Archivierter Artikel vom 10.06.2022, 15:07 Uhr

Vorausschauend fahren, für andere mitdenken – 5x: Tipps für Biker in brenzligen Situationen

Für Motorradfahrer gibt es einige sehr typische Gefahrensituationen. Wer sie kennt und außerdem weiß, wie man auf sie reagiert, ist in jedem Fall sicherer unterwegs.

Von Mario Hommen/SP-X

SP-X/Berlin. Wenn Motorradfahrer ihr Bewusstsein für Gefahren schärfen, kann ihnen das helfen, brenzlige Momente besser zu meistern. Eine 2020 durch das Institut für Zweiradsicherheit (IfZ) durchgeführte Studie zum Sicherheitsbewusstsein hat die fünf kritischsten Situationen für Biker identifiziert. Wie man auf dem Motorrad diesen Gefahren idealerweise begegnen sollte, hat der Verkehrsclub ACE zusammengefasst.

Übersehen durch andere Verkehrsteilnehmer

Laut IfZ-Studie ist für über 50 Prozent das „Übersehen werden“ der häufigste Grund für kritische Situationen. Motorradfahrer sollten deshalb stets mit dem Bewusstsein unterwegs sein, dass sie von anderen Verkehrsteilnehmern nicht wahrgenommen werden. Wer nicht auf die eigene Vorfahrt vertraut, tote Winkel meidet sowie stets bremsbereit ist, begegnet klassischen Gefahrenmomenten bevor sie entstehen. Selbstverständlich sind auch Autofahrer zu hoher Aufmerksamkeit sowie gegenseitiger Rücksichtnahme aufgerufen. Statt sich allein auf den Blick in die Spiegel zu verlassen, sollten sich diese vor Spurwechsel sowie Abbiege- und Überholmanöver stets zusätzlich per Schulterblick absichern.

Bremsen in Schräglage

Mittlerweile sind viele neue Motorräder mit Kurven-ABS und damit gut gegen Gefahren gerüstet, die durch Bremsmanöver in Schräglage entstehen können. Fehlt diese Technik, sollten Biker in Schräglage stets für einen gefühlvollen Bremskraftaufbau sorgen und sensibel auf verändertes Fahrverhalten wie die Aufstellneigung des Motorrads reagieren. Bei harten Bremseingriffen in Schräglage verlieren Reifen ihre Seitenführungskräfte, was leicht zum Sturz führt.

Kurven falsch einschätzen

Für Kurvenfahrten ist die richtige Blickführung entscheidend. Der Blick des Bikers sollte so weit wie möglich in die Richtung gehen, in die auch gefahren wird. Mit dieser vorausschauenden Fahrweise wird man intuitiv den optimalen Radius einschlagen. Wurde der Radius falsch gewählt, sollte der korrigierende Lenkimpuls möglichst weich, sanft und mit flüssiger Bewegung erfolgen. Ruckartige Manöver gilt es zu vermeiden.

Gefahrenbremsung

Um auf plötzliche Gefahrensituation möglichst schnell reagieren zu können, sollten Motorradfahrer stets bremsbereit sein und deshalb möglichst immer zwei Finger am rechten Bremshebel anliegen. Bei einer Gefahrenbremsung sind schnelle Reaktion und ein starker Zug am Bremshebel entscheidend. Wer ein Zweirad ohne ABS-System fährt, muss damit rechnen, dass bei zu starker Bremsung ein Rad blockiert, was leicht zum Sturz führt. Um dies zu vermeiden, sollte ein beherzter Bremseingriff nur nahe der Blockiergrenze erfolgen, aber nicht über diese hinaus.

Ausweichmanöver

Wie bei Kurvenfahrten ist auch bei Ausweichmanövern die Blickführung entscheidend. Statt auf das Hindernis sollten sich die Augen in dieser Situation zum Ziel richten, zum Beispiel eine freie Gasse. Schon beim Fahren sollten mögliche Ausweichgassen registriert werden, um bei einer Vollbremsung schnell reagieren und ausweichen zu können. Um spontan auszuweichen, ist ein ruckartiger Lenkimpuls entgegen der gewünschten Fahrtrichtung notwendig, was eine schnelle Schräglage und damit das Ausweichen erlaubt. Wer solche Manöver in sicherer Umgebung übt, schafft bessere Voraussetzungen, diese anti-intuitive Bewegung zu automatisieren. Grundsätzlich im Vorteil sind moderne Motorräder mit ABS, die sichere Ausweichmanöver auch bei einer Vollbremsung erlauben.

Mario Hommen/SP-X