Schön elektrisch – Maserati Gran Turismo

Der bislang letzte Maserati Gran Turismo fuhr 2019 aus der norditalienischen Manufaktur. Nun kommt der Nachfolger – und der macht technisch einen Sprung in die Antriebsmoderne.

Von Holger Holzer, SP-X
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SP-X/Modena. Nach vier Jahren Pause füllt Maserati eine klaffende Lücke im Modellprogramm: Mit der neuen Generation des Gran Turismo ist ab Anfang 2023 wieder ein Reise-Sportwagen im exklusiv schmalen Portfolio der Italiener zu finden – als Coupé, als Cabrio und erstmals auch in einer rein elektrischen Variante.

Bei der Optik ist Maserati dem klassischen Stil des Vorgängers treu geblieben: Lange Schnauze, stark betonte Kotflügel, kurzes Heck und schwungvolle Karosserielinien prägen weiterhin den Auftritt. Die vorderen Scheinwerfer sind nun im Stil des Supersportwagens MC20 gehalten und hochkant statt horizontal montiert, hinten gibt es Lichter im modernisierten Bumerang-Look. Innen findet sich ein Mix aus analoger Handwerkskunst und digitalisiertem Infotainment. Neben dem obligatorischen Touchscreen in der Mitte gibt es einen digitalen Tacho und ein Head-up-Display. Haptische Knöpfe und Schalter fehlen weitgehend, auch auf den klassischen Schalthebel wird verzichtet.

Die zweite Generation des Gran Turismo steht auf einer neuen Plattform, bei der der erstmals angebotene E-Antrieb mitgedacht wurde. So ließ sich ein 800-Volt-Batteriesystem einziehen, das bei Leistungsabgabe und Ladegeschwindigkeit Vorteile gegenüber dem bei dem in der Branche meist üblichen 400-Volt-System bietet. Die Ladeleistung beträgt bis zu 270 kW, in fünf Minuten soll sich ausreichend Energie für 100 Kilometer nachtanken lassen.

Auch in anderer Hinsicht ist der Gran Turismo schnell. Insgesamt drei elektrische Motoren mit jeweils 300 kW/408 PS, einer an der Vorderachse und jeweils einer an jedem Hinterrad, stellen bei der „Folgore“ genannte Stromer-Ausführung 610 kW/830 PS nutzbare Leistung zur Verfügung. Weil die Batterie platzsparend im Unterboden montiert wird, bleibt der Zweisitzer flach und mit dem Schwerpunkt nah an der Straße. Der Energieinhalt von 92,5 kWh (nutzbar: 83 kWh) soll Fahrten bis zu 480 Kilometern Distanz erlauben. Allerdings nur, wenn die brachialen Fahrleistungen nicht abgerufen werden: Der Normspurt auf Tempo 100 ist nach 2,7 Sekunden absolviert, maximal sind 320 km/h möglich.

Damit stellt der Folgore sogar den Benziner in den Schatten. Den 3,0 Liter großen V6 gibt es mit 360 kW/490 PS (Linie „Modena“) und 405 kW/550 PS (Linie „Trofeo“). Erster ist 302 km/h schnell, der andere 320 km/h. Bei der Beschleunigung bleiben beide mit 3,9 und 3,5 Sekunden klar unter dem Niveau des E-Mobils. Die Kraftübertragung auf beide Achsen übernimmt eine Achtgangautomatik.

Bei den Assistenten hat Maserati im Vergleich zum Vorgänger kräftig nachgerüstet. Unter anderem beherrscht der Sportwagen nun aktives Spurhalten und diverse Notbremsmanöver. Auf hochautomatisiertes Fahren verzichten die Italiener aber. Beim Infotainment kommt anstelle einer kompletten Eigenentwicklung ein Android-System zum Einsatz, das unkomplizierte Bedienung, hohe Vernetzung und zuverlässige Navigation erwarten lässt.

Preise für den neuen Gran Turismo nennt Maserati noch nicht. Dafür aber die Konkurrenten, zu denen die E-Limousinen Porsche Taycan und Audi E-Tron GT genauso zählen wie das BMW M8 Coupé und der Porsche 911. Unter 150.000 Euro dürfte da also nicht viel gehen.

Holger Holzer/SP-X
Archivierter Artikel vom 03.10.2022, 16:07 Uhr