Archivierter Artikel vom 28.11.2019, 17:07 Uhr

Der „Sowohl-als -auch“-Kombi – VW Passat Alltrack 2.0 TDI

Alltrack, Allroad oder Cross Country. Die Mittelklasse-Baureihen einiger Hersteller bieten Versionen mit leichtem SUV-Appeal an. Volkswagen offeriert eine solche Lösung für den Passat.

Lesezeit: 4 Minuten
Vielseitig begabt: Der Passat Kombi in der Version Alltrack
Vielseitig begabt: Der Passat Kombi in der Version Alltrack

Wer sich mit der Frage beschäftigt, ob er einen SUV oder einen Kombi haben will, kann Alternativ mit dem Passat Alltrack
Wer sich mit der Frage beschäftigt, ob er einen SUV oder einen Kombi haben will, kann Alternativ mit dem Passat Alltrack beide Wünsche in einem Fahrzeug vereinen

SP-X/Köln. Sport treiben oder es sich auf dem Sofa bequem machen? Ein frischer Salat oder doch lieber den Döner? Die Freundin treffen oder mit den Kumpels weggehen? Das Leben ist voller schwerer Entscheidungen. Auch der Autokauf zählt angesichts der vielen Angebote und immer spitzer definierter Segmente zweifellos dazu. Dabei heißt es für die meisten von uns allerdings nicht „Porsche“ oder „Ferrari“, sondern eher „Kombi“ oder „SUV“ – beides ja Lieblinge des deutschen Autofahrers. Seit einigen Jahren versuchen ein paar Hersteller, zumindest diese Entscheidung etwas zu vereinfachen. Seitdem gibt es speziell in der Mittelklasse Fahrzeuge, die auf Namen wie Audi A4 Avant Allroad, Opel Insignia Country Tourer, Volvo V60 Cross Country oder VW Passat Alltrack hören. Gemeint ist immer ein Kombi, der etwas höhergelegte Art, versehen mit diversen Plastikbeplankungsteilen, die dem Auto zusammen mit einem Allradantrieb SUV-Flair verleihen sollen. Wir haben die Wolfsburger Version des „sowohl als auch“ geprüft.

Wird die Rückbank umgelegt, lässt sich 1.770 Liter Gepäck einladen
Wird die Rückbank umgelegt, lässt sich 1.770 Liter Gepäck einladen

Und zwar, wie es sich für einen solchen Kompromiss-Crossover gehört, in der vernünftigsten und günstigsten Variante, also der mit dem kleineren der beiden 2,0-Liter-Diesel. Wobei wir hier immer noch über 140 kW/190 PS sprechen, also nicht gerade über eine Minder-Motorisierung. Nur, dass die beiden anderen 2,0-Liter-Antriebe eben noch mehr Leistung bieten, der größere Diesel 240, der Benziner gar 272 PS. Basispreis unseres Fahrzeugs, bereits leicht schockierende 47.800 Euro. Schockierend deshalb, weil wie üblich bei deutschen Herstellern, noch viele notwendige Dinge nicht enthalten sind und viele wünschenswerte ebenfalls nicht.

Wer sich den Alltrack kauft, legt wohl vor allem Wert auf das robustere Design und SUV-Insignien wie etwa die leichte Pl
Wer sich den Alltrack kauft, legt wohl vor allem Wert auf das robustere Design und SUV-Insignien wie etwa die leichte Plastikbeplankung

Was der Passat Alltrack serienmäßig bietet ist dagegen jede Menge Platz: Vorne, hinten und auch im Gepäckraum, wo mindestens 640 Liter Kofferraumvolumen warten. Bis zu 1.770 Liter passen maximal rein, wenn man auf Mitfahrer im Fond verzichtet und stattdessen die Rücksitze umlegt. Das ist übrigens minimal weniger als bei einem Normalo-Passat, was dem serienmäßigen Allradantrieb geschuldet ist.

Ein ernsthafter Geländewagen kann der mit 17-Zoll-Alus ausgerüstete Robusto-Passat nicht sein, das sind viele SUV allerd
Ein ernsthafter Geländewagen kann der mit 17-Zoll-Alus ausgerüstete Robusto-Passat nicht sein, das sind viele SUV allerdings auch nicht mehr

Dieser trägt einerseits natürlich zum hohen Grundpreis bei, sorgt aber auch für beste Traktion, was wir während einiger besonders regnerischer Novembertage erfahren durften. Zugegeben, die Geländetauglichkeit des Alltrack haben wir nicht wirklich ausgereizt, immerhin machte sich sein Schlechtwegefahrwerk mit Unterfahrschutz inklusive der Höherlegung aber bereits auf Feldwegen positiv bemerkbar, zumal der Fahrwerkskomfort hoch bleibt. Ein ernsthafter Geländewagen kann der mit 17-Zoll-Alus ausgerüstete Robusto-Passat nicht sein, das sind viele SUV allerdings auch nicht mehr.

Hinter der großen Heckklappe ist viel Platz für Gepäck
Hinter der großen Heckklappe ist viel Platz für Gepäck

Diese lässt der Wolfsburger fahrdynamisch dann spätestens auf der Straße hinter sich. Der im Vergleich zu einem SUV deutliche niedrigere Schwerpunkt macht ihn agiler und kurvenfreudiger. Der kleinere Diesel reicht zudem völlig aus und gibt sich, nicht nur wenig überraschend sehr durchzugsstark, sondern auch sparsam. Zwar liegen prozentual zwischen den versprochenen 5,1 Litern und den von uns herausgefahrenen 6,5 Litern je 100 Kilometer rund 27 Prozent. Absolut gesehen geht der Praxisverbrauch für einen immerhin knapp 4,80 Meter langen Familienkombi in Ordnung.

Fast 4,80 Meter ist der Passat Alltrack lang
Fast 4,80 Meter ist der Passat Alltrack lang

Weniger überzeugt dagegen das serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe DSG, das gegenüber einer modernen Wandlerautomatik inzwischen deutliche Nachteile aufweist. Es verhilft dem Antrieb ungewollt zu einer Anfahrtsschwäche, um nach einigen Gedenkzehnteln dann umso ungestümer zu Werke zu gehen. Ähnlich harsch und für den Fahrer nicht einfach zu dosieren reagiert das Getriebe im Rückwärtsgang. Was das Einparken nicht eben leicht macht. Es mag auch mit im Rahmen von CO2-Optimierungen vorgenommenen Umprogrammierungen der Software zu tun haben, dass das vormals eher sportliche DSG heute zu den Schwachpunkten eines ansonsten ausgereiften Fahrzeugs gehört.

Auch Fondgäste genießen ein schönes Ambiente und außerdem viel Beinfreiheit
Auch Fondgäste genießen ein schönes Ambiente und außerdem viel Beinfreiheit

Dass die Passat-Baureihe trotz einer umfangreichen Überarbeitung in diesem Sommer nicht mehr zu frischesten Modellen der Wolfsburger gehört, zeigt sich allerdings dann doch noch an einigen weiteren Stellen, meistens in Verbindung mit Software oder Elektronik. Zwei Beispiele: Wer etwa beim Einfahren in eine enge Garage die Rückspiegel einklappen möchte, muss nach Drehung des entsprechenden Einstellknopfes in der Türe geradezu lächerlich lange auf eine Reaktion warten. Und die Spracherkennung sorgte ob ihrer Reaktion auf Navi-Zieleingaben zwar zunächst für einige Sekunden guter Laune im Fahrzeug, die nach dreimaligem Scheitern und dem Rückgriff auf die manuelle Eingabe per Bildschirmtastatur allerdings schnell in Unverständnis umschlug.

Außen macht der Passat Alltrack auf kernigen Typ, innen gibt es sich sehr nobel
Außen macht der Passat Alltrack auf kernigen Typ, innen gibt es sich sehr nobel

Der Passat ist als Alltrack trotzdem ein unter dem Strich gelungener Kompromiss, wobei wir annehmen, dass die Käufer in den allermeisten Fällen auch mit einem Serien-Passat gut hinkommen würden, zumal es ja auch hier Allrad-Versionen gibt. Wer sich den Alltrack kauft, legt wohl vor allem Wert auf das robustere Design und SUV-Insignien wie etwa die leichte Plastikbeplankung. Das sei seinem, wohl meist männlichen Fahrer, auch gegönnt, zumal die Familienfähigkeiten des Wolfsburgers unter seiner SUVsierung ja kaum gelitten haben.

Rund 640 Liter passen in den Kofferraum
Rund 640 Liter passen in den Kofferraum

VW Passat Alltrack 2.0 TDI – Technische Daten:

Fünftüriger, fünfsitziger Crossover-Kombi der Mittelklasse; Länge: 4,78 Meter, Breite: 1,85 Meter (mit Außenspiegeln: 2,08 Meter), Höhe: 1,53 Meter, Radstand: 2,79 Meter, Kofferraumvolumen: 639 – 1.769 Liter

2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel, 140 kW/190 PS, maximales Drehmoment: 400 Nm bei 1.900 – 3.300 U/min, Allradantrieb, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, 0-100 km/h: 8,0 s, Vmax: 223 km/h, Normverbrauch: 5,1 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 133 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-temp-EVAP-ISC, Effizienzklasse: A, Testverbrauch: 6,5 Liter/100 Kilometer

Preis: ab 47.800 Euro

VW Passat Alltrack 2.0 TDI – Kurzcharakteristik:

Warum: kräftiger Motor; viel Platz; leichte Geländetauglichkeit; Allrad Serie

Warum nicht: teuer in der Anschaffung; DSG-Getriebe lahm; Spracherkennung miserabel

Was sonst: Opel Insignia Country Tourer, Audi A4 Avant Allroad, Volvo V60 Cross Country – oder doch ein ganz normaler Passat Variant

Peter Eck/SP-X