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Mainz

Das Land hilft ehemaligen Heimkindern

Rheinland-Pfalz stellt knapp 3,3 Millionen Euro für die Entschädigung ehemaliger Heimkinder bereit.

Rheinland-Pfalz – Sie wurden geschlagen, gedemütigt, missbraucht: ehemalige Heimkinder, denen das Land Rheinland-Pfalz jetzt finanziell, materiell und psychologisch unter die Arme greift. Knapp 3,3 Millionen Euro sollen das Leid der Betroffenen lindern. Familienministerin Irene Alt (Grüne): „Wir können keine Wiedergutmachung leisten, aber vielleicht gelingt es uns, Folgeschäden abzumildern.“

Zwischen 1949 und 1975 lebten im Bundesgebiet 700 000 bis 800 000 Kinder in Heimen, bis zu 40 000 in Rheinland-Pfalz. Viele Kinder wurden Opfer menschenunwürdiger Erziehungsmethoden, von Misshandlungen, Schlägen oder sexuellem Missbrauch. In den Heimen mussten sie ohne Entgelt arbeiten. Für ihre Sozialversicherung wurde nicht gesorgt.

Zahlreiche Opfer sind bis heute traumatisiert, können nur schwer über das erlittene Unrecht reden. Als Wiedergutmachung hatte der 2009 eingerichtete Runde Tisch zur Heimerziehung den Aufbau eines Entschädigungsfonds in Höhe von 120 Millionen Euro gefordert. Bund, Länder und die Kirchen zahlen jeweils ein Drittel der Gesamtsumme. Das Land Rheinland-Pfalz bringt in den nächsten fünf Jahren 2,3 Millionen Euro ein. Damit werden Opfer etwa für entgangene Rentenansprüche entschädigt. Dabei kommen leicht mehrere tausend Euro pro Fall zusammen. Daneben werden Therapien bezahlt, Hilfen für den Alltag gewährt: ein Rollstuhl, eine besondere Matratze oder spezielle Schuhe.

Mit weiteren 975 000 Euro wird eine Anlauf- und Beratungsstelle finanziert. Dort will man aktiv auf die Opfer zugehen. Zudem soll das Schicksal der rheinland-pfälzischen Heimkinder aufgearbeitet werden – auch in einem überparteilichen Beirat. Weiterer Punkt: Die 5500 Kinder und Jugendliche, die heute im Land in Heimen leben, werden besser geschützt. Sie sollen sich künftig an Beschwerdestellen wenden können. Zudem verbessert das Land sein pädagogisches Fortbildungsangebot.

Ehemalige Heimkinder können sich in Rheinland-Pfalz an das Landesjugendamt wenden. Telefon: 06131/967290. Eine Internetseite ist in Vorbereitung.

Von unserem Redakteur Dietmar Brück

Runder Tisch Heimerziehung

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