 s, Vmax: 198 km/h, Normverbrauch: 6,2 Liter/100 Kilometer, Testverbrauch: 7,5 Liter, CO2-Ausstoß: 140 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-ISC-FCM, Effizienzklasse: B

Preis: ab 42.370 Euro

Preis Testwagen: 47.170 Euro

Kurzcharakteristik:

Warum: der nächste Winter kommt bestimmt

Warum nicht: Frontantrieb reicht in den meisten Fällen aus

Was sonst: VW T-Roc, Toyota CH-R, Mazda CX-30, Kia Sportage, Renault Kadjar

Mario Hommen/SP-X