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    Spritpreise und Schuldenkrise trüben Kauflaune

    Nürnberg/Berlin (dpa) - Boom in der deutschen Wirtschaft - leichte Katerstimmung bei den Verbrauchern: Vor allem hohe Spritpreise und die Krise der EU-Schuldenstaaten dämpfen den Optimismus der Konsumenten im Mai weiter - das Geld der Verbraucher sitzt weniger locker.

    GfK veröffentlicht neueste Daten zum Konsumklima
    Frauen gehen mit Einkaufstüten: Doch die Konsumlaune vieler Bundesbürger ist derzeit leicht eingetrübt; viele zögern bei größeren Anschaffungen.
    Foto: DPA

    Das stoppt den deutsche Aufschwung aber nicht, Wirtschaft und Experten erwarten ein fulminantes Wachstum. So zuversichtlich waren Deutschlands Unternehmen laut DIHK-Konjunkturumfrage seit dem Boomjahr 2007 nicht mehr.

    Viele deutsche Verbraucher geben aus Angst vor neuen Preissteigerungen weniger Geld aus als zuvor, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Außerdem stellten sich zahlreiche Haushalte für die kommenden Monate auf sinkende Einkommen ein. Daran könne selbst der kräftige Aufschwung nichts ändern.

    Vor allem das griechische Schuldendrama belastet laut GfK das Konsumklima: Viele Verbraucher befürchteten, dass milliardenschwere Hilfen und Garantien des Bundes für das schuldengeplagte Land zum Abbau staatlicher Leistungen und damit zu Einkommenseinbußen der Bürger führen könnten, sagte der Konsumforscher Rolf Bürkl. Der Konsumklima-Index dürfte nach GfK-Prognosen im Juni von 5,7 auf 5,5 Punkte sinken. Die GfK befragt dazu monatlich rund 2000 Verbraucher.

    Die GfK sieht darin allerdings noch keinen Hinweis auf eine Trendwende. So sei die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen im Mai im Vergleich zum Vormonat nur vergleichsweise leicht gesunken - der entsprechende Indexwert rutschte um 2,7 Punkte auf den noch immer guten Wert von 31,5 Punkten. Auch bewege sich der Konjunkturoptimismus trotz des Dämpfers im Mai noch immer auf hohem Niveau. Der entsprechende Wert ging lediglich um 1,2 auf 46,1 Punkte zurück.

    Die deutsche Wirtschaft kann 2011 trotz allem auf ein ungebrochenes Wachstum hoffen: Nach einer Prognose der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird die Wirtschaft in Deutschland im laufenden Jahr um 3,4 Prozent wachsen - getragen zu einem beachtlichen Teil vom privaten Konsum. 2010 lag das Wachstum bei 3,6 Prozent. Für 2012 erwartet die Organisation ein geringeres Wachstum von 2,5 Prozent.

    Und auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hob seine Konjunkturprognose an - um 0,5 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. Die Bundesregierung hatte im April einen Zuwachs um 2,6 Prozent vorausgesagt. Zuletzt deutete Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) aber schon an, dass der Aufschwung stärker ausfallen könnte.

    Von der guten Lage profitieren auch die Arbeitnehmer. «In nahezu allen Branchen stehen die Zeichen auf Personalaufbau», sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. In Industrie, Handel und Bau würden so viele Jobs geschaffen wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Die Arbeitslosigkeit werde 2011 auf durchschnittlich 2,8 Millionen sinken - «den niedrigsten Wert seit 20 Jahren».

    Knapp ein Drittel der Unternehmen sieht allerdings im Fachkräftemangel ein Risiko für die eigene Geschäftsentwicklung - doppelt so viele wie zu Jahresbeginn 2010. Als Konjunkturgefahr Nummer eins beurteilen 56 Prozent der Firmen aber die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise.

    Auch die OECD bestätigte, Schocks durch hohe Rohstoffpreise und das Erdbeben in Japan dämpften die Konjunktur etwas und trieben die Gesamtinflation in die Höhe. Ab Mitte des Jahres dürften diese Effekte aber nachlassen, urteilte die Organisation.

    GfK-Konsumforscher Bürkl warnte dennoch, auch steigende Preise könnten neben der Angst vor einer Verschärfung der EU-Schuldenkrise auf die Kauflaune durchschlagen. «Das Problem bei vielen Verbrauchern ist die gefühlte Inflation: Viele Haushalte stellen gerade bei Produkten eine starke Preissteigerung fest, die von ihnen regelmäßig gekauft werden, wie Benzin und Lebensmittel», sagte er.

    Am stärksten verunsichert sind die Verbraucher denn auch nach GfK-Feststellungen beim Blick ins eigene Portemonnaie; für die kommenden Monate rechneten viele Haushalte mit einem geringeren Einkommen als in den Vormonaten. Allerdings hätten zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht die jüngsten Daten über das starke Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent im ersten Quartal 2011 vorgelegen.

    Derzeit sind seriöse Prognosen über die weitere Entwicklung der Verbraucherstimmung in Bürkls Augen praktisch unmöglich. Einerseits sorgten sich viele Haushalte, andererseits stimme sie die «exzellente Lage der deutschen Wirtschaft» optimistisch.

    Wirtschaft
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