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    Vierfüßer gab es eher als bisher gedacht

    London (dpa) ­ Die ersten vierfüßigen Wirbeltiere entwickelten sich womöglich bereits vor rund 395 Millionen Jahren in den flachen Küstengewässern der Meere. Darauf deuten fossile Fußspuren hin, die Wissenschaftler in Polen entdeckt haben.

    Die Abdrücke sind etwa 18 Millionen Jahre älter als die bisher als älteste Funde datierten Fossilien von Vierfüßern. Die Spuren wurden von Tieren hinterlassen, die statt Flossen Vorder- und Hinterfüße besaßen und die vermutlich getragen vom seichten Wasser über den matschigen Grund liefen. Dies berichten die Wissenschaftler aus Polen und Schweden im britischen Fachmagazin «Nature» (Bd. 463, S. 43).

    Bei den im Südosten Polens entdeckten Abdrücken handelt es sich sowohl um komplette Laufspuren einzelner Tiere als auch um isolierte Abdrücke einzelner Füße. Bei einer der Laufspuren, die Grzegorz Niedzwiedzki von der Universität Warschau und seine Mitarbeiter untersucht haben, lassen sich Vorder- und Hinterfuß unterscheiden. Schleifspuren von Körper oder Schwanz sind nicht vorhanden, so dass die Wissenschaftler davon ausgehen, dass das Tier sich im Wasser schwebend auf seinen Gliedmaßen fortbewegte. Anhand der Größe des Fußabdrucks schließen die Forscher auf ein etwa 40 bis 50 Zentimeter langes Tier. Andere Abdrücke sind größer und gehörten zu bis zu zweieinhalb Meter messenden Tieren. Teilweise zeigen die Abdrücke auch Spuren von Fingern, beziehungsweise Zehen.

    Die Entdeckung der Fußspuren wirft zahlreiche Fragen zur Evolution der Tetrapoden - so der wissenschaftliche Ausdruck für die Vierfüßer - auf. Die Tetrapoden haben sich bisherigen Annahmen zufolge bei der Eroberung des Landes über das Zwischenstadium der Elpistogalia aus den Fischen entwickelt. Kopf- und Körperform der Elpistogalia ähnelte denen der Tetrapoden, sie besaßen aber noch Flossen anstelle von Gliedmaßen. Die neu entdeckten fossilen Fußspuren sind aber nun zehn Millionen Jahre älter als die ältesten bekannten Elpistogalia-Fossilien, so dass die beiden Gruppen lange Zeit nebeneinander gelebt haben müssen. Dass die Spuren im marinen Umfeld gefunden wurden, stellt zudem die bisher gängige Annahme infrage, der zufolge der Übergang vom Wasser- zum Landleben an Flüssen und Seen stattgefunden hat.

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