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    Gehirn entlarvt böse Absicht schon im Vorfeld

    Zürich/Konstanz/Cambridge (dpa) - Ob jemand ein Versprechen halten wird oder nicht, lässt sich einer Studie zufolge schon mit Gehirnmessungen erahnen. Eines Tages könnten so möglicherweise bösartige Absichten erkannt werden, bevor eine Betrug überhaupt begangen worden ist.

    Das sagte der Neurowissenschaftler Thomas Baumgartner von der Universität Zürich am Mittwoch. Baumgartner und sein Hochschulkollege Ernst Fehr sowie Urs Fischbacher von der Universität Konstanz untersuchten 26 junge Männer während eines Geldspiels im Hirnscanner. Das Spiel war so angelegt, dass Probanden einen finanziellen Vorteil erlangten, wenn sie ein Versprechen brachen. Der Spielpartner hingegen erlitt eine finanzielle Einbuße.

    Wie die Universität weiter mitteilte, erhöhte sich bei Wortbrechern die Aktivität in Gehirnregionen, die eine wichtige Rolle spielen bei Emotions- und Kontrollprozessen. Das Gehirnaktivierungsmuster ließ darauf schließen, dass der Wortbruch einen emotionalen Konflikt auslöst, weil die ehrliche Handlung unterdrückt wird. Die im Fachjournal «Neuron» (Bd. 64, S. 756) veröffentlichte Studie zeigt, dass «verräterische» Muster der Gehirnaktivierung sogar eine Voraussage erlauben, ob jemand sein Versprechen halten wird oder nicht.

    Die Forscher ließen die Probanden vor dem Spiel angeben, ob sie beabsichtigten, das Geld - das ihnen ihr Mitspieler danach anvertraute - zu behalten oder mit diesem zu teilen. Bei der Abgabe des Versprechens hätten sich eigennützige Spieler, die später das Geld für sich behielten, äußerlich nicht von fairen Probanden unterschieden, sagte Baumgartner. Beide Spielertypen versprachen, das Geld zu teilen - und die Wortbrecher zögerten mit ihrem Versprechen nicht länger als jene, die es ehrlich meinten.

    Die Gehirnmessungen entlarvten die Wortbrecher allerdings schon zu diesem Zeitpunkt: Die Aktivität in einigen Gehirnarealen habe sich deutlich von denjenigen der fairen Probanden unterschieden, sagte der Neurowissenschaftler. Verändert ist auch ein Teil der Aktivität der Großhirnrinde, der bei körperlichen Empfindungen eine Rolle spielt, wie sie für Lügendetektortests genutzt werden.

    Laut den Forschern deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Gehirnmessungen bösartige Absichten schon enthüllen können, bevor sie in die Tat umgesetzt wurden. Ähnliche Visionen wurden etwa im Science-Fiction-Film «Minority Report» von Regisseur Steven Spielberg umgesetzt. Eine theoretische Einsatzmöglichkeit der Methode sieht Baumgartner zum Beispiel bei großen Finanzanlagen. Gerade die Wirtschaftskrise und jüngste Finanzskandale hätten gezeigt, dass materielle Anreize zum Betrug in der menschlichen Gesellschaft allgegenwärtig sind und großen Schaden anrichten können.

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