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    Ankara/Rheinland-Pfalz

    Spur führt in den Westerwald: Ditib-Imame spionieren für Türkei

    Imame der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) haben offenbar im Auftrag der türkischen Regierung in Deutschland spioniert. Die Geistlichen sammelten in ihren Moscheen Informationen über Anhänger des Predigers Fethullah Gülen.

    Foto: Screenshot www.ditib.de

    Von unserem Reporter Carsten Zillmann

    Auch zwei Imame (Gemeindevorsteher) aus dem Westerwald schickten Berichte an das türkische Generalkonsulat in Köln. Das meldete die türkische Zeitung "Cumhuriyet".

    Eine Kommission des türkischen Parlaments zur Aufklärung des versuchten Militärputsches vom 15. Juli sichtete Unterlagen von insgesamt 50 Auslandsvertretungen aus 38 Ländern. Drei davon stammen aus Düsseldorf, Köln und München. Das Dokument aus Köln enthält rund 20 Namen mutmaßlicher Gülen-Anhänger aus dem Westerwald - teilweise mit detaillieren Informationen zu Person und Wohnort. In einem Abschnitt heißt es beispielsweise: "X.Y.: Trat nach dem Putschversuch aus dem Vorstand der Moschee zurück. Ist ein Neffe des per Haftbefehl gesuchten A. A. Spielt eine Rolle bei den Spendensammlungen dieser Struktur zum Opferfest." Auf den Listen befinden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch viele deutsche Staatsbürger. Dazu kommen Informationen über Nachhilfevereine, die der Gülen-Bewegung nahestehen sollen.

    Ditib weist Vorwürfe zurück

    Ditib bestreitet, dass es eine Anweisung gibt, Informationen für den türkischen Staat zu sammeln. Der Bundesvorstand teilt mit, dass keine Berichte verfasst oder weitergegeben wurden: "Im Gegenteil: An alle Moscheen ist die klare Weisung gegangen, dass unsere Moscheen Orte der Spiritualität, nicht der Politik/Polemik sind." Dem widerspricht ein Dokument, über das zuerst die "Welt" berichtete. Das Schreiben, das auch unserer Zeitung vorliegt, stammt von der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Es trägt deren offizielles Wappen und Dienstsiegel. Darin heißt es: "Die Gemeinden werden im Folgenden aufgefordert, alles, was sie von und über die Terrorvereinigung Fetö hören, zu melden." Aus der Weisung geht zudem hervor, dass nicht nur die Konsulate in Düsseldorf, Köln und München Informationen gesammelt haben. Die Türkei betrachtet die Gülen-Bewegung (türkisch: Fetö) als Terrororganisation und macht sie für den Putschversuch verantwortlich.

    Dass Ditib-Imame von der Türkei bezahlt und als Beamte entsendet werden, ist länger bekannt. Auch die Predigten am Freitag stammen direkt aus Ankara und sind bindend. Ditib bestreitet aber stets eine politische Einflussnahme des Staates auf die Gemeinden in Deutschland. Der größte islamische Dachverband mit rund 1000 Moscheegemeinden ist fester Bestandteil der Islamkonferenz des Bundesinnenministeriums.

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    Die rheinland-pfälzische Landesregierung bemüht sich seit 2013, eine Art Staatsvertrag mit Ditib zu schließen, um den Verband als Partner für islamischen Religionsunterricht zu etablieren. Doch nach dem Militärputsch in der Türkei stellte die Landesregierung die Gespräche ein, weil Kritiker einen zu großen Einfluss des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf Ditib befürchteten. Das Land gab daraufhin ein rechtswissenschaftliches und ein religionswissenschaftliches Gutachten in Auftrag. Die Studien sollen Mitte 2017 vorliegen und die Frage nach der Verbindung zwischen Ditib und dem türkischen Staat klären. Gutachten aus den Jahren 2014 und 2015 hatten zwar Verquickungen erwähnt, gaben aber grünes Licht für die Verhandlungen.

    Die Landesregierung sieht sich nicht imstande, die neue Entwicklung kurzfristig einzuordnen. "Bewahrheiteten sich die geschilderten Fälle, hätte dies Einfluss auf die Bewertung der Unabhängigkeit von Ditib von der türkischen Regierung", teilte die Staatskanzlei mit und verwies auf die laufenden wissenschaftlichen Studien.

     

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