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Druck bei bestreikter Neuer Halberg Guss steigt

Am Donnerstag dauert der Streik bei der Neuen Halberg Guss bereits vier Wochen. Die Gewerkschaft setzt auf ein neues Angebot der Geschäftsführung – bisher zeichnet sich aber keine Einigung ab. Könnten Kunden dem Zulieferer noch mehr Aufträge entziehen?

Streik bei Neue Halberg Guss
Mitarbeiter des Automobilzulieferers Neue Halberg-Guss streiken vor dem Standort Leipzig.
Foto: Hendrik Schmidt – dpa

Saarbrücken/Leipzig (dpa) – Beim seit Wochen bestreikten Autozulieferer Neue Halberg Guss (NHG) könnten nach Einschätzung der Geschäftsführung weitere Jobs auf der Kippe stehen – die IG Metall sieht dies als „Drohgebärde“.

Kurz vor neuen Gesprächen verschärfte sich der Ton zwischen Management und Gewerkschaft noch einmal. NHG-Chef Barbaros Arslan sagte der Deutschen Presse-Agentur, wenn die Produktion nicht wieder beginne, würden auch diejenigen Arbeitsplätze wackeln, die im Werk Saarbrücken nicht gestrichen werden sollten. „Damit stellt sich auch die Frage, ob die Jobgarantie der NHG-Geschäftsleitung für Saarbrücken überhaupt aufrechterhalten werden kann“, erklärte er. Denn einzelne Kunden könnten Werkzeuge aus der Produktion abziehen. Ein Sprecher der Gewerkschaft meinte mit Blick auf diese Äußerungen hingegen: „Sie helfen uns nicht weiter. Neudeutsch ist das Mobbing.“

Die NHG-Werke in Saarbrücken und Leipzig werden seit fast vier Wochen bestreikt. Am Donnerstag treffen sich beide Seiten in Frankfurt am Main zu neuen Sozialtarifverhandlungen. „Eine Beilegung des Konflikts ist nur möglich, wenn die Geschäftsführung ernsthaft mit uns verhandelt und uns ein belegbares Konzept für die Zukunft des Saarbrücker Werks vorlegt“, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Saarbrücken, Hans Peter Kurtz. „Es ist jetzt nicht die Zeit, die Kunden auf die IG Metall zu hetzen.“

In dem Konflikt geht es um die geplante Schließung des Werks in Leipzig mit 700 Beschäftigten Ende 2019 sowie um den erwogenen Abbau von 300 der insgesamt 1500 Arbeitsplätze in Saarbrücken. Die NHG gehört seit Januar zur Prevent-Gruppe, die sich vor allem mit VW immer wieder erbittert um Lieferkonditionen gestritten hat. Das Unternehmen stellt vor allem Motorblöcke und Antriebswellen für Autos und Lastwagen her. Kunden bestätigten bereits Lieferausfälle.

Die IG Metall fordert eine Qualifizierungsgesellschaft und einen Treuhandfonds. Sie kündigte für Donnerstag eine Demonstration von Halberg-Beschäftigten in Frankfurt an. Aus Saarbrücken hätten sich rund 400 Menschen angesagt, zudem kämen etliche Busse aus Leipzig. Ebenfalls am Donnerstag werde vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt über einen Antrag der NHG über die Rechtmäßigkeit der Streiks verhandelt, sagte der Gewerkschaftssprecher.

Das Vorgehen der NHG-Geschäftsführung wirke nicht souverän, sagte der Leipziger IG-Metall-Sprecher Bernd Kruppa. „Wir wollen auf seriöser Basis verhandeln.“ Zugleich betonte er, dass es bei dem Ausstand bleibe und dass es auch weiterhin keinen Streikbruch gebe.

Spielraum für größere finanzielle Zusagen als bisher angeboten sieht Geschäftsführer Arslan nicht. „Die andere Seite denkt, es sei ein Bluff. Am Donnerstag werden die Arbeitnehmer sehen, dass das Maximale schon seit vier Wochen vorliegt“, sagte er. Die Geschäftsleitung beziffert die Kosten für die Forderungen der Arbeitnehmerseite auf rund 700 Millionen Euro – das könne das Unternehmen nicht leisten.

Gewerkschafter Kurtz meinte, es sei „klar, dass unsere Forderung nicht zu 100 Prozent erfüllt wird. Aber man muss einen gangbaren Kompromiss finden.“ Dann würden die Beschäftigten in einer Urabstimmung über ein Ende der Streiks entscheiden.

Mit dem von Kunden angedrohten Abzug von Werkzeugen stehe es nun Spitz auf Knopf, sagte Arslan: „Die Gleichung ohne Kunde funktioniert nicht.“ Rechtlich könne er das nicht verhindern. Für die Fertigung von spezifischen Teilen stellen Abnehmer aus der Autoindustrie den Zulieferern häufig Werkzeugmaschinen zur Verfügung, die aber ihr Eigentum bleiben. Ziehen sie das Material ab, kann es eng werden.

Wirtschaft
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