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Düsseldorf

Streusalz – begehrte Mangelware und Umweltgefahr

dpa

Die einen würden dafür derzeit fast jeden Preis zahlen, die anderen warnen inständig vor den Folgen. An Streusalz scheiden sich momentan die Geister.

Streusalz
Umweltschützer warnen vor Streusalz, Studien befürworten hingegen den maßvollen Einsatz. (Bild: dpa)

Für die verschneiten und vereisten Straßen ist es derzeit fast überall Mangelware. Es gibt kaum ähnlich wirksame Alternativen. Bewährt hat sich der zielgenaue und zurückhaltende Einsatz, belegen mehrere Studien. Privatleute sollten nach Ansicht von Umweltschützern aber ganz auf das Tausalz verzichten, weil eine genaue Dosierung nicht gewährleistet ist. Übrigens leidet nicht nur die Umwelt: Salz greift auch Brücken und Fahrzeuge an.

Umweltschützer mahnen fast schon traditionell zur Zurückhaltung beim Streusalz. «Zu viel Salz schadet den Pflanzen und den Gewässern», warnt Dirk Jansen vom BUND Nordrhein-Westfalen. Auf Autobahnen sei der Einsatz zwar kaum zu verhindern. Aber viele Kommunen und auch Privatleute würden das Salz bei Eis und Schnee «exzessiv einsetzen». Als Alternative empfiehlt Jansen abstumpfendes Streugut wie Splitt und Sand. Und im Notfall tut es auch Katzenstreu.

«Das Salz schadet den Bäumen und greift die Wurzeln an», sagt Jansen. Die Folgen würden erst im Frühjahr sichtbar. Die Wurzeln könnten nicht mehr genügend Wasser und Nährstoffe aufnehmen, die Pflanzen vertrockneten. «Vor allem für Stadt- und Straßenbäume kann das Streusalz schnell zum Exitus führen.»

Das Salz landet schließlich in Gewässern und im Grundwasser. «Das hat dort aber nichts zu suchen», hebt Jansen hervor. Die Tiere und Pflanzen hierzulande seien auf salzfreies Wasser eingestellt. Vor allem kleinere Gewässer seien gefährdet. «An einigen Gewässern wurden schon Pflanzen entdeckt, die sonst nur am Meer vorkommen.»

Ein differenzierteres Bild zeichnen Studien. Sie kommen teilweise zu dem Schluss, dass der Einsatz von Salz unter bestimmten Voraussetzungen ökologisch unproblematischer ist als andere Streumittel wie Sand, Splitt oder Granulat.

Nach einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes in Dessau besteht bei Splitt und Granulat die Gefahr, dass Anwohner und Fußgänger unter der Feinstaubbelastung leiden. Dies gelte vor allem für das Personal der Straßenreinigung. Seitenstraßen sollten nur mechanisch oder gar nicht geräumt werden, Fuß- und Radwege mit Granulat, um die Pflanzen am Straßenrand zu schonen. Privatleute sollten überhaupt kein Salz verwenden, «da eine gezielte Dosierung von Auftausalzen kaum realistisch erscheint», rät die Studie von 2003.

Das Öko-Institut Freiburg kommt 2004 zu ähnlichen Ergebnissen. Salz ist demnach unter Umständen umweltfreundlicher als Splitt und als Granulat. Der Energieaufwand für Herstellung und Verteilung der abstumpfenden Streumittel sei nämlich sehr viel höher als bei Salz. Dies vor allem, weil Salz das Eis schnell schmelzen lasse. Andere Mittel müssten häufiger gestreut und später aufwendig entsorgt werden. Empfohlen wird vor allem Feuchtsalz. Die Lauge haftet besser auf der Straße als Trockensalz und wirkt dadurch besser.

Ratgeber: Garten & Umwelt
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