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    Das Geschäftsmodell klingt auf den ersten Blick paradox: "Unsere Kunden lernen im Lauf der Zeit, unser Angebot immer seltener zu nutzen", sagt Martin Trillig, und es schwingt durchaus Stolz mit bei dieser Feststellung.

    Foto: Bernd Eßling

    Mainz - Das Geschäftsmodell klingt auf den ersten Blick paradox: "Unsere Kunden lernen im Lauf der Zeit, unser Angebot immer seltener zu nutzen", sagt Martin Trillig, und es schwingt durchaus Stolz mit bei dieser Feststellung.

    Natürlich verdient die Carsharing-Firma "book-n-drive" an jeder Fahrt, die einer der 840 registrierten Mainzer Kunden mit einem der 40 Autos unternimmt, die an 16 Stationen im Stadtgebiet auf ihre bedarfsgerechte Nutzung warten. Andererseits: "Ich habe keine Angst davor, dass irgendwann zu wenig Leute Autos nutzen", sagt der 40-jährige Marketing-Leiter. "Eine GmbH kann schließlich Gewinn erwirtschaften und trotzdem einen Nutzen für Alle schaffen."

    Und der Nutzen durch weniger Autos auf den Straßen sei enorm, ist der Darmstädter überzeugt. "Wir gewinnen dadurch einfach Platz. Platz für Kinder, Platz zum Leben." Vor sieben Jahren hängte der Betriebswirt seinen Job als Investment Banker an den Nagel, wollte sich eine Arbeit suchen, "die Sinn macht, die ich vor mir vertreten kann".

    Diese Arbeit fand er bei "book-n-drive", der im Jahr 2000 gegründeten Carsharing-Firma im Rhein-Main-Gebiet, deren Kunde er selbst seit 2002 war, und die sich - auch dank der Kooperation mit Flinkster, dem Carsharing-Ableger der Deutschen Bahn - praktisch alleine auf dem Mainzer Carsharing-Markt tummelt. Damals nutzte er das Angebot, weil er sich ganz rational ausgerechnet hatte, dass sich einzig wegen der wöchentlichen Fahrten zur Familie nach Dieburg ein eigenes Auto nicht lohnte. Mit den Jahren erwuchs daraus eine richtige Lebenseinstellung.

    "Bekommt man eine Rechnung für jede einzelne Autofahrt, wird man sich der Kosten bewusster, handelt bewusster und ändert seine Gewohnheiten", hat Trillig wie bei seinen Kunden auch an sich selbst festgestellt. Geht lieber mal zu Fuß oder fahrt mit dem Bus, kauft im kleinen Laden um die Ecke ein.

    Und auch wenn eine gelieferte Wasserkiste teurer sei als die selbst geholte: "Rechne ich die Kosten für die Autofahrt ein, kommt es aufs Gleiche raus", sagt Trillig, der trotz vierköpfiger Familie nach wie vor kein eigenes Auto hat. "Zusätzlich spare ich mir die Zeit fürs Einkaufen und das Schleppen in den vierten Stock. Und ich sichere Arbeitsplätze."

    Zehn Prozent Zuwachs im Jahr

    Ein bewusster, nachhaltiger Lebensstil, der immer mehr Zuspruch findet - vor allem bei gebildeten, gut verdienenden Leuten um die 40. "Die Zahl unserer Kunden steigt jedes Jahr um zehn Prozent", berichtet Trillig.

    Jeder einzelne von ihnen aber nutze das Auto immer seltener. "Dass ein Fahrzeug mittlerweile nicht mehr für 20, sondern für 30 Kunden reicht, bestätigt unsere Arbeit", sagt Trillig.

    Nicht über eine stärkere Nutzung der Flotte will "book-n-drive" folglich auf Expansionskurs gehen. "Vielmehr wollen wir im Rhein-Main-Gebiet eine vollwertige Alternative zum eigenen Auto schaffen", sagt Trillig.

    In der Mainzer Innenstadt funktioniere das mit zehn Stationen schon recht gut, findet er. Anders sieht es in den Vororten und erst recht im Umland aus: Zum einen sei die angestrebte Auslastung eines Wagens von 30 Prozent hier schwierig zu erreichen. "Zum anderen möchte aber niemand weiter als maximal 500 Meter von seiner Wohnung zur Station laufen." Weshalb die Firma stets auf der Suche nach zu mietenden Stellflächen ist.

    Eine Suche, die vor wenigen Wochen offizielle Unterstützung gefunden hat. "Wir wollen diese umweltfreundliche Form der Mobilität fördern", sagt Verkehrs- und Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne). Und hat deswegen einen eigenen Mitarbeiter mit der Suche nach neuen Carsharing-Stellplätzen betraut.

    Von unserer Redakteurin Brigitte Specht

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    Mainz
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