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    Tokio

    Japan sieht Ende der Deflation nahe

    Japan sieht ein Ende des jahrelangen Preisverfalls näher rücken. Die Verbraucherpreise zogen im Dezember um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an und damit im nunmehr siebten Monat in Folge, wie die Regierung am Freitag bekanntgab.

    Shopping in Tokio
    Weil die Verbrauchersteuer angehoben wird, könnten die Ausgaben der japanischen Konsumenten zurückgehen. Denn ohne Gehaltssteigerungen würde die Kaufkraft der Haushalte sinken.
    Foto: Franck Robichon - DPA

    Das ist ein deutlicherer Anstieg als von Ökonomen erwartet worden war. Die Industrieproduktion legte zugleich erstmals seit zwei Monaten zu. Der Ausstoß erhöhte sich im Vergleich zum Vormonat um saisonbereinigt um 1,1 Prozent. Positive Signale gab es auch von Japans Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote sank im selben Monat auf 3,7 Prozent nach 4,0 Prozent im Vormonat. Das ist der niedrigste Stand seit sechs Jahren.

    Entscheidend wird nach Ansicht von Ökonomen nun aber sein, ob die Unternehmen des Landes ihre gestiegenen Profite dazu nutzen, die Löhne ihrer Mitarbeiter zu erhöhen. Im Frühjahr stehen Lohnverhandlungen zwischen großen Arbeitgebern und den Gewerkschaften an. Höhere Löhne seien für das weitere Wachstum der Wirtschaft wichtig, betonte der Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Akira Amari. Ohne Gehaltssteigerungen, die die Inflation abfedern, würde die Kaufkraft der Haushalte sinken. Bislang wurde die Inflation praktisch ausschließlich von den steigenden Energiekosten in Folge des schwachen Yen sowie der Abschaltung der Atomkraftwerke getrieben.

    Die Regierung sieht sich angesichts der jüngsten Daten darin bestätigt, dass die «Abenomics» genannte Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe Wirkung zeigt. Er versucht, ungeachtet der gigantischen Staatsverschuldung mit gewaltigen Konjunkturprogrammen und mit Hilfe einer drastischen Lockerung der Geldpolitik durch die Notenbank die Wirtschaft anzukurbeln. Mit ihrer aggressiven Geldpolitik will die Notenbank, Japan aus der jahrzehntelangen Falle der Deflation befreien. Die Deflation, eine Spirale aus sinkenden Preisen und hartnäckiger Lähmung der Nachfrage, ist das Kernproblem der japanischen Wirtschaft schon seit den 1990er Jahren.

    Ökonomen mahnen für eine dauerhafte Erholung jedoch Strukturreformen an. Diese habe Abe zwar bereits vor Monaten angekündigt, geschehen sei aber noch nichts. Um Investitionen anzukurbeln, will Abe nun die Unternehmenssteuern senken. Seine Regierung wolle im Februar mit Beratungen über eine Reform der Unternehmensbesteuerung beginnen, kündigte er am Freitag an. Er hofft, dass Unternehmen mit Steuererleichterung dazu ermuntert werden, die Löhne ihrer Belegschaften zu erhöhen. Eine Senkung der Steuern könnte nach Ansicht von Experten allerdings zu weiteren Steuerausfällen führen und die Fiskallage Japans verschärfen.

    Die nicht zuletzt durch die drastische Abwertung des Yen verbesserte Ertragslage der Unternehmen sowie der langsam Mangel an Arbeitskräften könnte nach Ansicht mancher Ökonomen tatsächlich dazu führen, dass Unternehmen ihre Löhne erhöhen. Allerdings sehen das viele allenfalls für große Konzerne. Bei den kleinen und mittleren Unternehmen, wo das Gros der Japaner beschäftigt ist, dürfte es mit Lohnzuwächsen nach Ansicht von Experten noch einige Zeit dauern.

    Ökonomen sehen ein Risiko in der am 1. April anstehenden Erhöhung der Verbrauchersteuer von derzeit fünf auf acht Prozent. Dies könnte die Ausgaben der Konsumenten drücken. Manche Ökonomen rechnen mit Blick auf die anstehende Steuererhöhung damit, dass die Zentralbank des Landes ihre Geldpolitik im April noch weiter lockern wird. Um das Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen und die Wirtschaft anzukurbeln, will sie die Geldbasis bis 2015 verdoppeln.

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