Archivierter Artikel vom 15.04.2020, 07:50 Uhr

Nicht alles Golf, was glänzt

Der Audi A3, Seat Leon und Skoda Octavia im Vergleich

Ein neuer Golf kommt selten allein: Weil fast alle VW-Töchter den selben Baukasten nutzen, gibt es jetzt einen großen Modellwechsel in der Kompaktklasse. Im Windschatten des VW fahren daher nun auch Audi A3, Seat Leon und Skoda Octavia vor. Wie ähnlich sind sie sich?

Alle Daten laut Hersteller, GDV, SchwackeLesezeit: 9 Minuten
A3
Sportlich im Aussehen, souverän beim Fahren und viel Komfort – mit diesen Stärken setzt sich der A3 an die Spitze der Golf-Ableger.
Foto: Audi AG/dpa-mag

Berlin (dpa-infocom) – Der VW-Konzern bringt reichlich Bewegung in die Kompaktklasse. Denn kaum hat die Mutter den neuen Golf lanciert, schicken die Töchter in diesem Frühjahr ebenfalls die Neuauflagen ihrer Schwestermodelle ins Rennen.

A3
Mit Preisen ab 26.800 Euro fordert der neue A3 Sportback den BMW 1er und die Mercedes A-Klasse heraus.
Foto: Audi AG/dpa-mag

Alle aus dem sogenannten Modularen Querbaukasten (MQB) konstruiert, nutzen sie zwar die gleiche Plattform und ganz ähnliche Technik. Doch gehen Audi, Seat und Skoda bei Form, Format und vor allem beim Charakter sehr eigene Wege. Der neue A3 Sportback, der für Preise ab 26.800 Euro startet, will vor allem vornehm sein und orientiert sich am BMW 1er und der Mercedes A-Klasse.

A3
Später soll es den Audi A3 auch mit Allradantrieb und Stufenheck geben.
Foto: Audi AG/dpa-mag

Der mindestens 20.000 Euro teure Seat Leon gibt den feurigen Verführer, der nicht nur transportieren, sondern buchstäblich bewegen will. Und der Octavia, der als Kombi startet und mindestens 28.060 Euro kostet, will wieder mit viel Platz und noch mehr pfiffigen Ideen punkten.

A3
Der Audi A3 kommt zunächst als Sportback genannter Fünftürer, der von einem 1.5-Liter-TFSI mit 110 kW/150 PS oder einem 2.0 TDI mit 85 kW/116 PS bzw. 110 kW/150 PS angetrieben wird.
Foto: Audi AG/dpa-

Ein praller Baukasten für alle

A3
Im Vergleich zum Seat Leon oder Skoda Octavia verfügt der A3 über das hochwertigste Interieur.
Foto: Audi AG/dpa-mag

Basis aller drei Modelle ist ein Baukasten, der prall gefüllt ist mit den neuesten Technologien für Antrieb, Assistenz und Unterhaltung. So rühmen sich alle Golf-Ableger mit den aktuell saubersten Diesel-Motoren, weil sie auf einen neuen Stickoxid-Katalysator mit doppelter AdBlue-Einspritzung setzen.

A3
Obwohl er in Länge und Breite nur um jeweils drei Zentimeter wächst und der Radstand sogar gleich bleibt, sieht der A3 mit stark eingezogenen Flanken sehr viel dynamischer aus.
Foto: Audi AG/dpa-mag

Die Benziner werden schrittweise elektrifiziert und wandeln sich dank neuem Starter-Generator und 48 Volt-Netz zu Mildhybriden, die beim Beschleunigen einen elektrischen Boost bekommen und beim Bremsen mehr Energie zurück gewinnen können. Für die nächste Etappe der Elektrifizierung gibt es in allen Modellen mehrere Plug-in-Hybride. Sie sind mal sportlicher, mal sparsamer Ausprägung, können aber immer mehr als 50 Kilometer rein elektrisch fahren. Und wer mit konventioneller Technik seinen CO2-Fußabdruck reduzieren will, bekommt jedes dieser MQB-Fahrzeuge auch mit Erdgas-Antrieb.

