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Rheinland-Pfalz

Aschermittwoch: Mainzer OB-Wahl prägt politischen Schlagabtausch

Landespolitiker machen gern Bundespolitik. Vor allem, wenn sie – wie am politischen Aschermittwoch – so richtig in die Vollen gehen können. Doch dieses Jahr war vieles anders. Gut zwei Wochen vor der Wahl des neuen Mainzer Oberbürgermeisters am 11. März drehte sich (fast) alles um den Wahlkampf in der Landeshauptstadt.

CDU-Landeschefin Julia Klöckner
Politischer Aschermittwoch: Die CDU-Chefin in Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner, geht wieder in die Vollen. Ein Hauptthema: die OB-Wahl in Mainz.
Foto: DPA

Rheinland-Pfalz. Landespolitiker machen gern Bundespolitik. Vor allem, wenn sie – wie am politischen Aschermittwoch – so richtig in die Vollen gehen können.

Doch dieses Jahr war vieles anders. Gut zwei Wochen vor der Wahl des neuen Mainzer Oberbürgermeisters am 11. März drehte sich (fast) alles um den Wahlkampf in der Landeshauptstadt. Wobei CDU-Landeschefin Julia Klöckner sichtlich bemüht war, dem christdemokratischen Kandidaten Lukas Augustin den Rücken zu stärken.

Klöckner stellte ihn als ehrliche Alternative zu den bisherigen Favoriten Michael Ebling (SPD) und Günter Beck (Grüne) dar. „Wir brauchen Solidität statt Showtalent“, rief sie Hunderten von Anhängern im Frankfurter Hof zu. Die Christdemokratin prangerte vor allem die hohe Verschuldung in Mainz und im gesamten Land an. Klöckner: „Die Schulden, die heute gemacht werden, sind schwere Steine in dem Rucksack, den die nachfolgenden Generationen zu tragen haben.“ Auch deswegen plädierte sie für einen seriösen, sachorientierten Politikertyp wie Augustin.

Beck und Ebling warf sie vor, jenes System gestützt zu haben, von dem sie sich jetzt distanzieren. Der frühere OB Jens Beutel (SPD) musste nach zahlreichen Skandalen zurücktreten, bei denen ihm Vorteilsnahme unterstellt worden war. Beutel weist diese Vorwürfe bis heute zurück. Klöckner wiederum spottete über den Slogan des Grünen Beck: „Holt Euch Eure Stadt zurück.“ Das könne allenfalls Selbstkritik sein, so die CDU-Chefin, „schließlich haben Beck und Ebling den alten Oberbürgermeister mitgetragen.“ Eblings Markenzeichen „ME“ deutete sie keck in „Mauscheln erlaubt“ um. Augustin liegt in Umfragen eher hinten.

Dem grünen OB-Kandidaten Günter Beck war der CDU-Kandidat so gut wie keine Erwähnung wert. Er fragt sich ohnehin, ob die Christdemokraten den Wahlkampf schon eingestellt haben. Seine politischen Spitzen richtete er im Kulturclub „schönschön“ gegen Michael Ebling. Beck sinngemäß: „Ich freue mich, wenn Ebling mir als Erster gratuliert – zu meinem Wahlsieg.“

Der SPD-Kandidat und derzeitige Staatssekretär im Bildungsministerium konterte parallel im Mainzer Schloss. Für einen Vergleich Becks mit Jockel Fuchs hatte er nur Hohn übrig: „Gut, dass das Jockel Fuchs niemand auf dem Zentralfriedhof vorgelesen hat. Er hätte im Grab zu rotieren begonnen.“ Auch Ebling streifte den CDU-Mann Augustin nur kurz.

Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) plädierte vehement für eine Transaktionssteuer. Wetten auf das Überleben eines Unternehmens nannte er eine „Sauerei“. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte er auf, „ihren Kuschelfreund“, gemeint war der Pariser Staatspräsident Nikolas Sarkozy, zu einem gemeinsamen Vorgehen zu bewegen. Grünen-Fraktionschef Daniel Köbler indes arbeitete sich an Klöckner ab: „Sie hat zu allem eine Meinung, egal welche.“ Und mit Blick auf den Nürburgring meinte er gönnerhaft zur SPD: „Wir nehmen die SPD jetzt an der Hand und helfen ihr aus dem Schlamassel raus.“

Von unserem Redakteur Dietmar Brück

Panorama
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