Archivierter Artikel vom 20.10.2021, 17:07 Uhr

Praktischer Alltagsbegleiter – Gebrauchtwagen-Check: Kia Venga

Der Kia Venga ist ein kleiner Van. Diese Gattung ist aus der Mode gekommen. Dabei hat der Kia-Van einiges zu bieten.

Von Elfriede Munsch/SP-X
Die Höhe von 1,60 Metern trägt zum guten Raumgefühl bei. Typisch Van sitzt der Fahrer leicht erhöht.
Die Höhe von 1,60 Metern trägt zum guten Raumgefühl bei. Typisch Van sitzt der Fahrer leicht erhöht.

SP-X/Köln. Kleine Vans besetzten einst die Modellnische, die heute von Mini-SUV gefüllt wird. Klein und handlich, dabei mit guten Platzangebot und Variabilität: Die kleinen Vans wie der Kia Venga (2010 bis 2019) überzeugten vor allen mit praktischen Eigenschaften. Optisch machten sie dagegen weniger her; das können noch dem aktuellen Käufergeschmack die kleinen SUV besser. Mit der Folge, dass Vans zu aussterbenden Art gehören.

Seit 2010 ist der Venga mit der internen Bezeichnung Typ YN erhältlich und hat sich seinen Platz in dem dünn besiedelten
Seit 2010 ist der Venga mit der internen Bezeichnung Typ YN erhältlich und hat sich seinen Platz in dem dünn besiedelten Segment der Minivans erkämpft.

Karosserie und Innenraum: Der 4,08 Meter lange Kia Venga bietet vergleichsweise gute Platzverhältnisse. Das liegt zum einen am Radstand, der für einen Kleinwagen auf immerhin 2,62 Meter kommt. Zum anderen wird das gute Raumgefühl aus der Höhe (1,60 Meter) und einer flexiblen Sitzkonfiguration gespeist.

Der Kia Venga ist ein kleines Raumwunder
Der Kia Venga ist ein kleines Raumwunder

Die Fondnutzer profitieren zum Beispiel von der um 13 Zentimeter längs verschiebbaren Rücksitzbank, ganz zurückgestellt genießen selbst Menschen mit langen Beinen sehr ordentliche Platzverhältnisse. Der Kofferraum fasst mindestens 314 Liter, verschiebt man aber die Rückbank nach vorn, stehen 440 Liter zur Verfügung. Klappt man die Rücksitzlehnen noch um – es entsteht eine ebene Ladefläche -, steigt der Wert auf 1.486 Liter. Das sind ordentliche Werte für die Größe des Fahrzeugs. Die Ladekante ist zudem recht niedrig, so dass das Ein- und Ausladen schwerer Gegenstände keine Rückenbeschwerden verursacht.

Mit einer Länge von 4,08 Metern bewegt sich der Venga immer noch auf Kleinwagen-Format, was die Suche nach Parkplätzen v
Mit einer Länge von 4,08 Metern bewegt sich der Venga immer noch auf Kleinwagen-Format, was die Suche nach Parkplätzen vereinfacht und ihn so zu einem angenehmen Begleiter fürs städtische Umfeld macht.

Typisch Van sitzt der Fahrer leicht erhöht. Das verbessert nicht nur die Übersichtlichkeit, auch das Ein- und Aussteigen gelingt leicht. Das Interieur verzichtet auf Spielerein und setzt auf Sachlichkeit. Beim Außenauftritt gibt der Venga eher das unauffällige Mauerblümchen, auch nach dem Facelift 2015 ändert sich daran nur wenig. Das von Ceed und Sportage bekannte Markengesicht mit dem sogenannten Tigernasen-Kühlergrill ziert seitdem die Front, dazu gab es geänderte Nebelscheinwerfer Heckleuchten.

Das Cockpit des Fünftürers ist anders als sein Blechkleid schon fast ein wenig sportlich eingerichtet. Die Bedienung ist
Das Cockpit des Fünftürers ist anders als sein Blechkleid schon fast ein wenig sportlich eingerichtet. Die Bedienung ist jedoch einfach und intuitiv.

Motoren und Antrieb: Die Motorenauswahl ist übersichtlich. Lediglich vier Triebwerke waren über die Produktionszeit im Angebot: zwei Benziner sowie zwei Diesel mit je 1,4- oder 1,6 Liter Hubraum. Die Ottomotoren (66 kW/90 PS und 92 kW/125 PS) werden in Kombination mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe angeboten. Für den größeren Motor steht auch eine Viergang-Automatik zur Verfügung. Die Benziner reichen für den Alltag, sofern man nicht zu ungeduldig ist. Den Spurt von 0 auf 100 km/m meistern sie in 12,8 beziehungsweise in 10,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist mit 169 und 185 km/h angegeben. Mit Verbrauchswerten zwischen 5,9 und 7 Litern sind die Motoren keine Sparwunder. Sparsamer sind die Diesel unterwegs. Der 90 PS starke Einstiegsselbstzünder begnügt sich wie der Topdiesel (128 PS) mit durchschnittlich 4,5 Liter. Sie punkten durch ihre Durchzugskraft (220 und 260 Nm). Die Kraftübertragung erfolgt über ein manuelles Sechsgang-Getriebe.

Ausstattung und Sicherheit: Der Venga wurde in drei Ausstattungslinien angeboten. Wie so oft, ist das unter Komfortniveau (Attract) eher was für Verzichtbereite. Ab „Vision“ und besonders ab „Spirit“ wird es komfortabler. In der Topversion sind unter anderem Klimaautomatik, Sitzheizung vorn, beheizbares Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer und 17-Zoll-Leichtmetallfelgen an Bord. Kia bot aber auch für die unteren Ausstattungslinien Pakete mit Zusatzausstattung an. Außerdem hatten die Koreaner auch Sondermodelle wie etwa „Dream Team“ im Programm. Gebrauchtwageninteressenten müssen daher immer im Einzelfall überprüfen, über welche Ausstattungsdetails das Wunschmodell verfügt.

Bei der Sicherheitsausstattung war der Venga 2010 auf der Höhe der Zeit und hatte etwa ESP an Bord. Den NCAP-Crashtest absolvierte der Minivan mit einer Fünf-Sterne-Bewertung.

Qualität: Der Venga meistert den TÜV-Besuch meist ohne große Beanstandungen. Die Zahl der mängelfreien Fahrzeuge liegt laut TÜV-Report über dem Segmentdurchschnitt, bei allerdings auch deutlich unterm Durchschnitt liegender Laufleistungsniveau. Beim Thema Umwelt und Abgasuntersuchung gibt selten Beanstandungen. Der Minivan hat allerdings auch Schwachpunkte. Dazu zählen etwa Probleme mit den Lenkgelenken sowie Federn und Dämpfer. Auch die Bremsscheiben sorgen immer wieder für Stirnrunzeln bei den TÜV-Prüfern. Gebrauchtwageninteressenten sollten ihr Wunschexemplar am besten von einem Prof checken lassen.

Fazit: Der Kia Venga ist ein praktisches Fahrzeug, das zudem dank seiner Abmessungen auch im städtischen Umfeld für Freude beim Parkplatzsuchen sorgt. Für ältere Modelle muss man rund 4.000 Euro investieren, Modelle ab dem Facelift werden ab rund 7.500 Euro offeriert.

Elfriede Munsch/SP-X