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    Kiel

    Manche mögen's heiß: Agaven vertragen keine Kälte

    Sie können 100 Jahre alt werden und brauchen Jahrzehnte, bis sie blühen: Agaven werden auch Jahrhundertpflanzen genannt. Dabei müssen sie sich bewaffnen, um zu überleben.

    Agaven wachsen auf steinigen Böden
    Der natürliche Standort der Agaven ist trocken und hat einen steinigen Boden.
    Foto: Jens Schierenbeck - DPA

    Diese Pflanzen versprühen Respekt: Mächtige Dornen an den spitzen Blättern sind die Waffen der Agaven. In ihrer Heimat ist Wasser eine Rarität, so dass die Pflanzen es in den fleischigen Blättern speichern und vor Raub beschützen müssen, erläutert Martin Nickol, Kustos des Botanischen Gartens der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Hierzulande müssen Gärtner die Agaven beschützen: Vor kalten Temperaturen.

    Agave mit mächtigem Blütenstand
    Ein seltenes Bild: Nur einmal in ihrem Leben entwickelt die Agave so einen mächtigen Blütenstand, danach stirbt die Pflanze ab.
    Foto: Jens Wolf - DPA

    «Ursprünglich stammen die Agaven aus Mexiko und Südamerika», erklärt Nickol. Später wurde die Pflanzengattung im Mittelmeerraum eingeführt. Die mächtigen Rosetten gehören dort heute zum prägenden Bild von Gartenanlagen. Hierzulande fühlen sie sich aber nur an warmen Sommertagen wohl. Vom Herbst an braucht die Agave ein Quartier an einem hellen, kühlen Standort im Haus.

    Dichte Rosette aus Blättern
    Die Blätter der Agave - hier eine Drachenbaum-Agave (Agava attenuata) - sind meist in einer dichten Rosette angeordnet.
    Foto: Jens Schierenbeck - DPA

    Beim Wechsel zurück ins Freie gewöhnt sich die Pflanze nur langsam wieder an das Licht. Daher muss sie zunächst zwischengelagert werden - am besten an einem halbschattigen Platz. In einer bewölkten Witterungsperiode wechselt die Agave dann in die volle Sonne. Da die Pflanzen recht groß werden, kann der Transport im Laufe der Jahre aber zu einem Problem werden. In den Sukkulentensammlungen von Botanischen Gärten werden die Agaven auch in schützenden Glashäusern gezeigt.

    «Der natürliche Standort der Agaven ist meist trocken und hat einen steinigen, felsigen Boden», erläutert Nickol. Im Topf sollte das Substrat aus zwei Teilen Blumenerde und einem Teil Quarzsand bestehen. Der Wurzelballen sollte immer leicht feucht sein. Nachgegossen wird aber erst, wenn die Erdoberfläche abgetrocknet ist. Während des Sommers braucht die Agave alle 14 Tagen einen Volldünger in schwacher Dosierung im Gießwasser.

    Botanisch zählen die Agaven zu den Spargelgewächsen. Der Blütenstängel, der sich aus der Blattrosette heraus entwickelt, erinnert an die Spargelstange, wenn sie aus der Erde sprießt. «Allerdings erlebt man die Blüte der Agave nur selten, weil die langlebigen Pflanzen nur einmal im Leben blühen», sagt der Botaniker Nickol. Ähnlich wie Aloe braucht die Agave dafür Jahrzehnte, aber die Pflanzen können 100 Jahre alt werden. So ein Blütenstand kann mehrere Meter hoch werden. «Der größte hat zwölf Meter gemessen», erzählt Nickol. Häufig sind die Blütenstände aufrecht, eintriebig oder verzweigt.

    Die Blätter, die bei den meisten Arten stammlos in einer dichten Rosette angeordnet sind, tragen am Ende des Blattes mindestens einen kräftigen Dorn. So schützen die Blätter nicht nur sich selbst, sondern sich auch gegenseitig. An den Seiten der Blätter hängen meist trockene Fäden. Die Fäden der Sisal-Agave (Agave sisalana) werden zur Herstellung von Tauen, Seilen, Teppichen und als Füllstoff von Matratzen verwendet.

    Die Pflanzen werden auch in der Nahrungsmittelindustrie gebraucht: «Agaven enthalten viel Zucker, und der Agavendicksaft wird als Süßmittel verwendet», sagt Nickol. Pulque und Meskal, dessen bekannteste Variante der Tequila ist, sind alkoholische Getränke, die aus der Agave hergestellt werden. In der Heilkunde werden die Blätter bei Hautkrankheiten verwendet. Die Dornen wurden laut Nickol früher als Hilfsmittel beim Nähen und in der Akupunktur eingesetzt.

    «Zu den attraktivsten Vertretern der Art zählt die Schwanenhals-Agave (Agave attenuata)», findet Michael Burkart, Kustos des Botanischen Gartens der Universität Potsdam. «Ungewöhnlich bei dieser Art ist der Stamm, auf dem die Blattrosette sitzt.» Das ließ den Pflanzenexperten Josef Fürst zu Salm-Dyck zweifeln, ob es sich hierbei um eine Agave handelt, als er Anfang des 19. Jahrhunderts die Art beschrieb. «Die Blütenstände sehen wie enorme Rüssel aus, die an eine unendliche Bürste erinnern», sagt Nickol. «Von weitem betrachtet wirkt der Blütenstand zitronengelb wegen der prominenten gelben Staubblätter. Die Blütenkrone selbst ist grünlich.»

    Die hohen Blüten der Agaven werden von Insekten bestäubt, in ihrer Heimat umschwirren sie auch Kolibris und nektarfressende Fledermäuse. Die Samen werden meist vom Wind verteilt. «Es kann aber auch sein, dass der meterlange Blütenstiel mit den Samen umfällt», sagt Nickol. So entstehen Jungpflanzen in deutlichem Abstand von der Mutterpflanze.

    Eine andere Vermehrungsform ist die Bildung von kleinen Blattrosetten, den sogenannten Kindeln. Sie wachsen seitlich neben der großen Rosette heraus, erläutert Nickol. Dann sterbe die verblühte Mutterpflanze und der Kindel wachse an gleicher Stelle an. Doch die Jahrhundertpflanze muss noch nicht sterben - in der Topfkultur kann die Mutter gerettet werden: Der Kindel wird gelöst und in einen eigenen Topf gesteckt.

    Ratgeber: Garten & Umwelt
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