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    Berlin

    DGB: Arbeitsplatz Stressfaktor Nummer eins

    Jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland macht wegen wachsender Arbeitsbelastung mindestens zehn Überstunden in der Woche. 52 Prozent der Beschäftigten fühlen sich dabei erheblich gestresst und gehetzt - und zwar umso mehr, je länger sie arbeiten.

    Psychischer Stress
    Überstunden im Büro: Immer mehr Beschäftigte erschöpfen im Hamsterrad des Arbeitsalltags.
    Foto: Wolfram Steinberg - DPA

    Das sind zentrale Ergebnisse der jährlichen DGB-Umfrage «Gute Arbeit», die am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde. Befragt wurden diesmal 6083 Beschäftigte aus mehr als einem Dutzend Branchen.

    Aus den Antworten lässt sich ablesen, dass die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr verschwimmt: Gut ein Viertel (27 Prozent) der Beschäftigten muss nach eigenen Angaben sehr häufig oder oft auch in der Freizeit für die Firma erreichbar sein. Fast jeder Siebte (15 Prozent) arbeitet sehr häufig oder oft unbezahlt in der Freizeit. Fast die Hälfte (49 Prozent) der Befragten geben an, dass sie 2011 mindestens zweimal zur Arbeit gegangen sind, obwohl sie sich «richtig krank» gefühlt haben.

    Für DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach zeigt die Umfrage: «Der Arbeitsplatz gilt als Stressfaktor Nummer eins.» 72 Prozent der Beschäftigten, die mehr als 10 Überstunden pro Woche machten, fühlten sich gehetzt. «Die psychischen Belastungen durch Arbeit sind so hoch, dass die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten gefährdet sind.» Sie sieht die Arbeitgeber am Zug: Notwendig seien «Arbeitsbedingungen, die weniger Stress produzieren», kein Konditionstraining zur besseren Stressbewältigung.

    Insgesamt arbeiten laut Umfrage zwei Drittel der Mitarbeiter (67 Prozent) länger als vertraglich vereinbart wurde. 25 Prozent aller Beschäftigten leisten bis zu 5 Überstunden in der Woche, 22 Prozent 5 bis 9 Überstunden, 11 Prozent 10 bis 14 Stunden und 9 Prozent 15 und mehr Überstunden. Nur 3 Prozent arbeiten weniger als im Arbeitsvertrag festgeschrieben.

    Buntenbach wies darauf hin, dass die Fehlzeiten der Arbeitnehmer in den Betrieben aufgrund psychischer Leiden seit 1984 um 80 Prozent zugenommen haben - und damit «geradezu explodiert» seien. Stress am Arbeitsplatz sei inzwischen nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel.

    IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban sagte dazu: «Das Gefühl, gehetzt zu sein, ist ein Faktum, das genauso hart ist und genau so ernst zu nehmen ist wie das Resultat einer Blutdruckmessung oder Gefahrstoff-Analyse.» IG-BCE-Vorstandsmitglied Edeltraud Glänzer forderte, die «Rekordhatz für die Beschäftigten» per Tarifvertrag zu stoppen.

    Urban warb erneut für eine Anti-Stress-Verordnung - mit klaren Vorschriften für erlaubte Belastungen im Job. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) habe sich für mehr psychosoziale Prävention in der Arbeitswelt zwar offen gezeigt. Es gebe aber noch «strategische Differenzen» über den Weg dorthin.

    DGB-Index Gute Arbeit

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