Archivierter Artikel vom 10.08.2022, 17:07 Uhr

Schick, aber nicht der Hellste – Gebrauchtwagen-Check: Kia Ceed (JD)

Die Kompaktklasse in Deutschland wird von deutschen Herstellern dominiert. Andere Anbieter haben es schwer. Kia setzte beim Ceed der zweiten Generation auf Optik und Verarbeitung. Ob das reicht?

Von Elfriede Munsch/SP-X

SP-X/Köln. Die zweite Generation des Kia Ceed (JD) war zwischen 2012 und 2018 am Start. Mit ihr schloss sie optisch und technisch zu den etablierten deutschen Wettbewerbern auf. Allerdings sieht der TÜV noch Optimierungspotential.

Karosserie und Innenraum: Schon die erste Generation des Ceed machte durch ein schönes Formenspiel von sich reden. In der zweiten setzte der das Designteam um Peter Schreyer noch eins drauf, so dass der Kompakte optisch zu den stilvollsten seiner Klasse zählte. Der Ceed wurde in drei Karosserievarianten angeboten. Das Gros der Bestellungen fiel auf den Fünftürer. Der Zuschnitt des in Europa entwickelten 4,31 Meter langen Fahrzeugs orientierte sich am Bestseller VW Golf, ordentliches Platzangebot auf allen Sitzen und flexibler Kofferraum machten ihn zum praktischen Familienauto. Der dreitürige Pro Ceed hatte fast die gleichen Abmessungen, nur die leicht abfallende Dachhöhe fiel mit 1,43 Meter für einen coupéhaften Eindruck 4 Zentimeter niedriger aus. Beim Kofferraumvolumen gaben sich die beiden Versionen wenig: Zwischen 380 und 1.318 Litern und 380 und 1.225 Litern weist Kia aus. Wer mehr Platz und Gepäckvolumen benötigt, wird beim Sportswagon (SW) genannte Kombi fündig. Der 4,51 Meter lange Lastenesel bietet 528 Liter beziehungsweise 1.642 Liter Ladevolumen. Das Cockpit war in allen Varianten gefällig und ergonomisch gestaltet. Auch hier merkt man, dass der Golf von den Koreanern als Referenzgröße gewählt wurde. In den höheren Ausstattungslinien muss sich der Ceed auch hinsichtlich der Materialauswahl nicht hinter dem Wolfsburger Klassenprimus verstecken.

Motoren und Antrieb: Zum Marktstart wartete der Ceed mit zwei Benziner und zwei Diesel auf. Einstiegs-Otto war der 1,4-Liter-Sauger mit 73 kW/99 PS, der eher nur geduldige Fahrer anspricht. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 6 Litern liegt er auf dem Niveau des 1,6-Liters mit 99 kW/135 PS. Spritziger und sparsamen agieren die seit 2015 verfügbaren Einliter-Dreizylinder. Die Turbos wurden mit 74 kW/100 PS und 88 kW/122 PS angeboten und kommen auf einem Durchschnittsverbrauch von 4,9 Litern. Top-Motor war der seit 2013 erhältliche 1,6-Liter mit 150 kW/204 PS, der als GT verkauft und gegen den Golf GTI positioniert wurde. Der Turbo absolviert den Spurt von 0 auf 100 km/h in 7,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Mindestens 7,4 Liter fließen hier aber nach Norm durch die Leitungen.

Basisdiesel war bis 2013 ein 1.4er mit 66 kW/90 PS, etwas mehr Durchzugskraft (260 Nm) bietet die 1,6-Liter-Variante mit 94 kW/128 PS oder der 100 kW/136 PS mit 280 Nm (seit 2015). Das 136 PS-Triebwerk kommt auf einen Durchschnittsverbrauch von 3,6 Litern.

Geschaltet wird bei allen Modellen serienmäßig per Hand, der Basis-Otto und -Diesel begnügen sich mit einem Fünfganggetriebe. Für die stärkeren Motoren stand eine Sechsgang-Wandlerautomatik beziehungsweise ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe zur Wahl.

Ausstattung und Sicherheit: Kia hatte sieben Ausstattungslinien für den Ceed im Angebot, drei davon (GT Cup, GT Track und GT Challenge) waren aber dem GT vorbehalten. Das Basisniveau „Attract“ für Fünftürer und Kombi verzichtet unter anderem auf eine Klimaanlage. Ordentlich bestückt war der Kompakte im nächsthöheren Niveau „Edition 7“, das es auch für den Dreitürer gab. Wer ein gut ausgestattetes Modell will, sollte daher zu den höheren Linien wie „Edition 7“ oder „Spirit“ greifen. Letzteres hatte fast alles an Bord, was die Preisliste hergab, darunter Panorama-Glasschiebedach oder Teilledersitze. Die serienmäßige Sicherheitsausstattung war ordentlich, das Optionsprogramm an modernen Assistenten aber etwas lückenhaft. Beim NCAP-Crashtest erreichte der Ceed eine Fünf-Sterne-Bewertung.

Qualität: Unter der schicken Hülle des Ceed stecken leider einige Schwachstellen, die die TÜV-Prüfer bei den regelmäßigen Hauptuntersuchungen (HU) bemängeln. Beim Check des Fahrwerks fallen Achsaufhängung negativ auf. Die Licht-Prüfung bringt die dunklen Seiten des Ceed zu Tage. Defekte Scheinwerfer und Rückleuchten sowie verstelltes Abblendlicht finden sich oft im Mängelbericht. Auch bei den Bremsen kann der Kompakte nicht überzeugen. Fuß- und Feststellbremse stehen in der Kritik, außerdem verschleißen die Bremsscheiben schnell.

Fazit: Der Kia Ceed der zweiten Generation gehörte optisch zu den attraktivsten Angeboten in der Kompaktlasse, kann aber beim TÜV nicht glänzen. Immerhin: Kia gewährte und gewährt eine 7-Jahres-Garantie auf seine Fahrzeuge. Bei den späteren Ceed-Modellen der zweiten Generation ist diese noch gültig – auch bei einem Halterwechsel. Interessenten müssen mindestens rund 6.000 Euro in ein altes Ceed-Exemplar investieren, rund das Doppelte für ein GT-Modell.

Elfriede Munsch/SP-X