Skoda Octavia
Viel Platz im Innenraum und praktische Details machen den Skoda Octavia Kombi zu einem alltagstauglichen Familienauto.
Foto: Skoda Auto a.s./dpa-mag

Vernetztes Fahren und ein Auto-Pilot

Skoda Octavia
Im Kofferraum des Skoda Octavia Kombi haben 640-1700 Liter Gepäck Platz.
Foto: Skoda Auto a.s./dpa-mag

Bei den Assistenzsystemen steht die neue Kompakt-Generation vor allem für einen erweiterten Auto-Piloten, der dem Fahrer jetzt bis zu Geschwindigkeiten von 210 km/h so viel Arbeit abnimmt, wie es der Gesetzgeber erlaubt. Während man die Hände nur noch pro forma am Steuer hat, bremst und beschleunigt er alleine, hält im Stau automatisch an und fährt danach von selbst wieder los, hält die Spur und den Abstand und braucht sogar zum Überholen nur noch den Blinker als Kommando.

Skoda Octavia
Beim Fahren zeigt der Skoda Octavia mehr Ausdauer als Leidenschaft. Mit einer Tankfüllung kommt er im Idealfall 1220 km weit.
Foto: Skoda Auto a.s./dpa-mag

Außerdem gibt es einen erweiterten Toter-Winkel-Assistenten, der beim Öffnen der Türen etwa vor passierenden Radfahrern warnt und intelligente LED-Scheinwerfer auf breiter Flur. Erstmals besteht auch eine Vernetzung mit anderen Autos: Über eine automatische Datenverbindung machen sich die MQB-Modelle die Sensoren anderer Fahrzeuge mit entsprechender Technik zunutze und können so vor drohenden Gefahren außerhalb des eigenen Sichtbereichs warnen.

Skoda Octavia
Zunächst bringt Skoda den Octavia als Kombi heraus. Etwas später wird es auch wieder eine Limousine geben und zuletzt den Abenteuer-Kombi Scout.
Foto: Skoda Auto a.s./dpa-mag

Am augenscheinlichsten sind die Fortschritte bei Anzeige und Bedienung: Zwar machen die einzelnen Marken dort auch ein paar deutliche Unterschiede, doch allen Geschwistern gemein sind animierte Anzeigen, ein großer Touchscreen in der Mittelkonsole, eine Online-Navigation und der Kampf gegen allzu viele Knöpfe. Mal mehr und mal weniger gründlich, ersetzen die VW-Marken Taster und Schalter zusehends durch berührungsempfindliche Felder, so genannte Slider, über die man mit den Fingerkuppen streicht, Näherungssensoren oder Sprachsteuerung.

Skoda Octavia
Mit einer Gesamtlänge von 4,69 Metern bietet der Skoda Octavia Kombi auch hinten viel Beinfreiheit.
Foto: Skoda Auto a.s./dpa-mag

- Der A3 wird vom Streber zum Sportler

Skoda Octavia
Im Cockpit des Skoda Octavia befinden sich ein Zweispeichenlenkrad, ein Touchscreen und eine umlaufende Leuchtleiste.
Foto: Skoda Auto a.s./dpa-mag

Zwar sind die Komponenten alle identisch, doch haben die einzelnen VW-Marken daraus ganz unterschiedliche Fahrzeuge konstruiert. Den größten Sprung macht dabei der Audi A3, der vom zurückhaltenden Musterknaben zum vornehmen Sportler wird. Denn obwohl er in Länge und Breite nur um jeweils drei Zentimeter wächst und der Radstand sogar gleich bleibt, sieht er mit stark eingezogenen Flanken sehr viel dynamischer aus. Und damit man ihn auch bei schlechter Sicht auf Anhieb erkennt, gibt es erstmals ein digitales Tagfahrlicht, mit individuellen Signaturen für jede Ausstattung.

Seat Leon
Wie die beiden Schwester-Modelle von Audi und Skoda verfügt auch der Leon über animierte Anzeigen, einen Touchscreen und eine Online-Navigation.
Foto: Seat S.A./dpa-mag

Obwohl sportlicher gezeichnet denn je, fährt sich der nun 4,34 Meter lange A3 allerdings ausgesprochen komfortabel, leise und souverän. Erst recht, wenn man ihn mit adaptiven Dämpfern bestellt. Dazu passt auch das vornehme Interieur, das im Familienvergleich die hochwertigsten Materialien und die gründlichste Verarbeitung zeigt und damit auch den höchsten Preis rechtfertigt. Solange man nicht im Fond sitzt und die Knie anziehen muss, fehlt da nicht mehr viel zum A4.

