Archivierter Artikel vom 24.06.2021, 14:07 Uhr

Zwei Wagenheber parallel? – Leser fragen – Experten antworten

Für Arbeiten am Auto wäre es möglich, mithilfe zweier Wagenheber das Auto anzuheben. Eine gute Idee ist das allerdings nicht.

Johannes Kautenburger, Kraftfahrzeugexperte der Sachverständigenorganisation KÜS
Johannes Kautenburger, Kraftfahrzeugexperte der Sachverständigenorganisation KÜS

SP-X/Köln. Frage: „Um sich den Reifenwechsel zu erleichtern, wollte mein Nachbar mit Hilfe von zwei Wagenhebern eine Achse seines Pkw komplett anheben. Ich habe ihm abgeraten, weil mir das zu gefährlich erschien. Was meint der Experte?“

Antwort von Johannes Kautenburger, Kraftfahrzeugexperte der Sachverständigenorganisation KÜS: „Mit ihrem Bauchgefühl liegen Sie richtig. Theoretisch ist es möglich, die beiden Reifen einer Achse mithilfe zweier Wagenheber gleichzeitig in die Luft zu heben. Doch eine solche Lösung kann keinen stabilen und vor allem sicheren Stand garantieren. Ein Wagenheber ist allein dazu da, ein einzelnes Rad zum Wechsel nach oben zu kurbeln. Ist beim Anheben eines Rades die Handbremse angezogen und ein Gang eingelegt, sorgen die drei fest auf dem Boden stehenden Räder für eine stabile 3-Punkt-Lagerung. Instabil kann es selbst dann noch werden, sollte die Handbremse nicht angezogen und kein Gang eingelegt sein. Mit nur einem Rad in der Luft kann das Fahrzeug selbst dann ins Rollen geraten und vom Heber rutschen. Wird in einer solchen Situation am Rad gearbeitet, besteht eine erhebliche Verletzungsgefahr. Außerdem könnte das Fahrzeug Schaden nehmen, wenn es zum Beispiel bei bereits abmontierten Reifen auf den Boden kracht.

Sogar extrem gefährlich kann es werden, wenn beide Räder von Vorder- oder Hinterachse gleichzeitig angehoben werden. Hier wird es besonders instabil und kippelig, denn ohne die sichere 3-Punkt-Lagerung kann das Fahrzeug grundsätzlich leichter vom Wagenheber fallen – auch dann, wenn Handbremse angezogen und ein Gang eingelegt wurden. Einen Reifenwechsel auf diese Art durchzuführen, wäre also grob fahrlässig. Unter gar keinen Umständen sollte man sich unter ein derart ungesichertes Fahrzeug legen, um etwa Arbeiten am Unterboden oder Motor vorzunehmen. Hier besteht Lebensgefahr. Das gilt auch bei der Nutzung nur eines Wagenhebers. Unter dem Fahrzeug sollte nur gearbeitet werden, wenn dieses mit geeigneten Mittel gesichert ist.

Wer schnell und bequem alle Reifen wechseln will, sollte im Idealfall dafür eine Hebebühne aufsuchen. Die gibt es zum Beispiel bei Selbsthilfewerkstätten oder in Kfz-Betrieben. Letztere führen zu überschaubaren Preisen einen schnellen und zudem professionellen Reifenwechsel durch. Wer Werkstattkosten sparen und in Eigenregie unterm Fahrzeug ohne Hebebühne arbeiten will, sollte das Fahrzeug mit der Vorder- oder der Hinterachse auf stabile Auffahrrampen stellen und zusätzlich mit Unterlegkeilen sichern und niemals und unter keinen Umständen auf ein oder zwei Wagenheber stellen.“

Mario Hommen/SP-X