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    Die CDU nach der Wahl: Zurück zu den schwarzen Wurzeln?

    Viele Christdemokraten in Rheinland-Pfalz sind bedient. Noch immer sitzt der Schock tief über die unerwartete und überraschend deutliche Wahlniederlage gegen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). An eine Große Koalition will keiner so recht glauben. Zahllose Abgeordnete, Parteiverantwortliche und Mitglieder des Wahlkampfteams von Julia Klöckner (CDU) gönnen sich eine kleine Auszeit.

    In welche Richtung geht es? Muss die rheinland-pfälzische CDU zu neuen Ufern aufbrechen? Nach der Wahlniederlage werden Julia Klöckner und die Verantwortlichen in Partei und Fraktion auch über den Kurs reden müssen. Wie der Aufarbeitungsprozess aussehen wird, steht noch nicht fest.
    In welche Richtung geht es? Muss die rheinland-pfälzische CDU zu neuen Ufern aufbrechen? Nach der Wahlniederlage werden Julia Klöckner und die Verantwortlichen in Partei und Fraktion auch über den Kurs reden müssen. Wie der Aufarbeitungsprozess aussehen wird, steht noch nicht fest.
    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Die vergangenen Monate waren strapaziös. Zugleich schauen die ersten Christdemokraten nach vorn. Und fragen, was die CDU aus dem Debakel lernen kann. Wie sie zu neuer Stärke findet? Die Aufarbeitung der Wahlpleite hat gerade erst begonnen. Sie wird Zeit brauchen.

    Der Rückhalt für Oppositionschefin Julia Klöckner ist nach wie vor groß. Nicht nur weil die CDU derzeit keine personelle Alternative hat. Sondern auch weil in der Partei anerkannt wird, wie hart die CDU-Spitzenkandidatin gekämpft hat. Julia Klöckner schonte niemanden, am wenigsten sich selbst. Ihr Pensum war enorm. Die Christdemokraten befanden sich bis zum Schluss auf der Siegerstraße. Selten zuvor ist die CDU derart geschlossen in den Wahlkampf gegangen. Dennoch mündete all das Engagement in eine herbe Niederlage. Auch für Klöckner. Darüber wird man reden müssen.

    Externe Faktoren

    Natürlich gab es Faktoren, die die CDU gar nicht beeinflussen konnte: Der Streit in der Union über die Flüchtlingskrise hat ihr geschadet; das Erstarken der AfD sowieso; und auch die ungebrochene Beliebtheit von Malu Dreyer, die ein denkbar unangenehmer Gegner war. Dennoch werden die Christdemokraten herausfinden müssen, wo ihr eigener Anteil lag.

    Eine der Fragen, die nun gestellt werden: Muss die CDU wieder konservativer werden? Muss sie zurück zu ihren schwarzen Wurzeln? Muss ihr die Bundeswehr wieder wichtiger werden? Die innere Sicherheit? Eine Bildungs- und Familienpolitik, die auf christlichen Grundwerten basiert? Sollte die katholische Soziallehre eindeutiger zur Richtschnur des politischen Handelns werden? Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Wehrpflicht abgeschafft, den Ausstieg aus der Atomkraft eingeleitet und den Mindestlohn mitgetragen. Nicht nur Christdemokraten in Rheinland-Pfalz fragen, was vom Markenkern der CDU nach dieser Rundum-Modernisierung, in der viele eine Sozialdemokratisierung sehen, geblieben ist. Ob sich die einstigen Stammwähler der CDU bei ihrer Partei überhaupt noch zu Hause fühlen? Bei der Landtagswahl haben 50.000 Bürger, die vor fünf Jahren noch für die Christdemokraten votiert hatten, diesmal für die AfD gestimmt. Diese wird die CDU zurückerobern wollen. Nur wie?

    Und auch die starke Fixierung auf die Kommunikation über soziale Netzwerke und Onlineportale sehen manche Christdemokraten kritisch. "Menschen überzeugt man am ehesten, wenn man mit ihnen spricht", heißt es da. "Und zwar direkt und unmittelbar." Vielleicht hätte die CDU im Wahlkampf tatsächlich mehr Klinken putzen müssen, ganz traditionell.

    Zudem haben die Facebook-Welten die Tücke, dass sie selbstreferenziell sind. Das heißt: Man bewegt sich in einer virtuellen Blase und bestätigt sich ständig gegenseitig. Das kann den Blick auf die Wirklichkeit verstellen. Es fehlt der Dialog mit Andersdenkenden.

    Mehr Köpfe, mehr Kontur

    Ein anderer Punkt: Muss sich die CDU künftig mit mehr Köpfen aufstellen, statt alles auf eine Spitzenkandidatin zu setzen? Wer hat in der CDU überzeugend für Wirtschaft gestanden? Wer hat in der Sozialpolitik Flagge gezeigt? Für all dies gibt es Fachleute. Doch sie waren kaum sichtbar. Die Christdemokraten hatten trotz eines riesigen Kompetenzteams eigentlich nur Julia Klöckner im Angebot. Wer sich von ihr nicht angesprochen fühlte, fühlte sich von der gesamten CDU nicht mehr angesprochen.

    Julia Klöckner hat die Partei geeint. Der nächste Schritt wäre, dass sie wieder diskursfreudiger wird. Intern geschieht dies schon recht häufig. Von diesem Prozess darf aber ruhig mehr nach außen dringen. Das hat den Vorteil, dass Julia Klöckner nicht alles überstrahlt. Auch andere Christdemokraten können sich wahrnehmbar positionieren. Eine starke und loyale Partei hält eine gewisse Vielfalt aus. Pluralität und Streitkultur sind gelebte Volkspartei.

    Schließlich ist weniger manchmal mehr. Selbst Christdemokraten fühlten sich von der Flut an Wahlkampfmaterialien überfordert, mit denen die Parteizentrale Rheinland-Pfalz überschwemmte. "Manche hatten uns einfach über", so ein Parteimitglied. Zudem war die CDU zwei Wochen vor Wahlende ausmobilisiert. Die SPD drehte in dieser entscheidenden Phase noch einmal auf. Die Christdemokraten hatten nichts nachzulegen.

    Julia Klöckner selbst wird sich fragen müssen, warum sie für viele Wähler nicht greifbar wurde. Sie wirkte oftmals zu perfekt, zu gestylt, selbst ihre radikale Gewichtsreduktion befremdete zuweilen. Es steht eigentlich niemandem an, über eine derart persönliche Entscheidung zu urteilen. Aber es war tatsächlich Thema in diesem Wahlkampf, besonders bei den weiblichen Wählern.

    Einfach sie selbst sein

    Die Christdemokratin muss ganz sicher nicht noch einmal ihr Image ändern. Das haben wir bereits erlebt. Vielleicht reicht es einfach, etwas mehr sie selbst zu sein. Mit Ecken und Kanten, einfach Klöckner pur. Die Rheinland-Pfälzer wissen gern, mit wem sie es zu tun haben. Wen man kennt, dem vertraut man leichter. Und viele Bürger hatten offenbar das Gefühl, eigentlich nur Malu Dreyer zu kennen.

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