Seat Leon
Für etwa 1000 Euro gibt es den Seat Leon vom Start weg auch als Kombimodell «ST» mit dann 620 statt bislang 590 Litern Stauraum.
Foto: Seat S.A./dpa-mag

Los geht es bei den Bayern mit dem Sportback genannten Fünftürer, den es anfangs mit einem 1.5-Liter-TFSI mit 110 kW/150 PS sowie einem 2.0 TDI gibt, der 85 kW/116 PS oder 110 kW/150 PS leistet. Später folgen neben weiteren Motorvarianten auch die Modelle mit Allradantrieb und ein Stufenheck. Dreitürer und Cabrio dagegen sind gestrichen.

Seat Leon
Mit Vierzylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer und 110 kW/150 PS fährt der Seat Leon maximal 221 km/h schnell.
Foto: Seat S.A./dpa-mag

- Der Seat will zum mediterranen Verführer werden

Seat Leon
Der neue Seat Leon wächst um neun Zentimeter und kommt damit auf eine Länge von 4,37 Metern.
Foto: Seat S.A./dpa-mag

Während der Audi eher dezent auftritt, gibt der Seat den mediterranen Verführer. Er hat das leidenschaftlichste Design in der Familie und das einnehmendste Interieur. Selbst wenn man nicht im sportlichsten Modell unterwegs ist, stellt man die Lehne wie von selbst etwas steiler, greift fester ins Lenkrad und fährt beherzt um die Kurven. Treibende Kraft sind dabei zunächst Drei- und Vierzylinder für Diesel und Benzin, die ein Spektrum von 66 kW/90 PS bis 150 kW/204 PS abdecken. Später gibt es mehr Auswahl – bis hin zum Sportmodell des Werkstuners Cupra, der im besten Fall 228 kW/310 PS in Aussicht stellt.

Seat Leon
Trotz größerer Länge lassen sich auch im neuen Seat Leon nur 380 Liter Ladevolumen verstauen.
Foto: Seat S.A./dpa-mag

Aber Seat weiß, dass Lust und Leidenschaft allein für eine lange Liebe nicht reichen. Deshalb schaffen die Spanier außerdem spürbar mehr Platz. Mit einer um neun Zentimeter gewachsenen Länge von 4,37 Metern und einem um fünf Zentimeter gestreckten Radstand passen nun auch Kinder auf die Rückbank, die längst aus dem Vorschulalter heraus sind. Nur der Kofferraum fasst unverändert 380 Liter. Wem das nicht genügt, der bekommt den Leon für etwa 1000 Euro vom Start weg auch als Kombimodell „ST“ mit dann 620 statt bislang 590 Litern Stauraum.

Seat Leon
Der Seat Leon fällt vor allem durch sein leidenschaftliches Design und den geräumigen Fond auf.
Foto: Seat S.A./dpa-mag

- Der Skoda ist der Riese in der Familie

War schon der aktuelle Octavia der größte in der Familie, legt die vierte Generation noch einmal zu und streckt sich in Radstand und Länge um weitere drei Zentimeter. Damit sind die Tschechen mit 2,69 und 4,69 Metern ganz vorn, und in keiner anderen MQB-Neuheit sitzt man hinten so bequem wie bei ihnen.

Aber Platz ist nur ein Argument für den Skoda. Mindestens genauso wichtig sind die vielen Petitessen aus der Rubrik „Simply Clever“, mit denen sich Skoda seit Jahren von der Konkurrenz abhebt. Und auch wenn es mittlerweile bald zwei Dutzend solcher Details gibt, fällt den Tschechen immer wieder etwas Neues ein – diesmal zum Beispiel spezielle Taschen für Smartphones und Tablets in den Rücklehnen der Vordersitze, ein AdBlue-Tank für die Dieselmodelle, in den auch die Zapfpistolen für Lkw passen, und ein Schneebesen, der in der Vordertür verschwindet.

Zwar gibt sich der Octavia in den Top-Versionen überraschend luxuriös, und das neue Zweispeichenlenkrad zeugt von Detailsinn, doch Lust und Leidenschaft wollen beim Fahren weniger aufkommen: Zumindest diesseits der RS-Modelle geht es im Octavia nur darum, möglichst bequem und unaufgeregt anzukommen.

