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Tokio/Peking

Volkswirtschaft: China überholt Japan

dpa

China hat Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt verdrängt. Das japanische Wirtschaftswachstum lag im zweiten Quartal deutlich unter den Erwartungen, wie die Regierung in Tokio am Montag mitteilte.

Tokios Börse schließt fest
Japan erreichte nach vorläufigen Berechnungen der Regierung im zweiten Kalenderquartal ein Bruttoinlandsprodukt von rund 1,28 Billionen Dollar, während China auf ein BIP von 1,33 Billionen Dollar kam.

Nach vier Jahrzehnten verlor Japan damit seinen Stammplatz als zweitgrößte Wirtschaftsnation hinter den USA. Vor zwei Jahren hatte China Deutschland überholt und auf den vierten Platz verwiesen. Frankreich, Großbritannien und Italien dürften in diesem Jahr die weiteren Plätze belegen – gefolgt von Brasilien als weiteres aufstrebendes Schwellenland voraussichtlich auf dem achten Rang.

Nach vorläufigen Berechnungen der Regierung in Tokio belief sich Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal auf 1,28 Billionen Dollar, während China auf 1,33 Billionen Dollar kam. Zwar lassen sich die Zahlen nicht ohne weiteres vergleichen, da sie nicht um saisonale Faktoren bereinigt sind. Dennoch gilt es als wahrscheinlich, dass der mit zehn Prozent stark wachsende chinesische Nachbar aufs ganze Jahr gesehen die neue Nummer Zwei bleibt.

Chinas staatlich kontrollierte Medien gingen nicht direkt auf den zweiten Rang ein, der Chinas Position als globale Wirtschaftsmacht mit Anspruch auf mehr Mitsprache festigt. Dass Chinas Wirtschaft größer als die japanische ist, solle nicht überbewertet werden, meinte der Ökonom von Chinas Industrial Bank, Lu Zhengwei. China sei groß und mit 1,3 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde. «Wichtiger sind das Pro-Kopf-Einkommen, das soziale Netz für einfache Bürger und die Infrastruktur – hier hinken wir noch weit hinterher», sagte Lu der Nachrichtenagentur dpa in Peking.

«Mehr als zuvor spielt China eine wichtige Rolle auf den Weltmärkten, besonders bei Rohstoffen», sagte die China-Spezialistin der Standard Chartered Bank, Jinny Yan. Schon heute hat die Nachfrage aus China nach Angaben von Experten großen Einfluss auf den Preis aller wichtiger Rohstoffe.

«Natürlich kommt mit dem Titel der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt auch Verantwortung», sagte Yan. Daher rücke die Energieeffizienz in den Mittelpunkt der Politik. China hat die USA als größter Energieverbraucher überholt. Zu den Superlativen gehört aber auch, dass kein Land mehr Treibhausgase ausstößt als China.

In der Krise ist Japans Wirtschaft zwar weiter gewachsen, aber deutlich langsamer als erwartet. Das BIP stieg im zweiten Quartal angesichts geringerer Exporte und des schwachen Privatkonsums nur noch mit einer hochgerechneten Jahresrate von 0,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorquartal sei das BIP im Zeitraum von April bis Juni um 0,1 Prozent gestiegen. Dazu trug nicht zuletzt bei, dass die Wirkung der von der Regierung in der Krise ergriffenen Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur nachlässt.

Zwischen Januar und März war Japans Wirtschaft noch um 4,4 Prozent gewachsen, ein Quartal zuvor um 4,1 Prozent. Der Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Satoshi Arai, warnte vor Risiken für Japans nach wie vor stark exportabhängige Wirtschaft – darunter die unklaren Konjunkturaussichten in den USA und in Europa.

Zugleich befindet sich Japans Wirtschaft weiter im Griff einer Deflation mit andauernd fallenden Preisen. Eine Deflation drückt die Umsätze und Gewinne der Unternehmen, die dann Abstand von Investitionen nehmen und Arbeitsplätze abbauen. Verbraucher halten sich dann wiederum mit Anschaffungen zurück, wodurch sich der Preisverfall noch verschärft.

Die schwachen BIP-Daten könnten den Druck auf die Regierung erhöhen, neue Konjunkturmaßnahmen zu ergreifen. Auch könnte sich die Zentralbank gezwungen sehen, die ohnehin extrem losen geldpolitischen Zügel weiter zu lockern. Die Verbraucherausgaben, die in Japan zu rund 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beitragen, erhöhten sich im Berichtszeitraum um lediglich 0,03 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

Wirtschaft
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