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London

Wissenschaftskrimi: Gebeine von Richard III. entdeckt

Es ist das ersehnte Happy End in einem archäologischen Thriller, der monatelang die britischen Historiker und Royalisten in Spannung gehalten hat. 528 Jahre nach der letzten großen Schlacht der Rosenkriege hat das Vereinigte Königreich endlich seinen „verschollenen“ König Richard III. zurück. Der von Shakespeare meisterhaft als ein machtgieriger Psychopath beschriebene, buckelige Herrscher lag unter einem öffentlichen Parkplatz begraben.

London – Es ist das ersehnte Happy End in einem archäologischen Thriller, der monatelang die britischen Historiker und Royalisten in Spannung gehalten hat. 528 Jahre nach der letzten großen Schlacht der Rosenkriege hat das Vereinigte Königreich endlich seinen „verschollenen“ König Richard III. zurück. Der von Shakespeare meisterhaft als ein machtgieriger Psychopath beschriebene, buckelige Herrscher lag unter einem öffentlichen Parkplatz begraben.

Geheimnis um Richard III.
Das Handout der Uni Leicester zeigt einen Schädel, der unter einem öffentlichen Parkplatz der Stadt gefunden worden war und möglicherweise einmal die englische Königskrone getragen hat.
Foto: Universi – DPA

Viel Aufregung um alte menschliche Knochen und einen beschädigten Schädel. Der Chefarchäologe Richard Taylor von der Universität Leicester blickt triumphierend in die Runde, dann sagt er feierlich: „Es ist zweifellos Richard“. Im voll besetzten Universitätssaal bricht lauter Applaus aus. Etwas Unglaubliches ist passiert. Der 32 Jahre alte Monarch war der letzte englische König, der in einer Schlacht fiel, jedoch war das Schicksal seiner Gebeine jahrhundertelang ein Mysterium. In jahrelanger, aufwendiger Detektivarbeit hatten ein Historiker und eine Journalistin nicht nur die verborgene Grabesstelle in den Ruinen einer zerstörten Kirche entdeckt, sondern auch zwei Abkömmlinge von Richard III. aufgetrieben, dessen DNA mit dem Erbmaterial des ausgegrabenen Skeletts unter dem Parkplatz verglichen werden konnte. Ein Video mit einem der Wissenschaftler vermittelt Eindrücke von der Fundstelle und der Suche:

Was zunächst wie eine bizarre Theorie aussah, erwies sich als ein Volltreffer. Die Uni Leicester gab am Montag die ersten wissenschaftlich erwiesenen Fakten über den legendären „Bösewicht“ bekannt. Die Experten zählten in Richards Schädel acht Spuren von Schwert- und Hellebarden-Wunden, von denen zwei tödlich gewesen sein müssen.

Ungefähr 1520 soll dieses Portrait von Richard III entstanden sein – ein Werk nach einem verloren gegangenen Original.
Ungefähr 1520 soll dieses Portrait von Richard III entstanden sein – ein Werk nach einem verloren gegangenen Original.
Foto: The Richard III
Es wurde bestätigt, dass der König unter einer seitlich gebogenen Wirbelsäule litt. Anders als von den mittelalterlichen Geschichtsschreibern geschildert, wies jedoch das „schlanke, fast weibliche“ Skelett des Monarchen keinen verkümmerten Arm auf. Damit stellt sich die spannende Frage: Hatten womöglich die Tudor-Chronisten und der Dichter William Shakespeare absichtlich ihre Landsleute mit dem abstoßenden Porträt eines Mörders in die Irre geführt, um ein propagandistisches Ziel zu erreichen?

„Ein Pferd! Ein Königreich für ein Pferd!“ ruft der verzweifelte Richard III. im gleichnamigen Drama (1597) des großen Barden. Nach der vorherrschenden Meinung der Historiker ließ der reale Herrscher 114 Jahre zuvor seine jungen Neffen Edward und Richard im Tower heimtückisch ermorden, um den Thron besteigen zu können. Sein Reich dauerte aber nur 26 Monate lang. Der glücklose Plantagenet wurde 1485 vom zukünftigen König Henry VII. auf dem Schlachtfeld bei Bosworth besiegt, der anschließend die nackte Leiche seines Feindes öffentlich ausstellen ließ.

So wurden die Überreste des Königs auf dem Gelände eines Parkplatzes entdeckt. 
So wurden die Überreste des Königs auf dem Gelände eines Parkplatzes entdeckt.
Foto: University of Le

Die britische „Richard III. Society“ ist überzeugt, dass die neuen Machthaber in England später versucht haben, das Andenken des behinderten Monarchen zu beschmutzen, um den eigenen Anspruch auf den Thron zu stärken.
Um dies zu beweisen, hatte die Gesellschaft nach eigenen Angaben die verfügbaren historischen Schriften zweien Psychologen vorgelegt, die ein Profil des Königs erstellt haben. Nach 18 Monaten Arbeit lautete das Fazit der Experten: „Richard III. war weder ein Psychopath noch ein kaltblütiger Mörder“.

Von Alexei Makartsev

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