Archivierter Artikel vom 12.08.2022, 14:07 Uhr

Kaum Einfluss auf Straßenverkehr – Statistiker zum 9-Euro-Ticket

Reduziert das 9-Euro-Ticket den Pkw-Verkehr auf der Straße? Nun schalten sich auch Deutschlands oberste Statistiker in die Diskussion ein.

Von Holger Holzer/SP-X

SP-X/Wiesbaden. Das 9-Euro-Ticket hat die Straßen nicht entlastet, aber zu mehr touristischen Verkehr auf der Schiene geführt. Wie aus einer experimentellen Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, lag die Zahl der Reisen im Eisenbahnverkehr ab 30 Kilometern auch im zweiten Monat nach Einführung bundesweiten Fahrpreis-Rabatts um 42 Prozent über dem Niveau des Vergleichsmonats im Vorkrisenjahres 2019.

Die Zunahme im Eisenbahnverkehr betraf vor allem ländliche Gebiete. Dort lagen die erfassten Reisen im Juni und Juli 2022 um durchschnittlich 80 Prozent höher als in den Referenzmonaten 2019. Die Zahl der Reisen zwischen 30 und 100 Kilometern hat sich mehr als verdoppelt, auf den längeren Distanzen betrug das Wachstum zwischen 35 und 55 Prozent. In städtischen Reisegebieten mit hohem Tourismusaufkommen lag die Zahl der Reisen im Eisenbahnverkehr ab 30 Kilometern im Juni und Juli 2022 im Schnitt um 28 Prozent höher als im selben Zeitraum 2019.

Eine regionale Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene konnten die Statistiker aber nicht erkennen. Bundesweit lag das Verkehrsaufkommen auf dem gleichen Niveau wie vor der Pandemie. Selbst in den Gebieten mit hohem Touristenaufkommen und gestiegener Bahn-Nutzung ging der Straßenverkehr lediglich Anfang Juni leicht zurück, ab Mitte Juli befanden sich die Reisen auf der Straße jedoch wieder auf dem Vorkrisenniveau oder leicht darüber. Allerdings kann die Behörde aus statistischen Gründen beim Straßenverkehr nicht zwischen Pkw und Linienbussen trennen, so dass letztere in die Analyse einflossen.

Holger Holzer/SP-X