Archivierter Artikel vom 19.05.2022, 16:07 Uhr

Drei Level Luxus – Mercedes-Strategie

Mercedes verschiebt seinen Fokus weiter in Richtung Luxus-Segment. Für die derzeitigen Einstiegsmodelle dürfte das das Aus bedeuten.

Von Holger Holzer/SP-X
Sondermodelle wie den Abloh-Maybach soll es künftig häufiger geben
Sondermodelle wie den Abloh-Maybach soll es künftig häufiger geben

SP-X/Stuttgart. Mercedes will noch konsequenter als bislang auf Luxus setzen. Ein Großteil der künftigen Entwicklungs-Investitionen im Pkw-Bereich soll in die Spitzenmodelle der Marke fließen, im Einstiegs-Segment wird hingegen ausgedünnt. Darüber hinaus will die Marke verstärkt auf exklusive Sondermodelle für Sammler und Enthusiasten setzen.

Die Pkw-Palette wird künftig in drei Kategorien aufgeteilt. In der „Top-End Luxury“-Gruppe findet sich neben der S-Klasse und den veredelten Maybach-Modellen auch der über die Jahre zum Luxus-Offroader gewachsene Geländewagen der G-Klasse. Der soll Mitte des Jahrzehnts elektrisch werden und möglicherweise auch einen Ableger erhalten. Zur Spitze der Produktpalette zählen aber auch die sportlichen AMG-Modelle, die ebenfalls den Weg Richtung E-Antrieb gehen. Eine entsprechende Studie feiert in Kürze Premiere. In den nächsten Jahren sollen mehr als 75 Prozent des Entwicklungs-Budgets in diese Fahrzeuge fließen. Der Absatzanteil soll auf 60 Prozent wachsen.

Als weitere Säule im Highend-Bereich sieht Mercedes spezielle Sondermodelle. Die sollen nicht wie bei anderen Marken den Absatz ankurbeln, sondern als Sammlerstücke und Leuchtturm-Autos dienen. Einige besonders exklusive Modelle werden in einer „Mythos Serie“ aufgelegt, die stark limitiert wird und sich an besonders treue Kunden wendet.

Unterhalb der „Top End“-Ebene zieht Mercedes die „Core Luxury“-Etage ein. Dort finden sich die Modelle der C- und E-Klasse sowie ihre aktuellen und künftigen Elektro-Ableger. Auch ein spezielles E-Modell für den chinesischen Markt ist angekündigt. Als Einstieg in die Mercedes-Welt sollen die „Entry Luxury“-Fahrzeuge dienen, zu denen die Nachfolger der aktuellen A- und B-Klasse zählen dürften. Die Kompaktmodelle sollen dank aufwendigerer Technik bei Prestige und Preis deutlich höher positioniert werden als ihre Vorgänger, die Zahl der Karosserievarianten soll von derzeit sieben auf vier sinken. Insgesamt will Mercedes die Komplexität seiner Produktpalette verringern und die Zahl der Ausstattungsvarianten reduzieren, um Kosten zu sparen und eine schnellere Verfügbarkeit zu gewährleisten.

Ziel der Luxus-Strategie ist eine höhere Profitabilität in einem zunehmend schwierigen Markt. Mercedes strebt bis Mitte des Jahrzehnts eine Umsatzrendite von 14 Prozent an. Dabei soll auch der Schwenk zum Direktvertrieb helfen. Bis 2025 sollen in Europa rund 80 Prozent der Verkäufe über diesen Kanal erfolgen.

Holger Holzer/SP-X