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    Stuttgart

    Daimler will Prämien für Gesunde einführen

    Geld für Gesundheit. Kann das gut gehen? Daimler handelt derzeit mit dem Gesamtbetriebsrat eine neue Betriebsvereinbarung über zusätzliche Maßnahmen zur Gesundheitsprävention aus. Der Autohersteller will deutschlandweit Gesundheitschecks für alle Beschäftigten anbieten. Teil der Vereinbarung ist aber auch ein Bonus für Mitarbeiter, die selten ausfallen. Diskutiert wird im letzten Stand eine Prämie von 200 Euro pro Jahr - brutto.

    200 Euro fürs Gesundbleiben: Daimler will mit einem umstrittenen Bonussystem erreichen, dass die Krankheitstage der Mitarbeiter sinken.   Foto: dpa
    200 Euro fürs Gesundbleiben: Daimler will mit einem umstrittenen Bonussystem erreichen, dass die Krankheitstage der Mitarbeiter sinken.
    Foto: dpa

    Von Annika Grah

    Dabei könnte der Betrag auch gestaffelt ausgezahlt werden, wenn ein Mitarbeiter nur wenige Tage gefehlt hat. Bislang ist die Betriebsvereinbarung aber noch nicht in trockenen Tüchern.

    Mitte Dezember berät der Gesamtbetriebsrat über den Entwurf. Eine Sprecherin des Betriebsrats wollte sich vor der Entscheidung nicht dazu äußern. Das Unternehmen hält sich ebenfalls bedeckt und will nur über das endgültige Ergebnis berichten.

    Es gab eine zweijährige Pilotphase an den Standorten Stuttgart, Kassel und Bremen, sagte eine Daimler-Sprecherin lediglich. Wie bei anderen Großkonzerne auch, gibt es bereits eine Vielfalt von Gesundheitsangeboten für die Mitarbeiter über Rückenschulen, Ernährungsberatung und Entspannungstechniken.

    Hört man sich in der Industrie um, ist das Bonusprojekt hingegen einzigartig. Bei BMW hat man nicht vor, die Anwesenheit mit Anreizen zu belegen, heißt es. Allerdings ist die Erfolgsbeteiligung an die Zahl der tatsächlich geleisteten Arbeitstage gekoppelt - längere Krankheiten wirken sich also aus. Bei Bosch und Volkswagen denkt man über solche Belohnungssysteme für fitte Mitarbeiter nicht nach, wie auch bei der Bahn und Siemens. Bei Audi verweist man auf ein breites Präventionsprogramm.

    Rechtlich ist Daimler auf der sicheren Seite: Das Entgeltfortzahlungsgesetz steht dem nicht im Wege, sagt Hans-Hermann Aldenhoff, Leiter der deutschen Büros der internationalen Kanzlei Simmons & Simmons. Im Gegenteil: Dort ist eine Kürzung von Sonderzahlungen wegen Krankheit explizit erlaubt. Aufpassen müssen Arbeitgeber laut Aldenhoff nur, wenn ältere oder behinderte Mitarbeiter diskriminiert werden. Sie könnten unter Umständen einen Schadenersatzanspruch geltend machen. In Daimlers Betriebsvereinbarung ist aber offenbar eine Härtefallregelung vorgesehen.

    Gesundheitsexperten sehen das Thema gespalten: "Ein positiver Aspekt könnte sein, dass die Eigenverantwortung gestärkt wird", sagt etwa Elke Ahlers von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. "Allerdings ist fraglich, ob finanzielle Anreize da das richtige Modell sind." Besser wäre die individuelle Ansprache des Mitarbeiters darüber, wie sich seine jeweilige Arbeits- und Gesundheitssituation verbessern lasse. "Sonst besteht auch die Gefahr, dass Krankheiten verschleppt werden." Das wiederum würde dem Präventionsgedanken des Arbeitsschutzgesetzes widersprechen.

    Auch bei der Techniker Krankenkasse warnt man: "Wenn die Bonifizierung einer niedrigen Fehltagezahl aber dazu führt, dass Mitarbeiter krank zur Arbeit gehen, profitieren weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer." Dabei könne es durchaus sinnvoll sein, gesundheitsbewusstes Verhalten zu honorieren. "Zum Beispiel, indem man ein Fitnessangebot im Betrieb installiert, die Mitgliedschaft im Fitnessstudio bezuschusst, einen Nichtraucherkurs anbietet oder das gesunde Kantinenessen bezuschusst." Nach Erfahrung der IG Metall haben Bonusregelungen wie sie Daimler plant höchstens kurzzeitige Effekte, tragen auf Dauer aber nicht zu einer niedrigeren Krankheitsquote bei. Es sei sinnvoller, das Geld in Gesundheitsprävention zu stecken.

    Ein weiterer Punkt ist die Höhe des geplanten Bonus bei Daimler: Ob die 200 Euro brutto pro Jahr in der gut bezahlten Metallbranche überhaupt ein Anreiz sind, sich für ein oder zwei Tage krank zur Arbeit zu schleppen, ist ohnehin fraglich: Allein die Erfolgsprämie von Daimler für die Tarifbeschäftigten im Konzern lag im vergangenen Jahr bei 5650 Euro.

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