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Rheinland-Pfalz

Aufsteiger mit Umsicht und Aussichten: Der talentierte Herr Fernis

Man kann den rheinland-pfälzischen Liberalen schwerlich vorwerfen, dass sie jungen Leuten keine Chance geben. Der Landtagsabgeordnete Steven Wink, FDP-Obmann in der Enquete-Kommission Tourismus, zählt erst 33 Jahre. Der jugendlich wirkende Gitarrist und Wirtschaftsstaatssekretär Andy Becht ist gerade mal 43. Und sein Parteifreund Manuel Höferlin, Digitalexperte sowie Ex-Bundestagsspitzenkandidat, wurde nur ein Jahr vor ihm geboren. Und dann ist da noch der 35-jährige Justizstaatssekretär Philipp Fernis, der die meisten Karrierechancen in der jungen liberalen Riege haben dürfte. Ein Aufsteiger mit Umsicht und Aussichten.

Kein Juli-Parteitag ohne ihn

Justizstaatssekretär Philipp Fernis gilt als Zukunftshoffnung der FDP  im Land.  Foto: dpa
Justizstaatssekretär Philipp Fernis gilt als Zukunftshoffnung der FDP im Land.
Foto: dpa

Fernis' Erfolgsrezept könnte seine Ausdauer sein. Obwohl er der jüngste Staatssekretär in der Landesregierung ist, hat er bereits eine lange Parteierfahrung. In nahezu 20 Jahren hat er sich eine Machtbasis bei den Jungen Liberalen – und damit in der gesamten FDP – aufgebaut. Philipp Fernis ist der, der immer da war. Einen Juli-Landesparteitag konnte man sich ohne den einnehmenden Mann aus dem Kreis Bad Kreuznach kaum vorstellen.

Bereits als Schüler amtierte er als Beisitzer im Landesvorstand der Jungen Liberalen, später stieg er zum stellvertretenden Juli-Landesvorsitzenden auf. Wer so lange wie Fernis auf der Landesebene aktiv ist, kennt einflussreiche Liberale über mehrere Generationen hinweg. Das Netzwerk des Jungtalents gehört zu den besten seiner Partei. So dürfte auch FDP-Landesparteichef Volker Wissing auf den Juristen aufmerksam geworden sein. Nur so erklärt sich, dass er Karriere machen konnte, ohne jemals für ein wichtiges kommunalpolitisches Amt zu kandidieren. Und nur so wird nachvollziehbar, wie jemand im Mai 2016 im Alter von nur 33 Jahren den Sprung vom Referatsleiter im Statistischen Bundesamt zum Justizstaatssekretär schaffen konnte.

„Ich war dankbar für das Vertrauen“, blickt Fernis aus Vietnam, wo er sich derzeit privat aufhält, auf seine Ernennung zum Staatssekretär zurück. „Ich lerne jeden Tag hinzu“, sagt er, „und wünsche mir, dass das immer so bleibt.“

Hochzeitsreise nach Vietnam

Nachdem Philipp Fernis am 21. Dezember geheiratet hat, bereist er mit seiner frisch gebackenen Ehefrau den südostasiatischen Küstenstaat. Als die Ferien in der sozialistischen Republik geplant wurden, ahnte seine Angetraute noch nicht, dass Fernis einen Heiratsantrag im Sinn hatte. So wurde eine Urlaubsreise am Ende zur Hochzeitsreise. Auch das ist ein Talent des liberalen Politikers: Er denkt gern einen Schritt voraus.

Inzwischen ist er das jüngste Schwergewicht seiner Partei. Sollten die Liberalen auch in der nächsten Legislaturperiode regieren, könnte er Justizminister werden. Amtsinhaber Herbert Mertin dürfte kaum zu einer weiteren Amtszeit zu überreden sein. Dessen Mission, den aufgewühlten Justizapparat zu beruhigen, hat der in Chile geborene Politiker bis 2021 längst erfüllt.

Fernis, ein Enkel des Historikers und Schulrektors Hans-Georg Fernis, der einst den Geschichtsunterricht geprägt hat, ist Ansprechpartner für junge Parteifreunde, die in ihm einen Anwalt für das eigene Fortkommen sehen. Dabei definiert sich Fernis' parteiinterner Marktwert auch über den Vorsitz des FDP-Bezirksverbandes Eifel-Hunsrück. Zudem sitzt er seit sechs Jahren im Landesvorstand. Ein Zwischenschritt? Vielleicht – aber für die nächsten Jahre wird Parteichef und Wirtschaftsminister Volker Wissing wohl unverzichtbar bleiben, was seine Autorität in der Landespartei betrifft.

Zudem hat Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt die Rolle der liberalen Kronprinzessin inne. In Höhenlagen wird die Luft eben dünn. Das gilt auch für Senkrechtstarter wie Philipp Fernis. Er sei arroganter geworden, heißt es vereinzelt in der FDP. Andere behaupten das Gegenteil: Fernis gehöre nach wie vor zu den Liberalen, die ohne Dünkel nahezu mit jedem ins Gespräch kämen.

Politisiert hat sich der heute 35-Jährige übrigens über die Terroranschläge am 11. September 2001 in New York. Danach hat er viel darüber nachgedacht und diskutiert, wie Freiheitsrechte angesichts einer solchen Bedrohung interpretiert und geschützt werden können. Die Vorratsdatenspeicherung ist da nur ein Stichwort. Nun kann er als Justizstaatssekretär bei all diesen Debatten selbst ein Wörtchen mitreden. Und wie sein Großvater vielleicht irgendwann ein Stück Geschichte schreiben.

Von unserem Redakteur Dietmar Brück
Landespolitik
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