40.000
  • Startseite
  • » Nachrichten
  • » Wissenschaft
  • » Schimpansen in Freiheit hilfsbereiter als im Zoo
  • Aus unserem Archiv

    Schimpansen in Freiheit hilfsbereiter als im Zoo

    Leipzig/San Francisco (dpa) – Schimpansen sind unter Artgenossen in freier Wildbahn deutlich hilfsbereiter als im Zoo.

    Forscher vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie haben im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste beobachtet, wie 18 verwaiste Schimpansen von anderen Tieren der Gruppe adoptiert wurden, die Hälfte von Männchen, die außer in einem Fall nicht die leiblichen Väter waren. Die erwachsenen Tiere kümmern sich für mehrere Jahre intensiv um ihre Pfleglinge.

    «In dieser Zeit sind sie ständig mit dem verwaisten Tier verbunden, warten auf das Jungtier, wenn sie den Wald durchqueren, beschützen es in gefährlichen Situationen und teilen ihre Nahrung mit ihm», erläuterte der Leiter des Forscherteams, Christophe Boesch. Dies stehe im Widerspruch zu Beobachtungen bei Zoo-Tieren, berichten die Anthropologen im Fachjournal «PLoS ONE» (Bd. 5, Artikel e8901). In Zoos sei festgestellt worden, dass die Tiere nur äußerst begrenzt kooperieren oder teilen.

    Die Fähigkeit zu uneigennütziger Hilfsbereitschaft unter nicht verwandten Gruppenmitgliedern werde seit einiger Zeit ausschließlich den Menschen zugestanden, schreiben die Forscher. Die überraschenden Beobachtungen unseren nächsten Verwandten aus dem Tierreich erklären sie sich mit den großen Gefahren in freier Wildbahn. «Dass im Zoo lebende Schimpansen ihre Nahrung nicht miteinander teilen, ist nicht überraschend, da alle Tiere stets wohlgenährt sind», erläutern die Wissenschaftler. Unter natürlichen Bedingungen gebe es hingegen viele Situationen, in denen das Überleben eines Schimpansen von der Hilfsbereitschaft einzelner Gruppenmitglieder «begünstigt» werde.

    Eine weitere Beobachtung stützt diese These: Im westafrikanischen Taï-Nationalpark wurden mehr Adoptionen beobachtet als bei Schimpansen, die in Ostafrika leben. Grund dafür ist möglicherweise, dass die Taï-Schimpansen ihren Lebensraum mit einer großen Leopardenpopulation teilen. «Die ständige Bedrohung durch diese Großkatzen scheint den Zusammenhalt und die Solidarität innerhalb der Gruppe gefördert zu haben», schreiben die Leipziger Forscher.

    Die Beobachtungen zeigten, dass Schimpansen unter den geeigneten Bedingungen durchaus für das Wohl anderer, nicht verwandter Gruppenmitglieder Sorge tragen. «Nur genaue Beobachtungen freilebender Schimpansen können uns verraten, wie intelligent diese Tiere wirklich sind. Dann, und nur dann, werden wir die Frage beantworten können, was den Menschen zum Menschen macht», schlussfolgerte Boesche.

    http://dpaq.de/Schimpansen

    Wissenschaft
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst
    Maximilian Eckhardt
    0261/892743
    Kontakt per Mail
    Fragen zum Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Das Wetter in der Region
    Montag

    5°C - 8°C
    Dienstag

    2°C - 6°C
    Mittwoch

    4°C - 6°C
    Donnerstag

    4°C - 8°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    UMFRAGE
    Winter, oh Winter!

    Mit voller Kraft brach am Wochenende der Winter herein – allerdings ging ihm schnell die Puste aus. Wie finden Sie das Winterwetter?

    UMFRAGE
    Kneipensterben auf dem Dorf

    Nur noch etwa jedes zweite Dorf hat eine eigene Gaststätte oder Kneipe – und es werden immer weniger. Vermissen Sie die Dorfkneipe?

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!