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    Legende auf Rekordjagd: Björndalen wieder «König Ole»

    Krasnaja Polanja (dpa) – Ole Einar Björndalen verzog keine Miene als er nach seinem Gold-Coup gefragt wurde, wie lange er denn noch weitermachen wolle.

    Legende
    Ole Einar Björndalen sorgte mit seiner siebten Goldmedaille für Furore.
    Foto: Filip Singer – DPA

    Der 40-jährige Norweger mit ernsthaftem Gesichtsausdruck: «Wenn Oslo die Olympischen Spiele 2022 bekommt, will ich dabei sein.» Später, auf dem Weg zur Dopingkontrolle, lächelte der siebenmalige Olympiasieger, zupfte an seiner babyblauen Mütze und stellte mit seinem ihm ureigenen trockenen Humor fest: «Aber nicht als Biathlet.»

    «König Ole» ist längst eine Legende – und seit seinem furiosen Sprint-Sieg nun auch der Älteste, der bei Olympischen Winterspielen je einen Einzelwettbewerb gewonnen hat. Im Verfolgungsrennen am Montag wird der Rekordweltmeister bei seinen sechsten Olympischen Spielen mit 1,3 Sekunden Vorsprung vor dem Österreicher Dominik Landertinger und dem Tschechen Jaroslav Soukup die nächste Bestmarke angreifen.

    Dann könnte der Ausnahmekönner mit seinem achten Olympia-Gold – das erste gewann er vor 16 Jahren in Nagano ebenfalls im Sprint – und der 13. Medaille seinen Landsmann Björn Daehlie (achtmal Gold, viermal Silber) als erfolgreichsten Winter-Olympioniken ablösen. Der ehemalige Langläufer ist sich sicher: «Er wird meine Rekorde knacken. Er ist ein Phänomen», sagte er der norwegischen Zeitung «VG» Björndalen gab die Komplimente zurück: «Für mich ist Björn einer der allergrößten Stars in Norwegen und im Wintersport in der Welt.»

    Nicht nur in Norwegen wurde Björndalens Sieg mit Staunen, aber auch überschwänglich gefeiert. «Es sollte anatomisch und physiologisch nicht möglich sein, dass ein Mann in seinem Alter der Schnellste ist», stellte der Sporthistoriker Tom A. Schanke in der «Aftenposten» fest. IOC-Präsident Thomas Bach kommentierte ungläubig: «Chapeau. Das ist wirklich beeindruckend. Jeder hat gedacht, es ist vorbei für ihn und jetzt das.» Der Sender TV2 krönte Björndalen zum «historischen Helden», die «Los Angeles Times» nannte ihn «den Größten».

    Der Biathlon-Oldie, der 2012 seinen bisher letzten Weltcup-Sieg feierte, war der lachende Dritte bei dem im Vorfeld zum Giganten-Gipfel ausgerufenen Duell zwischen Weltcup-Spitzenreiter Martin Fourcade und seinem Verfolger Emil Hegle Svendsen. «Er ist eine Legende», sagte Fourcade. Wie die beiden Dominatoren der vergangenen WM spielten auch die deutschen Skijäger im Olympia-Sprint nur Nebenrollen. Simon Schempp war als 15. der Beste. Der Überraschungschampion selbst reagierte für seine Verhältnisse fast schon euphorisch: «Es war ein langer Weg zurück. Es hat mich viel Energie und Kraft gekostet, aber nun ist es geschafft, und es ist schön.»

    Björndalen ist ein positiv Besessener, getrieben von Erfolg. «Es ist wie eine Sucht», sagt er über seinen Antrieb. Einmal schlief er in einem Hotel in Antholz zwei Wochen im unbequemen Vorraum einer Sauna, weil die Zimmer ausgebucht waren. Björndalen wollte wegen der Höhenlage aber unbedingt in dieser Unterkunft und keiner anderen übernachten, verzichtete dafür auf jeden Komfort.

    Er trinkt keinen Alkohol, schüttelt keine Hände, hat immer Desinfektionsmittel und einen Staubsauger dabei. Björndalen tut alles für den Erfolg. Und der gibt ihm mit nunmehr sieben Olympiasiegen, zwölf olympischen Medaillen, 19 WM-Titeln, sechs Weltcup-Gesamtsiegen und 94 Weltcup-Siegen recht. Spitznamen wie «Kannibale» oder «Außerirdischer» erscheinen da nur logisch.

    Dabei drohte die Karriere der Biathlon-Ikone glanzlos zu Ende zu gehen. 2012 trennte er sich von seiner Ehefrau Natalie Sander, verhob sich an einem Holzklotz im Wald und hatte Probleme mit der Bandscheibe. «Ich hatte schwere Jahre und ein paar Probleme. Aber meine Motivation war größer. Und ich werde auch in Zukunft weiterkämpfen, wenn es die Gesundheit zulässt», erklärte Björndalen. «Halbe Sachen gibt es bei mir nicht. Ich werde alles tun, was zum Erfolg notwendig ist.»

    Björndalen ist nach wie vor ein Perfektionist. Deshalb hat er sich vor dieser Saison auch zwei Wohnmobile gekauft. In denen schläft er während der Trainingslager und Weltcups, um Fahrzeiten zu sparen und schneller zu regenerieren. Seit Jahren engagiert er auf eigene Kosten den Mentaltrainer Oyvind Hammer. Die Investitionen haben sich ausgezahlt. «Dieses Gold», sagte Björndalen, «ist mir sehr wichtig.»

    Olympia 2016 in Rio - Topnews
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