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Berlin

Juristische Auseinandersetzungen um Jan Ullrich

dpa

Im Juni 2006 wurde Radprofi Jan Ullrich von seinem T-Mobile-Team suspendiert, weil er Kunde des mutmaßlichen Doping-Arztes Fuentes gewesen sein soll. Die Tour de France 2006 verpasste der gebürtige Rostocker. Gleichzeitig begann für ihn eine Tour durch die Gerichts-Instanzen.

Prozesserfahrung
Jan Ullrich hat einige juristische Auseinandersetzungen hinter sich.

Doping hat der Sieger der Frankreich-Rundfahrt von 1997 dabei stets bestritten.

30. Juni 2006: Einen Tag vor Beginn der Tour de France wird Ullrich von seinem Rennstall T-Mobile suspendiert, er soll in die Affäre um Eufemiano Fuentes verstrickt sein.

Juli 2006: Die Rechtsprofessorin Britta Bannenberg stellt bei der Staatsanwaltschaft Bonn Strafanzeige gegen Ullrich wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Ermittlungen werden eingeleitet. Zuvor hatte das T-Mobile-Team den Vertrag mit Ullrich gekündigt.

August 2006: Der Molekularbiologe und Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke behauptet, Ullrich habe 35 000 Euro für Dopingmittel an Fuentes bezahlt – ein Jahr später spricht er sogar von 120 000 Euro. Gegen die Behauptung erwirkt Ullrich eine einstweilige Verfügung vor dem Landgericht Hamburg.

September 2006: Die Pressekammer des Landgerichts Hamburg bestätigt in einem Urteil die einstweilige Verfügung. Franke kündigt an, in Berufung zu gehen.

Februar 2007: Ullrich gibt in Hamburg auf einer bizarren Pressekonferenz seinen Rücktritt bekannt. Er bestreitet weiter alle Doping-Vorwürfe.

April 2007: Nach einem DNA-Abgleich weist die Staatsanwaltschaft Bonn Blutbeutel, die bei Fuentes gefunden worden waren, eindeutig Jan Ullrich zu.

April 2008: Die Staatsanwaltschaft Bonn stellt die Ermittlungen gegen Ullrich wegen Betrugs ein. Im Gegenzug zahlt Ullrich 250 000 Euro an gemeinnützige Zwecke.

Mai 2008: Eine Untersuchungskommission der Uni-Klinik Freiburg stellt systematisches Doping beim Rennstall Telekom und dessen Nachfolge-Team T-Mobile zwischen 1993 und 2006 fest.

November 2008: Ullrich behauptet bei seinem ersten Auftritt vor einem deutschen Gericht in Düsseldorf, nie gedopt zu haben. Indes entscheidet das Oberlandesgericht, dass Ullrich von seinem früheren Teamchef Günther Dahms (Coast) noch 340 000 Euro Gehalt erhalten muss. Das Geld wurde ihm wegen Dopingverdachts vorenthalten. Dahms erstattet seinerseits Anzeige gegen Ullrich wegen übler Nachrede.

Juli 2009: Ullrich erklärt bei «Eurosport»: Radsport ist eine der saubersten Sportarten, weil es so viel Kontrollen gibt.

Februar 2010: In der Schweiz wird das Sportgerichtsverfahren gegen Ullrich, der im Nachbarland wohnt und die dortige Lizenz hatte, von der Dachorganisation Swiss Olympic eingestellt.

Juli 2010: Ullrich-Intimus Rudy Pevenage gibt zu, Reisen für seinen ehemaligen Schützling zu Fuentes nach Spanien organisiert zu haben.

13. August 2010: Das Landgericht weist eine Unterlassungsklage von Ullrich gegen Franke zurück. Die Kammer entschied, dass die Behauptung Frankes, Ullrich habe Geld für Doping bezahlt, als «wahr anzusehen sei».

Radsport
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