Auch Skoda zelebriert den Modellwechsel übrigens in Etappen. Das gilt für die Motoren, bei denen es mit einem 1,5 Liter großen Benziner mit 110 kW/150 PS sowie einem 2,0-Liter-Diesel mit 85 kW/115 PS oder 110 kW/150 PS losgeht. Später sollen der zum Plug-in-Hybriden aufgestiegene Sportler RS und viele weitere Leistungsstufen folgen. Und das gilt für die Karosserievarianten: Kurz nach dem Kombi wird es auch wieder eine Limousine geben und schließlich den Abenteuer-Kombi Scout.

Fazit: Es muss nicht immer Golf sein

Edel, verführerisch oder praktisch: aus dem gemeinsamen Baukasten haben die VW-Töchter Audi, Seat und Skoda drei sehr verschiedene Autos gebaut. Überzeugend sind sie alle drei, weil sie sparsame und saubere Motoren nutzen, schlaue Assistenten haben und bei der Digitalisierung einen großen Sprung machen. Und dazu bietet jeder für sich noch ganz eigene Qualitäten: Viel Finesse beim Audi A3, viel Leidenschaft beim Seat Leon und viel Platz beim Skoda Octavia. Aber so unterschiedlich sie auch sind, die gemeinsame Botschaft ist unmissverständlich: Es muss nicht immer Golf sein.

Datenblatt:

Audi A3 Sportback 35 TFSISeat Leon 1.5 eTSISkoda Octavia Combi 2.0 TDI 150 PS
Motor und AntriebVierzylinder-Turbo- BenzindirekteinspritzerVierzylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer mit Mild-HybridZweiliter-Turbodiesel-Direkteinspritzer
Hubraum:1498 ccm1498 ccm1968 ccm
Max. Leistung:110 kW/150 PS bei 5000 bis 6000 U/min110 kW/150 PS bei 5000 bis 6000 U/min110 kW/150 PS bei 3000 bis 4200 U/min
Max. Drehmoment:250 Nm bei 1500 bis 3500 U/min250 Nm bei 1500 bis 3500 U/min350 Nm bei 1700 bis 2750 U/min
Antrieb:FrontantriebFrontantriebFrontantrieb
Getriebe:Sechsgang-SchaltgetriebeSechsgang-SchaltgetriebeSiebengang-Doppelkupplung
Maße und Gewichte
Länge:4340 mm4368 mm4689 mm
Breite:1820 mm1800 mm1829 mm
Höhe:1430 mm1456 mm2468 mm
Radstand:2640 mm2670 mm2686 mm
Leergewicht:k.A.k.A.1487 kg
Zuladung:k.A.k.A.578 kg
Kofferraumvolumen:380-1200 Liter380 Liter640-1700 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit:224 km/h221 km/h222 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h:8,4 s8,4 s8,8 s
Durchschnittsverbrauch:4,8 Liter/100 km6,4 Liter/100 km3,7 Liter/100 km
Reichweite:k.A.k.A.1220 km
CO2-Emission:111 g/km144 g/km97 g/km
Kraftstoff:SuperSuperDiesel
Schadstoffklasse:Euro 6dtempEuro 6dtempEuro 6dtemp
Energieeffizienzklasse:k.A.k.A.A+
Kosten:
Basispreis des Audi A3 (30 TFSI): 26.800 EuroBasispreis des Seat Leon (1.5 TSI, 130 PS): 20.900 EuroBasispreis des Skoda Octavia 1.5 TSI: 28.060 Euro
Basispreis des Audi A3 35 TFSI: 28.900 EuroBasispreis des Seat Leon eTSI: k.A.Basispreis des Skoda Octavia 2.0 TDI 150 PS: 32.380 Euro
Typklassen:k.A.k.A.k.A.
Kfz-Steuer:62 Audi /Jahr128 Audi /Jahr194 Audi /Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit:Sechs Airbags, LED-Scheinwerfer, Spurhalte-Assistent,Sechs Airbags, LED-Scheinwerfer, Notbremsassistent mit Fußgänger-ErkennungSechs Airbags, LED-Scheinwerfer, Frontradar-Assistent
Komfort:Klimaanlage, digitale Instrumente, Touchdisplay mit HandschriftenerkennungKlimaanlage, digitale Instrumente, Keyless GoKlimaanlage, digitale Instrumente, digitales Radio
Spritspartechnik:Zylinder-Abschaltung, Start-Stopp-AutomatikStart-Stop-AutomatikStart-Stop-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke