Archivierter Artikel vom 10.06.2020, 17:07 Uhr

Der sanfte Wilde – Test: Toyota CH-R 2.0

Der Toyota CH-R polarisiert durch sein Design. In anderer Hinsicht gibt es aber keine Zweifel an der Kompetenz des kompakten Crossovers.

Lesezeit: 4 Minuten
Das Design des Toyota CH-R polarisiert
Das Design des Toyota CH-R polarisiert

Der CH-R hat ein leichtes Facelift erhalten
Der CH-R hat ein leichtes Facelift erhalten

SP-X/Köln. Der Toyota CH-R sorgt seit Anfang 2017 mit seiner expressiven Form für Aufsehen. Der kompakte Crossover erhielt Anfang des Jahres ein dezentesFacelift und einen neuen Motor. Der ist wieder ein Hybrid, aber nun deutlich stärker als das bisherige Angebot mit einer Systemleistung von 90 kW/122 PS. Wir wollten wissen, wie sich das neue, 135 kW/184 PS starke Aggregat im Alltag macht. In dieser Kombination kostet der CH-R ab 33.690 Euro in der gut ausgestatteten Komfortlinie „Team Deutschland“.

Der neue Antrieb, der sich aus einem 112 kW/153 PS starkem Zweiliter-Verbrenner und einem 80 kW/109 PS leistenden E-Moto
Der neue Antrieb, der sich aus einem 112 kW/153 PS starkem Zweiliter-Verbrenner und einem 80 kW/109 PS leistenden E-Motor zusammensetzt, kommt auf eine Systemleistung von 135 kW/184 PS

Wie gehabt, sorgt auch der aufgefrischte CH-R für Aufsehen. Und weiterhin gibt es eigentlich nur zwei Meinungen zu dem Design, das vor lauter in Blech gelegtenBügelfalten, optischen Verbreiterungen und unruhiger Linienführung ziemlich zerklüftet und uneinheitlich wirkt:Das wilde Design polarisiert. Die einen lieben es und bringen ihre Zustimmung wortreich und -gewandt zum Ausdruck. Die anderen demonstrieren ihre Ablehnung meist durch Sprachlosigkeit und mittels Kopfschüttelns und „Scheibenwischer“-Handbewegung.

Das Heck wirkt zerklüfftet
Das Heck wirkt zerklüfftet

Einmal eingestiegen und die Türen geschlossen, bemerkt man von den kreativen Außen-Experimenten wenig. Der Innenraum gibt sich praktisch durchdacht und aufgeräumt. Auf dem Armaturenbrett thront ein acht Zoll großer Touchscreen, über den etwa Navi oder das Radio bedient und Smartphones eingebunden werden. Die Menüführung ist vergleichsweise durchdacht. Klimaautomatik oder die Lautstärke der Musikanlange können aber weiterhin über Schalter und Drehknöpfe gesteuert werden. Das Platzangebot geht in Ordnung, allerdings müssen lang gewachsene Passagiere im Fond auf ein wenig Rücksicht der Vorderleute hoffen, damit sie ihre Beine kommod verstauen können. Die kleinen hinteren Fenster schränken nicht nur die Sicht nach draußen ein, sie vermitteln auch ein höhlenartiges Gefühl. Dies wird noch durch die abgedunkelten Scheiben verstärkt. Bleiben wir in hinteren Gefilden: Das Kofferraumvolumen erlaubt zwar keine Einkaufsorgien im Großmarkt, bietet aber je nach Sitzkonfiguration mit Werten zwischen 358 – 1.141 Litern für den Alltag ausreichend Stauraum. Er fällt mit dem neuen Motor etwas kleiner aus als bei dem kleinen Hybriden (ab 29.140 Euro) und dem 1,2-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner mit 85 kW/116 PS (ab 26.290 Euro). Für den Turbo ist die Option Allrad mit dem Facelift entfallen; er wird wie die anderen Varianten ausschließlich über die Vorderräder angetrieben.

Das Platzangebot ist ordentlich
Das Platzangebot ist ordentlich

Der wilde äußerliche Schein fand mit dem bislang angebotenen Hybriden – für den sich das Gros der Kunden entschieden haben–keinfahrtechnisches Äquivalent. Der neue Antrieb, der sich aus einem 112 kW/153 PS starkem Zweiliter-Verbrenner und einem 80 kW/109 PS leistenden E-Motor zusammensetzt und bereits im Corolla zum Einsatz kommt, wirkt deutlich spritziger. Die 184 PS-Systemleistung lassen den rund 1,5-Tonnen schweren Japaner den Standardspurt in 8,2 Sekunden absolvieren. Gefühlt spurtet der Crossover sogar schneller; das liegt am recht harmonisch agierenden CVT-Getriebe, das sich auch beim starken Beschleunigen angenehm akustisch zurückhielt und den Vorwärtsdrang nicht einschnürte. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei Tempo 180 abgeregelt. Drehmoment steht auch reichlich zur Verfügung, dazu kommt eine sehr gelungene Fahrwerksabstimmung. Wie bei Toyota üblich, merkt man vom Zusammenspiel der Hybridkomponenten wenig. Das System koordiniert den Einsatz von Verbrenner und E-Motor unauffällig. Sehr kurze Strecken legt das Fahrzeug auch rein elektrisch zurück. Wird der Fahrer etwa auf der Autobahn oder auf kurvenreicher Strecke von Fahrfreude geleitet, zeigt die Verbrauchsangabe Werte um die acht Liter an. Es geht aber sehr viel sparsamer. Fährt man vorausschauend mit zurückhaltendem Gasfuß und vermeidet Sprints, sinkt der Verbrauch rapide. Auch der 184-PS-Hybrid kann ganz sanft sein. Er beherrscht das Sparen. Wenn man es draufanlegt, leuchtet eine 4,7 in der Verbrauchsangabe auf. Werte von 5,5 Litern sind ohne Probleme realisierbar. Wer allerdings hybridtechnisch so vernünftig fährt, braucht den großen Motor nicht.

Der Innenraum ist eher konventionell gestaltet
Der Innenraum ist eher konventionell gestaltet

Und kommt bei gleicher Ausstattung („Team Deutschland“, „Style Selection“ und „Lounge“) auf eine Ersparnis von jeweils 2.000 Euro. Unser Testwagen fuhr im Komfortniveau „Style Selection“ vor und steht ab rund 38.000 Euro in der Preisliste. In dieser Ausstattung hat der CH-R bis auf Kleinigkeiten alles an Bord, was Toyota für diese Modell im Angebot hat. Dazu zählen neben den klassenüblichen Assistenten unter anderem Metallic-Lackierung, LED-Scheinwerfer, ein Premium-Soundsystem, beheizbares Lenkrad und Navi.

Die kleinen hinteren Fenster schränken nicht nur die Sicht nach draußen ein, sie vermitteln auch ein höhlenartiges Gefüh
Die kleinen hinteren Fenster schränken nicht nur die Sicht nach draußen ein, sie vermitteln auch ein höhlenartiges Gefühl

Wer den CH-R für seine Optik liebt, kann mit dem neuen Antrieb den rasanten Eindruck durch fahrerische Leistung unterstreichen. Oder man hat einfach Spaß am Design und freut sich am Sparpotential des Hybriden. Beides muss man mögen.

Toyota CH-R 2.0 – Technische Daten:

Fünftüriger, fünfsitziger Crossover der Kompaktklasse; Länge: 4,40 Meter, Breite: 1,80 Meter (Breite mit Außenspiegeln: 2,05 Meter), Höhe: 1,57 Meter, Radstand: 2,64 Meter, Kofferraumvolumen: 358 – 1.141 Liter

2.0l Hybrid: 2,0-Liter-Turbo-Benziner: 112 kW/152 PS, maximales Drehmoment: 190 Nm bei 4.400 – 5.200 U/min, Elektro-Motor: 80 kW/109 PS, Drehmoment: 202 Nm, Systemleistung: 135 kW/184 PS, Frontantrieb, stufenlose Automatik, 0-100 km/h: 8,2 s, Vmax: 180 km/h, Verbrauch (WLTP): 5,3–5,2 l/100 km, CO2-Ausstoß (WLTP): 120 – 118 g/km, Abgasnorm: Euro 6d -temp EVAP ISC, Effizienzklasse: A+, Testverbrauch: 5,5 Liter, Preis: ab 33.690 Euro

Toyota CH-R 2.0 – Kurzcharakteristik:

Warum: Benzinsparen kann so einfach sein

Warum nicht: Bei der Designfrage gehört man zu den Sprachlosen.

Was sonst: Subaru XV, Mazda CX-3

Elfriede Munsch/SP-X