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    Stürmische Zeiten unter UCI-Chef Cookson vorbei

    Ein Ziel hat Brian Cookson in seinem ersten Jahr als Präsident des Radsport-Weltverbandes (UCI) auf jeden Fall erreicht.

    UCI-Chef
    Brian Cookson will die Doping-Vergangenheit im Radsport aufarbeiten.
    Foto: Salvatore di Nolfi - DPA

    Ponferrada (dpa) – Ein Ziel hat Brian Cookson in seinem ersten Jahr als Präsident des Radsport-Weltverbandes (UCI) auf jeden Fall erreicht.

    Wurde die UCI zu Zeiten der höchst umstrittenen Präsidenten Hein Verbruggen und Pat McQuaid in der öffentlichen Wahrnehmung noch mit Korruption, Intransparenz und Doping-Vertuschung in Verbindung gebracht, sind die Negativ-Schlagzeilen auf ein Minimum zurückgegangen. «Es war notwendig, dass Ruhe einkehrt», sagte der frühere Telekom-Profi Rolf Aldag als Kenner der Branche. Eine «Revolution» habe er nicht registriert, eher «einen Weg der kleinen Schritte».

    Am 27. September 2013 hatte Cookson seinen umtriebigen Vorgänger Pat McQuaid in einer Kampfabstimmung auf dem Kongress in Florenz abgelöst und einen Wandel versprochen. Ein Jahr später zieht der Brite eine positive Zwischenbilanz seiner Arbeit. «Wir haben viel erreicht», sagte Cookson der Nachrichtenagentur dpa am Rande der Rad-WM in Ponferrada und verweist vor allem auf seinen Kampf für einen sauberen Sport. Das Anti-Doping-Management sei nun zu 100 Prozent unabhängig, der Radsport diesbezüglich führend. «Ich habe mich mehrmals mit IOC-Präsident Thomas Bach getroffen. Er hat unseren neuen Ansatz zur Doping-Bekämpfung öffentlich gelobt.»

    Cookson spielte aber auch in die Karten, dass er angesichts ausbleibender Skandale nicht als großer Krisenmanager gefordert war. Welche Rolle die Anti-Doping-Einheit tatsächlich einnimmt, wird sich erst noch zeigen müssen. Wie etwa in den Fällen Daryl Impey (Südafrika) und Roman Kreuziger (Tschechien). Beide Fahrer waren in der Heimat vom Dopingvorwurf freigesprochen worden. Die UCI hat die Möglichkeit, vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu ziehen.

    Transparenz und Glaubwürdigkeit lautet Cooksons Credo. Sein Gehalt von 282 000 Euro hat er öffentlich gemacht, aktuelle Dopingstrafen werden dagegen nicht mehr explizit publiziert. Auf einer schwer zu findenden Unterseite auf der UCI-Homepage werden mögliche Sanktionen gegen Fahrer kommuniziert, wie etwa im Fall des früheren Girosieger Denis Mentschow, was viele Experten als Rückschritt empfinden.

    Auch die mit großen Erwartungen ins Leben gerufene Kommission zur Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit (CIRC) muss erst noch ihre Wirksamkeit beweisen. So drängt Cookson auf Ergebnisse. «Die Uhr tickt. Nun ist der Zeitpunkt für die CIRC, voran zu kommen.» Alle Beteiligten aus dem Radsport waren eingeladen, vor den Ermittlern auszusagen. Lance Armstrong kam dem Aufruf nach. Anfang 2015 soll das unabhängige Gremium seine Ergebnisse präsentieren. Der Weg zurück zu mehr Glaubwürdigkeit sei nicht einfach. Die Probleme ließen sich nicht über Nacht lösen, so Cookson. «Es ist ein fortlaufender Prozess. Wir müssen streng bleiben und jeden Stein umdrehen.»

    Alles andere als einfach ist auch die Situation bei den Frauen. Cookson spricht zwar «von einer breiten Unterstützung» und einer «ambitionierten Strategie zu mehr Fernsehpräsenz», doch zumindest im Portemonnaie der Fahrerinnen sind die Bestrebungen noch nicht angekommen. Ein Mindestgehalt gibt es weiterhin nicht. «Es gibt einige größere Teams, die professioneller geworden sind, aber nicht vom Budget her», beklagte Trixi Worrack. Weltmeisterin Lisa Brennauer ist etwa auf die Sportfördergruppe der Bundeswehr angewiesen, die WM-Vierte Mieke Kröger auf die Sporthilfe.

    Aldag prophezeit Cookson noch viel Arbeit. «Durch die Schwäche der UCI sind in den vergangenen Jahren die Veranstalter wie die Tour-Organisation ASO sehr stark geworden. Die werden sich die Butter nicht so schnell vom Brot nehmen lassen.» Bis zur möglichen Wiederwahl hat Cookson noch drei Jahre vor sich - und einen Berg an Arbeit.

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