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    Limburg

    Besuch beim Limburger Bischof: Die Türen sind nicht leicht offen zu halten

    Maria Weiß applaudiert. Andere beginnen ebenfalls zu klatschen: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat den Konferenzraum betreten. Nicht alle Teilnehmer der Führung durch das umgebaute Bischöfliche Vikariat schließen sich dem Beifall an - doch kritische Fragen und negative Äußerungen wird es kaum geben.

    Das Interesse an der neuen Residenz des Limburger Bischofs war beim Tag der offenen Tür groß.
    Das Interesse an der neuen Residenz des Limburger Bischofs war beim Tag der offenen Tür groß.
    Foto: dpa

    Von unserer Redakteurin Katrin Maue-Klaeser

    Mit der zehnstündigen Öffnung des neu gestalteten Bischofssitzes für kleine Gruppen interessierter Besucher wirken Tebartz-van Elst und seine Sprecher dem entgegen, was viele Gläubige als größtes Manko der teuren Baumaßnahme empfinden: Sie beklagen dürftige Öffentlichkeitsarbeit.

    Von der Empfangshalle über das Büro des Bischofs bis zur Kapelle werden viele Räume gezeigt. Die Türen werden von den Gästeführern, den beiden Bistumssprechern Manuel Gall und Stephan Schnelle, geöffnet. Halten die Besucher sie nicht selbst offen, fallen sie rasch wieder zu. Vielleicht ist dies auch das beste Bild für das Verhältnis zwischen dem Oberhirten und seiner Herde: Er geht - auch im Anschluss an den Rundgang - durchaus offensiv und freundlich auf sie zu, doch den Kontakt zu halten, fällt offenbar beiden Seiten schwer.

    Wohlwollende Blicke sind es zumeist, die über moderne Bauteile wie über restaurierte Objekte streifen. "Ich wollte mir selbst einen Eindruck verschaffen, um in den vielen Gesprächen zu dem Thema etwas sagen zu können", erklärt Brigitte Wagner. Die frühere Mitarbeiterin des Ordinariats wird oft angesprochen, weil Bekannte erwarten, dass sie Bescheid weiß. Wagner empfindet die Bauten als "einem Bischof angemessen". Sie betont: "Es ist keinesfalls prunkvoll, es ist edel." Auch die Kapelle, die in ihrer schwarzen Schieferverkleidung aus dem Ensemble hervorsticht, findet ihre Zustimmung: "Ich habe mir das abends angeschaut, die Silhouette bildet mit dem Diözesanmuseum eine Einheit."

    Mit der Kapelle hat auch Helmut Hanke aus Bad Camberg seinen Frieden gemacht: "Sie ist ja gar nicht für den Bischof allein, auch Bedienstete und Gäste dürfen sie nutzen." Ein solches Bauwerk solle Bestand haben für die nächsten 100 Jahre, damit müsse auch ein gewisser Eindruck gemacht werden. Die Kombination alter und neuer Elemente findet Hanke "wunderbar", von Protz möchte er nicht sprechen.

    "Das klang aber eben in der Empfangshalle noch anders", widerspricht ihm ein groß gewachsener weißhaariger Mann: "Diese Doppelsäulen, das ist doch protzig, und das haben Sie eben auch noch gesagt." Das Pfarrgemeinderatsmitglied aus einer nahe Limburg gelegenen Gemeinde hat kein Verständnis dafür, dass andere engagierte Gemeindeglieder und er das eigene Gotteshaus zu den Feierlichkeiten des 50-jährigen Bestehens mit selbst bezahlter Farbe in Eigenleistung anstreichen mussten, weil das Bistum unter dem Stichwort "Sparen und Erneuern" sämtliche Finanzhilfe verweigerte - wenn andererseits am Bischofssitz so "überdimensioniert" ausgebaut werde. "Ich bin eben sehr durch die Gemeinde geprägt", sagt er dann.

    Die Gemeinde stellt auch Gerhard Krah ins Zentrum seiner Erwartungen an den Bischof: "Er muss mehr auf die Menschen zugehen, das vermisse ich bisher", sagt der 77-jährige Limburger, der mehr als 40 Jahre lang Ministrant unter vier Bischöfen war. Das Motto "Ich diene" sei ihm bislang bei Tebartz-van Elst nicht häufig genug begegnet. Er selbst hatte als Mitglied des Pfarrgemeinderats schon häufiger Gespräche mit dem Bischof - auch kontroverse. Doch an Einsicht fehle es dem Oberhirten hier und da.

    Krahs Schulkameradin Maria Weiß fragt: "Na, verteidigst du deinen Bischof?" Im Zwiegespräch der beiden wird klar, wie unterschiedlich Tebartz-van Elst auch im Kreis engagierter Katholiken wahrgenommen wird. Krah fordert weniger Repräsentation und mehr Gemeinschaft. Maria Weiß sammelt seitenweise Unterschriften derer, die sich mit dem Bischof solidarisch erklären. Auch so spendet sie ihm Beifall.

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