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GM mit Milliardengewinn – Whitacre tritt ab

Detroit/Rüsselsheim (dpa) – General Motors fährt ein Jahr nach seiner Insolvenz wieder Milliardengewinne ein. Damit hat der US- Konzern seine tiefe Krise überwunden und strebt zurück an die Börse.

Ed Whitacre
Zieht sich zurück: Ed Whitacre

Konzernchef Edward Whitacre, der als Feuerwehrmann kam und erst vor einem halben Jahr das Steuer in die Hand nahm, hat seine Aufgabe erfüllt. Er übergebe den Posten zum 1. September an das Verwaltungsratsmitglied Daniel Akerson, kündigte Whitacre am Donnerstag überraschend an. Bis zum Ende des Jahres wird Whitacre dann noch dem Verwaltungsrat vorstehen und damit die Geschicke des Unternehmens überwachen.

Erst zu Jahresbeginn war der US-Konzern in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Nun erwirtschaftete GM im zweiten Quartal unterm Strich bereits 1,3 Milliarden Dollar. GM war auf allen Märkten erfolgreich – außer in Europa. Das Geschäft mit Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall bringt weiter Verluste.

«Ich bin sehr zufrieden mit unseren Fortschritten», sagte Finanzchef Chris Liddell am Donnerstag in Detroit. Auch für das Gesamtjahr ist er zuversichtlich: «Ich erwarte, dass das Jahr solide profitabel wird.» Es könne allerdings sein, dass die zweite Jahreshälfte nicht ganz so glanzvoll verlaufen werde.

Vor einem Jahr, zu Zeiten der Insolvenz, hatte die alte GM noch einen Megaverlust von 12,9 Milliarden Dollar eingefahren. Der Staat musste rettend eingreifen und mit milliardenschweren Hilfen das Unternehmen vor der Pleite bewahren. GM verschwand von der Börse. Mittlerweile laufen die Vorbereitungen für eine Rückkehr aufs Parkett auf Hochtouren. Bereits an diesem Freitag könnte der Konzern erste Details verraten. Der Börsengang selbst passiert frühestens im Herbst.

Der Zeitpunkt scheint bestens gewählt. Derzeit boomt das Geschäft. Der Umsatz stieg um 44 Prozent auf 33,2 Milliarden Dollar. Vor allem in Nordamerika und in Asien kommt das Unternehmen mit der Produktion kaum hinterher.

Dagegen läuft es bei den europäischen Töchtern Opel und Vauxhall weiter mau. Sie verkauften nach dem Auslaufen der staatlichen Absatzhilfen weniger Autos als vor einem Jahr. Während der anhaltenden Debatten um mögliche Staatshilfen zur Rettung des Autobauers entschieden sich im ersten Halbjahr deutlich weniger Autokäufer für einen Opel oder Vauxhall. Insgesamt verkaufte der Hersteller 608 000 Fahrzeuge nach 645 000 im Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil fiel nach den Angaben im ersten Halbjahr von 9,1 Prozent in 2009 auf nun 8,6 Prozent.

Immerhin konnte GM Europe seinen Verlust auf operativ 160 Millionen Dollar eindämmen. Zum Jahresauftakt hatte GM in Europa noch 477 Millionen Dollar verloren, Ende vergangenen Jahres sogar 799 Millionen Dollar. Europachef Nick Reilly will Opel 2011 aus der Verlustzone führen, 2012 soll der Hersteller wieder gutes Geld verdienen. Liddell betonte: «Wir waren nahe an einem Break-Even in Europa.» Die Restrukturierungskosten hätten einen Gewinn letztlich verhindert.

Opel-Chef Nick Reilly versprach den Mitarbeitern am Donnerstag: «Wir haben mit der Umsetzung unseres Restrukturierungsplans große Fortschritte gemacht – damit kann Opel/Vauxhall in der europäischen Fahrzeugindustrie wieder ganz nach vorne fahren.» Die Unsicherheit der letzten Monate sei weitgehend überwunden: «Die Wolken haben sich gelichtet und wir können uns auf eine erfolgreiche Zukunft freuen.»

Nun gehe es darum, das Image der Marke zu verbessern und Marktanteile zurückzugewinnen. Dann könne Opel wieder profitabel werden. Nach früheren Angaben will Opel seinen Absatz von rund 1,2 Millionen Fahrzeugen 2009 auf fast 1,7 Millionen Autos 2014 steigern.

GM hat die Wende ironischerweise vor allem der Insolvenz zu verdanken. Denn dabei hatte der Konzern die Bürden der Vergangenheit abstreifen können: veraltete Werke, hohe Schulden und überbordende Kosten für Gesundheit und Pensionen. Damit schlagen sich jetzt die Alteigner und früheren Geldgeber herum, die Verlierer der Operation.

Bei der neuen GM räumte der scheidende Konzernchef Whitacre weiter kräftig auf: Er stampfte mehrere US-Marken ein, verkaufte die schwedische Tochter Saab und fährt in Europa einen Sparkurs. Gleichzeitig pumpte er Geld in neue Modelle. Neben dem Bau der in Nordamerika beliebten Pick-Up-Trucks und massigen Geländewagen versucht sich GM als Vorreiter bei Elektroautos zu positionieren. Der Chevrolet Volt kommt Ende des Jahres auf den US-Markt und Ende 2011 als Opel Ampera nach Europa. Er sei gekommen, um GM wieder profitabel zu machen, sagte Whitacre am Donnerstag. Das sei geschafft.

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