Archivierter Artikel vom 23.09.2021, 13:07 Uhr

Grün denken, rot lackieren – Fiat (500) RED und Eröffnung Lingotto

Mit der Eröffnung seiner umgestalteten Turiner Autofabrik Lingotto erweitert Fiat seine elektrische 500er-Baureihe um ein besonderes Modell: den (500) RED. Lingotto und der rote Kult-Stromer sollen zu Botschaftern für ökologisches Denken werden.

Nach einer lange Umbauphase soll die ehemalige Fiat-Teststrecke nun zu einer kulturellen Begegnungsstätte und zu einem O
Nach einer lange Umbauphase soll die ehemalige Fiat-Teststrecke nun zu einer kulturellen Begegnungsstätte und zu einem Ort werden, der für Fiats neues, „grünes“ Denken steht

Dass zu einer solchen historischen Stätte natürlich ein Fiat-500-Museum gehören muss, zeigt das „Casa 500"
Dass zu einer solchen historischen Stätte natürlich ein Fiat-500-Museum gehören muss, zeigt das „Casa 500“

SP-X/Turin. Keine Autofabrik der Welt ist so berühmt wie jene von Fiat im Turiner Stadtteil Lingotto. Vor knapp 100 Jahren errichtet, galt sie schon zu Produktionszeiten als Industrie-Ikone. Was das gut 500 Meter lange Gebäude so besonders macht: Auf dem Dach befindet sich eine Teststrecke mit zwei Steilkurven. Die Zufahrt erfolgte über zwei spiralförmige, ovale Rampen an beiden Kopfenden des Gebäudes. Mit bis zu 90 Stundenkilometern konnten Testfahrer damals die Autos um den Kurs scheuchen. Zwar gab es dabei im Eifer des Gefechts zwar die eine oder andere Karambolage, doch Fiat betont, dass während der gesamten Zeit nicht ein einziges Auto vom Dach geflogen sei. 1982 kommt das Aus für Lingotto. Ein letztes Modell dreht ein Wagen seine Runden auf der in der Automobilszene wohl einzigartigen Hochbahn. Es ist ein Lancia Delta.

RED und Fiat haben den (500) RED gemeinsam gestaltet und eine in der Branche ungewöhnliche Entscheidung getroffen, den F
RED und Fiat haben den (500) RED gemeinsam gestaltet und eine in der Branche ungewöhnliche Entscheidung getroffen, den Fahrersitz in Rot und die restlichen Sitze in Schwarz anzubieten

Lingotto war über Jahrzehnte auch die Geburtsstätte des Cinquecento, des Fiat 500. Seine Produktion startete hier 1957. Der putzige Kleinwagen mit seinem Zweizylinder im Heck fuhr sich schnell in die Herzen von Millionen von Italienern – und wurde zur Ikone. Kein italienisches Auto verkörperte das Dolce-Vita-Lebensgefühl so sehr wie der Fiat Cinquecento.

Auf dem Dach entstand die „La Pista 500“, ein begrünter Weg mit über 40.000 einheimischen Pflanzen. Er soll
Auf dem Dach entstand die „La Pista 500“, ein begrünter Weg mit über 40.000 einheimischen Pflanzen. Er soll später einmal als grüne Lunge für die Stadt Turin dienen

Die enge Verbundenheit zum Fiat 500 spiegelt auch das neue Konzept von Lingotto wider. Nach einer lange Umbauphase soll die ehemalige Teststrecke nun zu einer kulturellen Begegnungsstätte und zu einem Ort werden, der für Fiats neues, „grünes“ Denken steht. Auf dem Dach entstand die „La Pista 500“, ein begrünter Weg mit über 40.000 einheimischen Pflanzen. Er soll später einmal als grüne Lunge für die Stadt Turin dienen. Sogar Autos dürfen auf dem Dach noch fahren – allerdings nur elektrische. Dass zu einer solchen historischen Stätte natürlich ein Fiat-500-Museum gehören muss, zeigt das „Casa 500“. Hier können Besucher noch einmal die Geschichte dieses „großen“ italienischen Kleinwagens Revue passieren lassen.

Das neue Sondermodell Fiat (500) RED ist ab 22.800 Euro zu haben
Das neue Sondermodell Fiat (500) RED ist ab 22.800 Euro zu haben

Die grünen Gärten von Lingotto sollen Fiats Umdenken in Richtung Elektromobilität symbolisieren. Der neue, elektrische 500 läuft nur wenige Kilometer entfernt im Werk Mirafiori vom Band und fährt in der Zulassungsstatistik in seinem Segment bereits auf Platz eins. Ab 2023 will Fiat jedes Jahr ein neues Modell auf den Markt bringen, vom dem es stets eine vollelektrische Variante geben wird. Glaub man den Spekulationen, die in Turin zu hören sind, sollen das Portfolio auch ein elektrischer Panda und Punto ergänzen.

Mit der Eröffnung von „La Pista 500“ und dem Museum „Casa 500“ erweitert Fiat seine Baureihe 500 außerdem um ein ganz besonderes Modell. Bislang gibt es den elektrischen 500 nur in gedeckten Farben, die an die Elemente Luft, Wasser und Erde angelehnt sind. „Was fehlt, ist das Feuer“, beton Fiat-Chef Olivier Francois bei der Eröffnungszeremonie, und lässt einen knallroten 500 auf das Lingotto-Dach fahren. Dieses Rot ist jedoch kein gewöhnliches Rot. Es ist das Rot von (RED), der Charity Organisation von Bono, dem Sänger von U2. RED setzt sich weltweit für die Bekämpfung von Pandemien wie AIDS und Covid-19 ein. Mit dem (500) RED will Fiat zu dieser Aktion beitragen und spendet von jedem verkauften Wagen einen Teil des Erlöses. Jeder Käufer des roten Elektro-500 erhält zudem ein persönliches Dankesschreiben von Bono und Francois, verbunden mit ein paar netten roten Accessoires fürs Auto.

RED und Fiat haben den (500) RED gemeinsam gestaltet und eine in der Branche ungewöhnliche Entscheidung getroffen, den Fahrersitz in Rot und die restlichen Sitze in Schwarz anzubieten. Wer sich für dies Kombination allerdings nicht erwärmen kann, das Interieur lässt sich auch konventionell in Schwarz ordern. Von U2-Sänger Bono kam zudem die Idee, auch das Fahrpedal mit einem rot eloxierten Aluminium zu belegen. Motto: rot treten, grün denken.

Kosten wird der (500) RED in der sogenannten Urban-Pop-Ausstattung ab 22.800 Euro und liegt damit preislich zwischen dem normalen Einstiegsmodell und dem Topmodell „Icon“.

Michael Specht/SP-X