Archivierter Artikel vom 15.03.2021, 12:07 Uhr

„E-Fuels raus aus dem Reagenzglas“ – Scheuer will Verbrenner retten

Die Fans des Verbrennungsmotors setzen ihre Klima-Hoffnungen auf E-Fuels. Verkehrsminister Scheuer nun auch.

Bislang sind die E-Fuel-Raffinerien noch klein
Bislang sind die E-Fuel-Raffinerien noch klein

SP-X/Berlin. Der fossile Verbrennungsmotor soll 2035 vom Neuwagenmarkt verschwinde. Das hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer im Interview mit der „Welt am Sonntag“ angekündigt. Bislang nannte die Bundesregierung in der Regel 2050 als Ausstiegsdatum aus dem Verbrennungsmotor. Scheuer sieht aber eine Zukunft für CO2-neutrale Benziner und Diesel, die mit sogenannten E-Fuels betrieben werden. Die mit Hilfe von Ökostrom produzierten synthetischen Kraftstoffe müssten raus aus dem Reagenzglas und rein in die Massenproduktion, so der Minister.

Bislang werden E-Fuels lediglich in kleinen Testanlagen produziert. Prinzipielles Problem ist aber weniger die geringe Herstellungskapazität als vielmehr der schlechte Gesamtwirkungsgrad der Technik. So ist die Produktion sehr energieaufwendig, die Nutzung im Verbrennungsmotor sehr verlustbehaftet. Deutlich effizienter ist es, Ökostrom direkt für den Betrieb im E-Auto zu nutzen – zumindest, wenn er ein knappes Gut ist. Nach Ansicht vieler Experten dürften E-Fuels daher künftig vor allem in Transportmitteln wichtig werden, für die Batterie-E-Mobilität aufgrund ihrer begrenzten Reichweite keine Option ist, etwa bei Schiffen und Flugzeugen.

Politiker wie CSU-Chef Markus Söder und Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatten sich bereits im vergangenen Jahr für ein Auslaufen fossil betriebener Autos bis 2035 ausgesprochen. Auch zahlreiche andere Länder wie Japan, Großbritannien, Frankreich oder Spanien haben bereits Enddaten für Benziner und Diesel festgelegt, die zwischen 2030 und 2040 liegen.

Holger Holzer/SP-X