Archivierter Artikel vom 06.08.2021, 12:07 Uhr

Bis 2030 jeder zweite Neuwagen elektrisch – Neues US-Ziel

Die Amis ziehen nach in Sachen Elektrifizierung. Das Weiße Haus macht Vorgaben für die Industrie. Aber es hapert auch an anderer Stelle.

Auch der Chevrolet Bolt wird die halbe Million nicht mehr voll machen
Auch der Chevrolet Bolt wird die halbe Million nicht mehr voll machen

SP-X/Washington. Die USA wollen den E-Autoanteil an den Neuwagenkäufen bis 2030 deutlich steigern. Dann sollen 50 Prozent aller neuen Pkw über einen emissionsfreien Antrieb verfügen, wie das Weiße Haus mitteilt. Gemeint sind neben Batterie-E-Autos und Brennstoffzellenfahrzeugen auch Plug-in-Hybride. Rechtlich verbindlich ist die Quote aber zunächst nicht. Die Autohersteller haben in einer ersten Reaktion allerdings bereits angekündigt, für 2030 einen E-Anteil von 40 bis 50 Prozent anzustreben. Allerdings forderten sie staatliche Anreizprogramme und einen Ausbau der Lade-Infrastruktur.

Die Ziele sind durchaus ambitioniert, auch wenn etwa Europa mit dem Verbrenner-Verbot ab 2035 noch ehrgeizigere Pläne hat. 2020 lag der Anteil reiner E-Mobile an den Neuzulassungen in den USA unter 2 Prozent, hinzu kam eine ähnliche Quote an Plug-in-Hybriden. Für 2025 gingen Prognosen zuletzt von einem E-Marktanteil von rund 10 Prozent aus. Die im Vergleich mit China und Europa eher mäßigen Verkäufe haben auch mit der Elektro-Schwäche heimischen Industrie zu tun. Mit Tesla kommt zwar der aktuelle Weltmarktführer bei E-Autos aus den USA. Der Rest der heimischen Branche hängt in Sachen Batterieantrieb allerdings noch hinterher. General Motors hat mit Volt und Bolt zwar zwei der ersten Volumen-Stromer auf den Markt gebracht, seitdem aber das Neuheiten-Tempo reduziert und mit dem gigantischen elektrischen GMC Hummer zuletzt eines der wohl am wenigsten ökologischen Modelle seiner Antriebsklasse ins Programm genommen. Ford will in Kürze den Pick-up-Bestseller F-150 und den Transporter Transit elektrifizieren, Stellantis-Tochter Jeep verpasst ihren Geländewagen eine Batterie. Nachholbedarf gibt es auch noch beim Ladenetz. Landesweit stehen zurzeit rund 40.000 öffentliche Stromtankstellen zur Verfügung – ungefähr so viele wie im deutlich kleineren Deutschland.

Neben der Stärkung der E-Mobilität will die neue US-Regierung die unter der Trump-Präsidentschaft gelockerten Emissions- und Verbrauchsvorschriften für konventionell angetriebene Neuwagen wieder strenger machen. Geplant ist eine Senkung der klimaschädlichen Abgasemissionen um 60 Prozent bis 2030.

Holger Holzer/SP-X