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Duisburg

Mimiktagung: Frauen zeigen Zähne zur Beschwichtigung

Mimikforscher haben Ähnlichkeiten zwischen dem Lächeln einer Frau und dem von Affen entdeckt. Das meist offene Lächeln einer Frau sei vergleichbar mit dem Verhalten von Primaten im Tierreich.

«Wenn Affen einem Gegner gegenüber unterwürfig sind, zeigen sie die Zähne», sagt Nicole Krämer, Professorin für Sozialpsychologie der Universität Duisburg-Essen. Frauen würden dies auch tun, wenn sie sich ihrem Gegenüber nicht dominant fühlten. Mit diesem Verhalten versuchten sie, zu beschwichtigen.

Menschen grinsen, runzeln die Stirn, verziehen das Gesicht. Die Mimik spielt bei jedem Gespräch eine entscheidende Rolle. Bei der 13. Internationalen Tagung zur Mimikforschung sprechen 60 Wissenschaftler aus Europa bis Mittwoch darüber, woran wir echte Gefühle erkennen und warum wir emotionale Beziehungen zu Roboterhasen aufbauen.

«Orbicularis oculi» ist das lateinische Zauberwort, um ein echtes Lächeln von einem unechten zu unterscheiden. «Der Begriff», so erklärt Nicole Krämer, «bezeichnet den Ringmuskel um die Augen, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn wir tatsächlich lächeln». Dann zeigen sich die bekannten Krähenfüßchen. Da sich die Muskeln um die Augen nur schwer kontrollieren lassen, verrät gerade das Fehlen der Fältchen falsches Lächeln. Aber auch am Tempo, in dem die Mundwinkel nach oben schnellen, erkenne man, ob jemand wirklich freundlich ist.

«Führungskräfte lächeln prinzipiell weniger», sagt die Wissenschaftlerin. «Je höher der Status, desto weniger wird gelächelt.» So hat die Forschung zum Beispiel herausgefunden, dass Männer im Berufsalltag viel weniger lachen als Frauen. «Wenn Frauen lächeln, gilt das als normal. Lächeln sie nicht, gilt es gleich als unfreundlich.» Gerade Frauen in Führungspositionen hänge häufig der Ruf der «Unfreundlichen» nach, wenn sie sich an männliches Verhalten angleichen würden. «Männer dagegen können durch ein Lächeln nur gewinnen.» So erkläre sie sich auch, dass über Angela Merkels herunterhängende Mundwinkel geredet wird, «aber bei (Ex-Außenminister Frank-Walter) Steinmeier vermutlich niemand drüber gesprochen hätte».

Aber nicht nur das Berufsleben, sondern auch das Paarungsverhalten lässt interessante Aufschlüsse über das männliche und weibliche Geschlecht zu: Männer, die sich von einer attraktiven Frau beobachtet fühlen, setzen ihre Gesichtsmimik ein, um sich möglichst vorteilhaft zu präsentieren – ein unbewusstes Pfauengehabe.

«Als Forscher nutzt man heutzutage Computeranimationen, um die Mimik nachzubilden», sagt Krämer. Während früher die Analyse einer einzigen Gesichtsregung einen ganzen Tag dauerte, kann der Computer heutzutage dabei helfen, menschliche Gefühlsregungen schneller zu erforschen. «Wie bei einem Computerspiel haben wir dann das Gesicht einer Lara Croft, mit der wir für die Forschung einen Gesichtsausdruck herstellen können.»

Gleichzeitig werden Roboter immer mehr in der Mimikforschung eingesetzt – zum Beispiel in Form von niedlichen Hasen. Versuchspersonen verbrachten eine Woche lang mit dem Roboterhasen «Nabaztag» und reagierten erstaunlich: «Wir können gar nicht anders. Auch, wenn die Roboterhasen nur die Ohren bewegen und ein wenig Musik machen können, reagiert der Mensch wie in einer normalen Internaktion mit einem Menschen», sagt Krämer.

Wissenschaft
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