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Madrid

Spaniens Radsport-Chef greift deutsche Kritiker an

dpa

Der spanische Radsport-Präsident Juan Carlos Castaño hat nach dem weltweit umstrittenen Doping-Freispruch für Alberto Contador eine Attacke in Richtung Deutschland gestartet.

Die von deutschen Experten geäußerte Kritik an dem Urteil «erscheint mir sehr unverhältnismäßig, zumal die Deutschen im eigenen Haus schon seit Tagen selbst einen Fall haben», sagte der Verbandschef der Nachrichtenagentur dpa in Madrid.

Castaño bezog sich auf Dimitrij Ovtcharov. Bei dem Tischtennisspieler war ebenso wie bei Contador Clenbuterol entdeckt worden. Beide Sportler wurden vom Dopingvorwurf freigesprochen.

Das Urteil des spanischen Verbandes RFEC hatte in Deutschland für Empörung gesorgt. Von einem «Rückschlag für die Dopingverfolgung» sprach der Pharmakologe Fritz Sörgel, «jetzt fangen wir wieder von vorne an». IOC-Vizepräsident Thomas Bach forderte ein Einschreiten des Weltverbandes UCI und der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA.

Castaño plädierte dafür, dass die WADA – ebenso wie im Fall Ovtcharov – nun auch gegen den Freispruch Contadors keinen Einspruch erhebt. «Ovtcharov hat in China verunreinigtes Fleisch gegessen, obwohl man weiß, dass dort das Fleisch häufig verseucht ist. Man kann ihm daher eine mangelnde Sorgfalt zur Last legen. Dennoch ließ die WADA den Freispruch des Deutschen nicht anfechten.»

Contador dagegen habe ein Steak gegessen, das aus Spanien stammte. Der dreimalige Tour-de-France-Sieger habe mit einer Verunreinigung gar nicht rechnen können, weil in Spanien der Einsatz des Kälbermastmittels Clenbuterol streng verboten sei.

Der Verbandschef belächelte den außerhalb Spaniens erhobenen Vorwurf, Spanien sei beim Kampf gegen Doping eine «Bananenrepublik» und ein «Paradies für Doper»: «Wir wenden dieselben Kriterien an wie andere Länder auch.»

Radsport
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