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    Schädling aus Ostasien: Buchsbaum-Alarm im Land

    Die Gärtner im Land sind in Alarmstimmung. Der gefürchtete Buchsbaumzünsler macht sich jetzt auch über die Büsche und Hecken im Norden von Rheinland-Pfalz her. Der milde Winter hat dafür gesorgt, dass sich der aus Ostasien stammende Schädling entlang der warmen Flussebenen und Weinlagen weiter verbreitet hat - den Rhein entlang über Mainz und Bingen bis in die nördlichen Kreise Ahrweiler und Neuwied. Das bestätigte Werner Ollig, Leiter der Gartenakademie Rheinland-Pfalz in Neustadt.

    Von unserem Redakteur Manfred Ruch

    "Wir haben schon im vergangenen Jahr damit gerechnet", sagte der Experte im Gespräch mit unserer Zeitung. Bislang waren Schäden durch den Buchsbaumzünsler vor allem aus dem Süden des Landes gemeldet worden. Doch am Wochenende machten Meldungen vom Buchsbaumbefall auch in den nördlichsten Regionen von Rheinland-Pfalz die Runde.

    Schon seit mehreren Jahren hat es sich der Buchsbaumzünsler in den südlichen Gefilden von Rheinland-Pfalz bequem gemacht. "Die fangen mit den wärmsten Orten an", erklärte Ollig die bisherigen Befunde. So sind auch in den einschlägigen Portalen bis zum Jahr 2013 ausschließlich Meldungen aus Kandel, Landau und anderswo im südlichen Südwesten verzeichnet.

    Das hat sich jetzt schlagartig geändert. Begünstigt wurde dies durch einen Winter, der keiner war und den sogar erwachsene Falter überlebt haben. Das Ergebnis kann man an vielen Buchsbäumen sehen. Die grün-gelben Raupen befinden sich bereits in einem weit entwickelten Stadium: Sie sind jetzt bereits vier bis fünf Zentimeter lang - und haben erheblichen Appetit. Innerhalb kürzester Zeit fressen sie den befallenen Buchsbaum kahl, er ist oftmals nicht mehr zu retten.

    Das Gemeine daran: Oftmals ist der Befall nur schwer erkennen. Die Raupe frisst zunächst im Verborgenen. Der Befall kommt für viele Gärtner überraschend - man entdeckt ihn oft erst, wenn auch von außen deutliche Fraßspuren oder Spinnfäden zu sehen sind. Deswegen rät Experte Ollig von der Gartenakademie zu ständiger Kontrolle. Man muss schon genauer in das Buschwerk hineinsehen. Oder man schüttelt den Buchsbaum kräftig. "Dann sieht man, was da rausfällt."

    Ein Glas voll Raupen sammelte Buchsbaumbesitzerin Stefanie Kasper aus Sinzig in ihrem Garten. 
    Ein Glas voll Raupen sammelte Buchsbaumbesitzerin Stefanie Kasper aus Sinzig in ihrem Garten. 
    Foto: Steffi Kasper

    Die erste Generation des Buchsbaumzünslers in diesem Jahr dürfte bald durch sein. In den höher gelegenen Regionen von Eifel, Hunsrück und Westerwald hingegen werden die Buchsbäume momentan wohl noch verschont. Aber das kann sich schon im nächsten Jahr ändern. Viel Hoffnung, die Schädlingswelle aufzuhalten, haben die Experten ohnehin nicht. Auch die gesonderte Entsorgung von Grünabfällen der erkrankten Buchsbäume wurde mittlerweile ad acta gelegt. "Das würden die Kommunen gar nicht mehr schaffen", weiß Ollig. Wer also seinen Buchsbaum mit einem radikalen Rückschnitt retten möchte, der kann die Grünabfälle ganz normal mit dem Biomüll entsorgen.

    Oftmals bleibt ohnehin nichts anderes mehr als die Entfernung der gesamten befallenen Pflanzen. Mancher Buchsbaumbesitzer mag sich allerdings mit diesem Schicksal nicht abfinden. Mit Hochdruckreiniger und biologischen Mitteln wie Niemöl oder dem Bacillus thuringiensis besteht durchaus die Chance, dem zerstörerischen Zünsler auf die Pelle zu rücken. Der dauerhafte Erfolg ist allerdings ungewiss.

    Verschwindet also der Buchsbaum aus unseren Gärten? "Die Welt geht nicht unter, und der Buchsbaum wird nicht sterben", glaubt Ollig. Irgendwann wird man ein Gegenmittel entwickeln oder einen Nützling entdecken, der dem Treiben des Buchbaumzünslers Einhalt gebietet. Die Forschung läuft auf Hochtouren. Bis dahin würde sich Ollig keinen neuen Buchsbaum in den Garten setzen, sondern zu Alternativen greifen wie Eibe, Liguster, Scheinzypresse oder Ilex. Vermutlich ein schwacher Trost für Buchsbaumfreunde.

    Mehr zum Schadensbild und den Möglichkeiten der Bekämpfung unter  www.hortipendium.de/Buchsbaumzünsler

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