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    Martin kritisiert UCI-Chef Cookson

    2013 trat Brian Cookson die Nachfolge des von vielen Skandalen begleiteten Iren Pat McQuaid an. Seitdem ist Ruhe eingekehrt im Radsport. Trotzdem gibt es Vorbehalte gegen den UCI-Chef, vor allem die Fahrer fordern eine höhere Standards in puncto Sicherheit.

    Tony Martin
    Tony Martin ist der Titelverteidiger im Einzelzeitfahren.
    Foto: Oliver Weiken - dpa

    Bergen (dpa). Auf dem Chefsessel des Radsport-Weltverbandes UCI haben bereits einige zweifelhafte Persönlichkeiten Platz genommen.

    Der im Juni gestorbene Strippenzieher Hein Verbruggen etwa, oder dessen ebenso umtriebiger Nachfolger Pat McQuaid. Beiden wurde Kungelei mit Lance Armstrong bei dessen Doping-Machenschaften vorgeworfen.

    Verglichen mit seinen Vorgängern kommt der aktuelle UCI-Präsident Brian Cookson eher blass daher. Die Zeit der großen Skandale, der großen Töne ist erst einmal vorbei. Trotzdem genießt der Brite, der sich am Donnerstag am Rande der WM in Bergen gegen seinen französischen Herausforderer David Lappartient erneut zur Wahl stellt, im Fahrerfeld mitunter nicht den besten Ruf.

    So äußerte Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin scharfe Kritik an Cookson. „Die ProTour und die Rankings sind ein Chaos. Keiner blickt durch, welche Punkte man für welchen Wettkampf bekommt. Keiner hat auch wirklich ein Interesse daran, sich damit zu beschäftigen“, sagte der viermalige Zeitfahr-Weltmeister und bemängelte außerdem, dass beim Thema Sicherheit der Fahrer nichts unternommen werde. Es seien von den Fahrern viele Anregungen gemacht worden, doch es habe sich „nullkommagarnichts“ geändert. „Ich habe aktuell das Gefühl, dass wir gegen eine komplette Wand laufen“, monierte Martin.

    Der Präsident müsse sich das Thema Fahrersicherheit eigentlich groß auf die Brust schreiben. Da sei aber gar nichts gekommen. „Deswegen war ich nicht wirklich begeistert von seiner Amtszeit“, ergänzte der 32-Jährige. Verbesserungen hatte auch schon Marcel Kittel angemahnt.

    Für viele Fahrer nimmt das Spektakel Überhand. Gefährliche Zielankünfte oder Abfahrten haben in der Vergangenheit wie bei der Tour de France für reichlich Stürze mit schlimmen Verletzungen gesorgt. Auch der Tross an Begleitfahrzeugen im Rennen ist manchem Profi zu groß. Erst im vergangenen Jahr war der Belgier Antoine Demoitié nach einer Kollision mit einem Begleitmotorrad gestorben, was bereits große Proteste im Peloton ausgelöst hatte.

    Am Dienstag, zwei Tage vor der Wahl, schob das Management Committee der UCI noch schnell eine Entscheidung in puncto Sicherheit nach. Künftig werden bei den drei großen Rundfahrten nur noch 176 statt bisher 198 Fahrer zugelassen. Damit dürfen die Teams bei Tour, Giro und Vuelta nur noch acht statt neun Fahrer für ihre Aufgebote nominieren. Das hatten die Veranstalter der Rundfahrten bereits selbst beschlossen, nun folgte auch die UCI. Außerdem werden in allen anderen Rundfahrten nur noch sieben statt acht Fahrer je Team zugelassen. Ob diese Entscheidung nun wirklich die Sicherheit maßgeblich verbessert, ist fraglich. So merkte der verhinderte BDR-Kapitän John Degenkolb bereits im Sommer an, dass durch eine derartige Entscheidung auch der ein oder andere Job als Rennfahrer auf dem Spiel stehe.

    Die Fahrer haben bei der Wahl aber keine Stimme. 45 Vertreter aus den Mitgliedsverbänden stimmen ab, Cookson glaubt an eine Mehrheit von 30 Stimmen. Dass Lappartients Wahlprogramm dem von Cookson ähnelt, dürfte dem Briten entgegen kommen. Zur Sicherheit hat er aber noch einmal Wahlkampf betrieben. „Vor vier Jahren drohte uns der Olympia-Ausschluss. Nun sind wir die drittgrößte Sportart mit vier neuen Disziplinen im Olympia-Programm. Vor vier Jahren wurde die Tour in Deutschland nicht im TV übertragen, nun wurde sie dort gestartet.“ Beim letzten Punkt dürften Martin und Co. aber darauf verweisen, dass eher ihre Erfolge ausschlaggebend waren.

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