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Bonn

Bohne, Tulpe, Oleander: Richtig mit Giftpflanzen umgehen

dpa/tmn

Leichtsinn ist ein schlechter Ratgeber, wenn es um Giftpflanzen geht. Angst aber auch. Wer gelernt hat, mit ihnen umzugehen, kann sich auch an Wild-, Kultur- und Gartenpflanzen mit giftigen Inhaltsstoffen erfreuen, die in Haus und Garten wachsen.

Umgang mit Giftpflanzen
Bohnen gehören zu den Giftpflanzen – im gegarten Zustand sind sie aber giftfrei. (Bild: oekolandbau.de/dpa/tmnJ)

Sie dienen als Zierpflanzen, Heilkräuter und sogar als Nahrungsmittel. Eine der beliebtesten Gemüsesorten – die Bohne – ist zum Beispiel giftig. Sie enthält Phasin, das schwere Vergiftungen wie Erbrechen, Herzrasen oder Krampfanfälle hervorrufen kann. Auch die Kartoffel zählt zu den Giftpflanzen. Gegessen werden beide trotzdem – völlig gefahrlos. Des Rätsels Lösung ist folgendes: Das Phasin zerfällt beim Erhitzen. Gegarte Bohnen sind giftfrei. Bei der Kartoffel sind nur die grünen Teile giftig. Grüne Partien an den Knollen, die sie bei zu heller Lagerung bekommen, müssen daher gründlich abgeschält werden.

Kartoffel und Bohne sind wohl die eindrücklichsten Beispiele dafür, dass Menschen über Generationen hinweg gelernt haben, mit Giftpflanzen gefahrlos umzugehen. Selbst wenn auf die Narzissen zum Osterfest, die Tulpen, die Schneeglöckchen, Alpenveilchen, Rittersporn, Fingerhüte oder die eleganten Christrosen in Haus und Garten verzichtet werden würde – Giftpflanzen gibt es auch wild in Wald und Garten. Ein Leben ohne Kontakt zu Pflanzen mit giftigen Inhaltsstoffen ist daher kaum möglich und auch nicht nötig, wenn ein paar einfache Regeln beherzigt werden.

Wer eine Pflanze kauft, ob für Garten, Fensterbank oder Balkonkasten, sollte sich den Namen aufschreiben oder einprägen und fragen, ob sie giftig ist oder nicht. Wenn ja, schließt sich die Frage an, welche Teile giftig sind und wie mit ihnen umzugehen ist.

Meist wird gründliches Händewaschen nach jedem Umgang ausreichen. Dabei werden nicht nur Schmutz, sondern auch alle Pflanzensäfte mit den giftigen Inhaltstoffen abgespült. Wird das konsequent eingehalten, geht weder vom beliebten Buchsbaum mit dem stark giftigen Buxin, noch vom Rittersporn (Delphinium und Consolida) mit seinen Alkaloiden oder dem Oleander – in dem das giftige Oleandrin steckt – Gefahr aus.

Bei zwei Arten, nämlich den Eisenhüten (Aconitum) und der Herkulesstaude (Heracleum), reicht diese Umsicht nicht. Wer sie ausgraben, umpflanzen oder zurückschneiden will, sollte Handschuhe tragen und bloße Haut, die mit den verletzten Blättern und Stängeln in Berührung kommen kann, bedecken. Das sehr stark giftige Aconitin aus dem Saft der Eisenhüte wird nicht nur über den Magen-Darm-Trakt, sondern auch über die Haut aufgenommen.

Besondere Vorsicht gilt für Gärten, in denen Kinder spielen. Stark giftige Pflanzen wie Eisenhut, Fingerhut und Goldregen (Laburnum) mit seinen erbsenartigen Früchten und auffälligen Samenhülsen, sollten erst in den Garten einziehen, wenn die Kinder alt genug sind. Bei anderen giftigen Arten lässt sich die Verlockung zum Anfassen mildern, wenn die Beeren entfernt werden. Grundsätzlich sollten Kinder so früh wie möglich wissen, von welchen Pflanzen in Garten und Nachbarschaft sie krank werden können.

Ist es aber doch passiert, sollten Eltern nicht warten, bis dem Kind übel wird oder sich Bauchschmerzen einstellen. Ärzte, Apotheker, Gift-Ambulanzen und Krankenhäuser kennen die meisten Pflanzen und können ihre Giftigkeit einschätzen. Zur sicheren Identifikation sollten Blätter, Blüten oder Früchte der gegessenen Pflanzen mitgenommen werden.

Ratgeber: Garten & Umwelt
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