Goldene Nase – BMW XM

Ästhetisch und ökologisch ist der BMW XM ein eher fragwürdiges Auto. Wirtschaftlich dürfte es sich das SUV im Ziegelstein-Design für die Münchner aber lohnen.

Von Holger Holzer, SP-X
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SP-X/München. Im neuen BMW XM stecken gleich mehrere Premieren: Der massive Crossover ist das erste elektrifizierte Modell der konzerneigenen Hochleistungsschmiede M GmbH und gleichzeitig das erste eigenständige Fahrzeug der Haustuner seit dem legendären M1. Nicht zuletzt trägt der 5,11 Meter lange Plug-in-Hybrid in seiner Top-Variante den Titel des stärksten Serien-BMWs aller Zeiten. Auf den Markt kommt der fahrende Superlativ im April nächsten Jahres zu Preisen ab 170.000 Euro.

Optisch bleibt der XM nah an der im vergangenen Jahr vorgestellten gleichnamigen Studie. Das bewusst wuchtig und extrovertiert gestaltete SUV sprengt nicht nur bei den Karosserie-Abmessungen europäische Standards, sondern trägt auch die bislang wohl größte Ausprägung der Kühlergrill-Niere, die zudem auch noch beleuchtet und mit einem Goldband umrandet ist.

BMW selbst will in dem Fünftürer Stilelemente des Mittelmotor-Sportwagens M1 erkennen und führt als Beispiel etwa die Lamellenstruktur der Heckleuchten an. Innen schlagen sich die ausladenden Abmessungen natürlich in einem großzügigen Platzangebot nieder, das im Fond noch durch Lounge-Sitze und einen skulpturalen Dachhimmel verfeinert wird. Dieser für die Münchner eher ungewohnte Fokus auf die rückwärtigen Passagiere dürfte genau wie das klobig-barocke Design ein Zugeständnis an die Zielkundschaft sein, die vor allem in China, den USA und dem Nahen Osten erwartet wird, die sich auch gerne mal chauffieren lässt und deren Geschmack aus europäischer Sicht vorsichtig gesagt eher als extrovertiert bezeichnet werden darf.

Als Antrieb ist ein Plug-in-Hybrid auf Basis eines 4,4-Liter-V8-Benziners Standard. Der Verbrenner ist unter anderem aus dem M5 bekannt, wird hier aber erstmals von einem E-Motor unterstützt, der im Gehäuse der Achtgangautomatik sitzt. Gemeinsam kommen sie auf eine Systemleistung von 480 kW/653 PS und beschleunigen den knapp 2,8 Tonnen schweren XM in 4,3 Sekunden auf Tempo 100. Auf Knopfdruck lässt sich ein reiner Elektromodus aktivieren, der eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h erlaubt, die Reichweite aus der 25,7 kWh großen Batterie gibt der Hersteller mit bis zu 82 Kilometern an. Überraschend lahm ist der große BMW beim Laden: Maximal steht eine Leistung von 7,4 kW zur Verfügung, einen Schnellladeanschluss gibt es nicht.

Im Herbst 2023 ergänzt eine noch stärkere Variante das Angebot, die unter der neuen Submarke „Label Red“ laufen wird. Mit 550 kW/748 PS Systemleistung lässt diese dann sämtliche andere Sportwagen der Marke hinter sich. Damit sich der XM in jeder Ausführung dynamisch fährt, hat BMW das Stahlfahrwerk des X5 M übernommen und verfeinert. Unter anderem sollen adaptive Dämpfer, eine 48-Volt-Wankstabilisierung, eine Hinterradlenkung und ein hecklastig ausgelegter Allradantrieb das hohe Gewicht vergessen lassen. Neu ist zudem ein spezieller Fahrmodus für Sand – ebenfalls mit Blick auf die angepeilte Kundschaft. Zu den wichtigsten Konkurrenten des BMW XM zählen dort Luxus-SUV wie Lamborghini Urus, Aston Martin DBX und Bentley Bentayga.

Holger Holzer/SP-X
Archivierter Artikel vom 28.09.2022, 12:07 Uhr